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Rheinberg
Beckers Wahrheit über die Fortpflanzung

Rheinberg: Beckers Wahrheit über die Fortpflanzung
Jürgen Becker hat die Hosen runtergelassen: In Rheinberg präsentierte er zum ersten Mal sein neues Programm vor. FOTO: Simin Kianmehr
Rheinberg. Bei Jürgen Becker geht es um Sex. In Rheinberg zeigte er erstmals sein Programm zur Kulturgeschichte der Fortpflanzung. Einige Gäste reisten hunderte Kilometer, um seine Sicht auf die Erdgeschichte, Männer und die CSU zu hören. Von Erwin Kohl

"Wir haben die Veranstaltung als Vorpremiere angekündigt, aber Jürgen Becker sagte mir gerade, dass es sich heute Abend um die Premiere handelt", stellte Ernst Barten in seiner Anmoderation erstaunt fest. Im Gegensatz zum Wirt vom Schwarzen Adler haben das die Fans des Kölner Kabarettisten schon lange geahnt und waren aus Köln, Neuss oder der Eifel nach Rheinberg gekommen, nur um als Erste das neue Programm zu erleben. "Bei einer Premiere von Jürgen Becker so hautnah dabei zu sein, war uns die 150 Kilometer Anfahrt wert", erzählt etwa Bianca Roelof aus Monschau.

Zumal die 120 Gäste im Laufe des Abends noch einen gewissen geistigen Nährwert gratis dazu bekamen. Denn in dem Programm mit dem Titel "Volksbegehren - Eine Kulturgeschichte der Fortpflanzung" räumte Becker mit dem Vorurteil auf, Sex diene primär der Arterhaltung. Wie präsent das Thema ist, machte der Kölner Kabarettist gleich zu Beginn anhand einer Statistik deutlich: "Männer denken 60 Prozent des Tages an Sex und nur 40 Prozent an Fußball."

Um die Geschichte der zwischenmenschlichen Annäherung auf horizontaler Ebene zu erläutern, holte der Gründer der Kölner Stunksitzung weit aus. Auf einem Kalender, der die Erdgeschichte in 365 Tage mit je zwölf Millionen Jahren aufteilt, taucht der Mensch erst am 31.12. um 17 Uhr auf ("Das war übrigens ein Samstag"). "Früher war die Erde öde und leer. Wer aus der Eifel kommt, kennt diesen Zustand", sagte Becker.

Mithilfe eines begleitenden Bildvortrags schilderte der Moderator der WDR-Mitternachtsspitzen die lange Geschichte des menschlichen Sexuallebens. Ging es in der Historie oftmals alles andere als sittsam zu, nimmt der Kopulationsdrang in Zeiten des Internets beängstigende Ausmaße an, nicht nur nachts. "70 Prozent der Pornoseiten werden wochentags zwischen acht und 17 Uhr aufgerufen. Da bekommt der Begriff Gleitzeit eine ganz andere Bedeutung", berichtet Jürgen Becker. Wozu das führen kann, zeigte er am Beispiel seiner Heimatstadt: "Köln steht mittlerweile für Inkompetenz und sexuelle Übergriffe. Es ist so etwas wie Lothar Matthäus als Stadt."

Das Thema Sex ist für Becker kein Hindernis, um Politik außen vor zu lassen. Dass in beiden Bereichen das Bild der Frau veraltet ist, machte er anhand der CSU ("CSU steht für Chronisch Sexuell Unterversorgt") fest. "Die CSU hat ein Frauenbild, das den spanischen Inquisitoren zu konservativ gewesen wäre." Becker nimmt kein Blatt vor den Mund, widmet sich in satirisch gekonnter Weise Pegida, AfD und auch - Böhmermann hin oder her - dem türkischen Präsidenten Erdogan. Am Ende ruft der Träger des Rheinlandtalers zu "kölscher" Toleranz gegenüber Flüchtlingen auf: "In Köln heißt es nicht mehr: ,Jeder Jeck ist anders', sondern: ,Jeder Jeck kommt von woanders'."

Quelle: RP
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