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Rheinberg
Alte Pumpen-Tradition wieder aufgelebt

Rheinberg: Alte Pumpen-Tradition wieder aufgelebt
Ein alter Brauch lebt wieder auf: Die Pumpe an der Allensteiner/Ecke Königsberger Straße ist in ein dickes Möhnengewand verpackt. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Im Winter wurden früher Pumpen gegen den Frost mit Stroh eingepackt und dazu an Karneval eine Pumpenkirmes gefeiert. Heimatkenner Werner Kehrmann erinnerte daran, die Spielplatz-Nachbarschaft setzte das Brauchtum um. Von Sabine Hannemann

Mit Rheinbergs jüngster Pumpennachbarschaft "Om den Spölplätz", angesiedelt an der Allensteiner/Ecke Königsberger Straße, lebt eine alte Tradition wieder auf. Am Samstag packte sie das Schmuckstück Pumpe in ein dickes Möhnengewand inklusive Schirm und jeder Menge Luftballons.

Mit von der Partie ist Rheinbergs schmucker Prinz Jens I. (Wiehager), der in diesem Sprengel zuhause ist. Seinen Hauseingang kränzte am Samstag die Nachbarschaft und schmückte das Grün mit rot-weißen Röschen. Damit auch der Dokumentationspflicht Genüge getan ist: Das Schild "Residenz Prinz Jens I." prangt über dem Eingang.

Schon seit längerer Zeit lag das Brauchtum zur Karnevalszeit im Dornröschenschlaf. Stadtführer und Heimatkenner Werner Kehrmann gab den Tipp für eine Reanimation. "Und wir als jüngste Pumpennachbarschaft lassen die alte Tradition wieder aufleben", erklärte Pumpenmeister Bernd Geerkens.

Alle packten am regnerischen Samstag mit an. "Ein Wort, ein Tun", sagt dazu Prinz Jens, der Gründliche, und spricht damit das nachbarschaftliche Miteinander an, das neben gemeinsamem Feiern die gegenseitige Hilfe stellt. Bis zum Aschermittwoch bleibt der Schmuck der Pumpe in Höhe des Spielplatzes, danach wird wieder abgeschmückt.

Früher, so erzählt Bernd Geerkens, war damit der Termin der Jahreshauptversammlung am Karnevalssonntag verbunden. Zuvor wurde die Pumpe gegen die kalten Temperaturen und das Einfrieren sorgsam in Stroh eingepackt, ein Besenstiel durch die Strohpuppe gesteckt und ihr ein Kleid angezogen. Nach dieser Aktion trafen sich die Mitglieder in ihrem Stammlokal zur Versammlung. Nach dem Verlesen des Jahresberichts, so berichten es auch die Quellen der Historischen Pumpennachbarschaft Rheinbergs, wurde Pumpenkirmes gefeiert, das überschüssige Pumpengeld in geistige Getränke umgesetzt.

Da ganz früher diese Versammlung als reine Männersache galt, machte sich erst im vorletzten Jahrhundert eine Veränderung breit. Frauen durften bei der Pumpenkirmes nun mitfeiern. Schließlich waren sie diejenigen, die täglich mit der Pumpe und dem Wasserholen zu tun hatten. Sozusagen erste Einheiten in Sachen Gleichberechtigung. Weitere Veränderung: Die Jahreshauptversammlungen mit anschließender Pumpenkirmes fanden nicht mehr am Fastnachsonntag statt. Von der Maßeinheit "Anker" weiß Geerkens zu berichten. "Das sind genau 30,3 Liter Bier", sagt er.

Ganz in der Tradition - bei nunmehr milden Temperaturen und einer gut funktionierenden Wasserversorgung - blieb auch die Rheinberger Pumpennachbarschaft. Sie traf sich am Samstag Abend in der Gaststätte Punto auf mehr als einen Anker. Als die Idee in der Pumpennachbarschaft "om den Spölplätz" erörtet wurde, "kam sofort positive Resonanz", sagt Prinz Jens, der als Majestät seinen Traum lebt. Er wird am Karnevalssonntag von den Rhinberkse Jonges abgeholt, um sich die Schlüsselgewalt von Bürgermeister Tatzel zu holen. Die Pumpennachbarschaft Königsberger/Alleinsteiner Straße wurde 2010 mit mehr als 40 Familien gegründet.

Quelle: RP
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