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Alpen
Die streitbaren Frauen der Reformation

Alpen: Die streitbaren Frauen der Reformation
Sopranistin Jessica Burri kam im Gewand der Frauen zur Reformationszeit in die evangelische Kirche in Alpen. Sie trug die Briefe der streitbaren Zeitgenossinnen Luthers im Original vor. Und sie sang historische Kirchenlieder. FOTO: Ostermann
Alpen. Die Sopranistin Jessica Burri hat in der Evangelischen Kirchengemeinde Alpen Frauen der Reformation vorgestellt. Begleitet vom alten Saiteninstrument Dulcimer und Klangschalen bot sie ein in sich stimmiges musikalisch-historisches Programm. Von Sabine Hannemann

Die Reformation hat viele Gesichter, die es verdient haben, ins Licht gestellt zu werden. Martin Luther ist im Jubiläumsjahr hinlänglich aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachtet worden. Tiefe Einblicke in ein bewegtes Leben kamen zum Vorschein. Wie aber haben die Frauen seiner Zeit, die Kirche erlebt, wie haben sie sich zur Reformation gestellt, die damals einer Revolution gleichkam. Jessica Burri hat in Alpen Frauen dieser Zeit vorgestellt.

Die Sopranistin mit Dulcimer, Klangschalen und Okarinas rückte in der evangelischen Kirche drei Frauen in den Mittelpunkt: Argula von Grumbach (1492 bis 1554), Katharina Zell (1497 bis 1562) und Ursula Weyda (1504 bis 1570). In typischer Kleidung jener Tage gewandet, nahm sie ihr Publikum mit und zeichnete die Wege dieser Frauen nach.

Sie waren nicht direkte Weggefährtinnen von Martin Luther. Nur Katharina Zell und ihr Mann Matthäus pflegten Kontakt zum Reformator. Argula von Grumbach wie auch Ursula Weyda kamen über seine Schriften in Kontakt mit der Reformation. In Briefwechseln tauschten sie sich heftig mit Kontrahenten aus und wurden zu Streiterinnen für die Reformation. Die Briefwechsel von Argula von Grumbach mit Johann von Landshut, von Katharina Zell mit Ludwig Rabus und von Ursula Weyda mit Henricus P.V.H. sind erhalten. Jessica Burrri las aus den originalen Passagen im Wechsel mit Musik und Gesang.

Drei Frauen, deren Zeitgeist sich in den Briefen widerspiegelt, watren den Zuhörern zunächst in gewisser Weise Fremdheit. Die damalige Sprache schuf ein Bild von vorzüglicher Streitkultur, von Bildung und Weitblick. "Frauen hatten keine bis wenige Möglichkeiten. Sie waren in der Männergesellschaft ausgeschlossen und somit ohne gesellschaftlichen Einfluss", sagte Pastor Dr. Hartmut Becks.

Statt den Briefwechseln eine moderne Fassung des 21. Jahrhunderts zu geben, entscheid sich Jessica Burri für die originären Texte. Das hat dem Projekt "Die Apostel Gottes: Frauen der Reformation" gutgetan. Gleichzeitig gibt das literarisch-musikalische Projekt einen Eindruck von jener Zeit, in der die Reformation als "Unkraut" galt. Der Kampf gegen das Volk des Herrn war entbrannt und gab verbal derben Attacken Raum.

Gleichzeitig schlichen sich beim Publikum im Handyzeitalter Überlegungen ein, wie lange die verschiedenen Briefe damals unterwegs gewesen sein mussten und welche Zeitspanne sie brauchten, he sie beantwortet waren.

Die Frauen der Reformation, wie die drei Vertreterinnen zeigten, waren des Schreibens und Lesens mächtig, forsch, geistig überaus rege, selbstbewusst und mutig, sich aktiv in diese umwälzende Zeit einzumischen und eigene Impulse zu setzen. Von Katharina Zell ist bekannt, dass sie einen regen Austausch mit Gelehrten hatte. Argula von Grumbach gilt heute als frühe protestantische Laientheologin. Ursula Weyda wurde bekannt als "Schösserin zu Eyssenbergk" für ihre streitbaren Flugschriften über das klösterliche Leben.

Quelle: RP
 
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