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Rheinberg
Ein Konzert als Geburtstagsfeier

Rheinberg: Ein Konzert als Geburtstagsfeier
Günter Gall bei seinem Geburtstagskonzert. Er sang auch mit dem Publikum in dem kleinen Gotteshaus - und gab mit zwei Kochlöffeln den Takt vor. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Günter Gall blickte in seinem sehr persönlichen Auftritt in der Sankt-Anna-Kapelle auf die vergangenen 70 Jahre zurück. Von Eva Karnofsky

Normalerweise beschenkt man Jubilare, erst recht, wenn sie ihren Siebzigsten feiern. Doch diesmal war es anders: Die Gäste, die am Sonntagnachmittag zu Günter Galls Geburtstagskonzert in die Sankt-Anna-Kapelle auf dem Rheinberger Friedhof gekommen waren, wurden von ihm beschenkt - zunächst mit einer Gerbera. Sie war für das Geburtstagsfoto gedacht: Jeder Gratulant hielt eine Blume hoch, davor posierte ein strahlender Sänger.

Bevor Günter Gall zur Gitarre griff, gab es zunächst die Honneurs. Ulrich Hecker, Vorsitzender des Vereins zum Erhalt der Sankt-Anna-Kapelle, gratulierte als Erster und bedankte sich dafür, dass Gall nun schon zum dritten Mal in der Kapelle auftrat. Und er verlieh seiner Freude darüber Ausdruck, dass der Bänkelsänger seinen ursprünglichen Plan, Lehrer zu werden, nach dem Referendariat aufgegeben hatte, um künftig nur noch zu singen.

Auch Rheinbergs Bürgermeister Frank Tatzel hatte es sich nicht nehmen lassen, zum Jubiläumskonzert zu erscheinen. "Wir freuen uns, dass wir uns immer auf dich verlassen konnten", sagte er im Namen von Rat und Verwaltung, und bezog sich damit vor allem auf Galls regelmäßige Teilnahme am Kastanienfest. Nur einmal fehlte er, erinnerte sich Tatzel, weil er sich die Achillessehne gerissen hatte. Der agile Jubilar erklärte dann auch gleich, wie es zu der Verletzung gekommen war: Er war von einer Mauer gesprungen.

Und dann, die gut zwanzig Gäste warteten schon darauf, griff ihr Günter Gall endlich zur Klampfe. Der Niederrheiner, wenn er so über den Deich blickt, sei melancholisch, meinte Gall, und so begann er seinen Vortrag mit einem Lied, das von der von Monat zu Monat wechselnden Stimmung erzählt. Wie so oft, sang er einige Strophen auf Platt, das er noch perfekt beherrscht.

Einen Bogen von den Anfängen bis in die Gegenwart wollte er spannen, kündigte er an, und er hatte auch einige alte Fotos mitgebracht. Sie zeigten ihn mit der Schultüte, mit den Spielkameraden von einst oder mit der ersten Gitarre, die er sich selbst verdiente - als Aushilfe auf einem Bauernhof. "Tutti Frutti" war der erste Song, den er damals spielte. Singen konnte er ihn nicht, weil er noch nicht des Englischen mächtig war.

1962 hat er zum ersten Mal auf der Bühne gestanden, erinnert er sich, im Amplonius-Gymnasium in Rheinberg bei einer Schulaufführung. "I'm gonna knock on your door" hat er mit einem Klassenkameraden zum Besten gegeben. Und selbst den deutschen Text dazu geschrieben: "Tausend Küsse im Mondschein" sang er damals wie heute.

Es wurde ein sehr persönliches Konzert. Gall und seine Gäste, darunter eine seiner Schwestern, erinnerten sich an seine Großmutter, an seine Mutter oder an Fräulein Sonntag, die erste Lehrerin. Vor allem wurde viel gemeinsam gesungen. Sogar einen Kanon dirigierte der quicklebendige Jubilar.

Quelle: RP
 
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