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Lebensraum Wald (3)
Überlebenskampf im Unterholz

Remscheid. In dieser Folge geht es um das Erdgeschoss des Waldes. Was auf den ersten Metern über dem Boden wächst, entscheidet über die Zukunft des Waldes. Doch Jungbäume haben ganze Reihe von Feinden. Förster und Jäger steuern gegen. Von Solveig Pudelski

Die ersten Meter über dem Waldboden sind nicht nur die Kinderstube der Bäume, sondern auch der Lebensraum vieler Waldtiere und von Pflanzen wie Gräsern, Farnen, Beeren, Kräutern und Sträuchern. Aber nicht alles, was auf dem Remscheider Waldboden gedeiht, gehört in diese Region. Drei Arten machen der Forstabteilung bei den Technischen Betrieben Remscheid (TBR) arg zu schaffen. "Indisches Springkraut, sibirischer Knöterich und die Herkulesstaude breiten sich teilweise massiv aus", sagt Markus Wolff, der diese Abteilung leitet und Geschäftsführer des Forstverbandes ist.

Das erklärte Ziel sei, einen ökologischen Waldumbau und eine naturgemäße Waldwirtschaft zu betreiben. Aber die Palette gewünschter Arten dämmen die genannten Eindringlinge, sogenannte Neophyten, ein. Sie schießen bis zu zwei, drei Meter hoch und ersticken das Wachstum heimischer Pflanzen oder auch junger Bäume im Keim. "Baumsämlinge haben dort keine Chance", sagt Wolff. Es sind nicht die einzigen Wachstumshemmer der nächsten Baumgenerationen, die ein Idealwald mit vielen Arten und unterschiedlichen Baumgenerationen dringend braucht.

Auf der Liste stehen auch Rehe, die sich bevorzugt auf zarte Bäumchen und deren Blätter stürzen. Daher werden Rehe, die in dieser Region keine natürlichen Feinde wie den Wolf haben, bejagt. Jagd- und Pirschbezirke sind verpachtet, die Jagdzeiten klar geregelt.

Wie Bäume im geschützten Raum "ohne Rehverbiss" gedeihen, lässt sich an den Weisergattern ablesen: Diese kleinen abgezäunten Bereiche sind überall im Wald, sind bewusst an Wegesrändern platziert. Jeder sieht im Vorbeigehen, was in solchen Schonungen alles wächst. Vor allem Bäume gedeihen.

Das Augenmerk der Förster gilt immer wieder der Parterre im Wald, auf der sich viel abspielt - mit und ohne Eingriffe und Einfluss des Menschen. Nicht jeder ist gewollt: Am Waldrand entsorgter Grünschnitt aus dem Garten könne beispielsweise unerwünschte Pflanzen einschleppen, die nicht zum natürlichen Artenspektrum des Waldes gehören und das Waldökosystem stören. Anlieger machen sie mit Merkblättern immer wieder darauf aufmerksam - wie jüngst in Grenzwall und am Tenter Weg, berichtet Wolff. Nur punktuell kann das Forstamt der Fremdlinge Herr werden: wie im renaturierten Lobachtal, wo Praktikanten der Biologischen Station per Hand Springkraut herausrupften oder an der Intzestraße im Bereich Mebusmühle, wo Knöterich rausgerissen wurde.

Doch was gehört von Natur aus ins Unterholz? Je nach Standort und Bodenqualität sind es eher zarte Gewächse wie das Waldveilchen, Waldweidenröschen, Waldmeister, Buchsweidenröschen und Bärlauch. An den Arten könne man ablesen, wie die Bodengüte ist - Zeigerpflanzen nennen sie die Fachleute. Heimsimsen beispielsweise sind Gräser, die saure, nährstoffarme Böden bevorzugen. Brennnesseln, Himbeeren und Brombeeren zeigen an, dass der Boden verändert ist, denn sie lieben Stickstoff.

Die ersten Meter erkämpfen sich Jungbäume im Wald nicht nur auf natürliche Art und Weise. Einige werden gepflanzt. Im vergangenen Jahr aber hat das Forstamt Saatgut von zehn Baumarten wie Ahorn, Esche, Birke, Erle, Eiche, Buche gekauft - für einen guten Artenmix.

Quelle: RP
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