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Alpen
Grundschullehrer: Den Mangel managen

Alpen: Grundschullehrer: Den Mangel managen
An der Rheinberger St.-Peter-Grundschule kann momentan in vollem Umfang unterrichtet werden. Gestern haben die 27 Schüler der Klasse 3 b mit ihrer Musiklehrerin Nina Blatzheim St.-Martin-Lieder eingeübt. FOTO: Armin Fischer
Alpen. Noch ist die Lage ein gutes Stück davon entfernt, als dramatisch bezeichnet werden zu müssen. Aber es wird eng für die Stundenplan-Macher an den 64 Grundschulen im Kreis Wesel. Das Stellen-Soll ist nur zu 95,5 Prozent erfüllt. Von Bernfried Paus, Uwe Plien und Heinz Kühnen

,"Wir liegen zwar noch nicht am Ende der Tabelle im Land, aber ein Defizit ist ein Defizit - und das verlangt allen Beteiligten eine Menge ab", so die Schulamtsdirektorin für den Kreis Wesel, Anna Maria Eicker. Offensichtlich macht sie einen guten Job. Denn aus den Schulen in Rheinberg, Alpen, Xanten und Sonsbeck heißt es übereinstimmend: "Noch kommen wir ganz gut klar." Aber für die pädagogische Kür fehlen grundsätzlich Köpfe.

Devise: "Wir verwalten den Mangel." Sie achte darauf, so Eicker, dass nicht eine Schule personell mit Übergang fahre, während eine andere die Personallücke nicht mehr schließen könne. Mangelverwaltung sei "sehr anstrengend", so die Schulrätin. Das erfordere von den Pädagogen ein hohes Maß an Flexibilität. Sie müssen damit leben, dass sie vorübergehend an eine andere Schule abgeordnet werden oder innerhalb der eigenen Schule andere als die angestammten Aufgaben übernehmen. Auch die Schulleitungen seien in besondere Weise gefragt, damit es nicht zu einem Maß an Untersichtsausfall komme, der nicht mehr vertretbar sei. Sie versuche zudem, "Engpässe durch Akademiker ohne spezielle Lehrerausbildung wie Musiker oder Diplom-Pädagogen zu kompensieren".

Klar sei aber auch, dass in besonderen Lagen all das nicht mehr reichen kann. Schon ein Tropfen bringe das Fass zum Überlaufen. "Wenn die Personaldecke kurz ist, braucht es nicht mehr viel, dass sie nicht mehr passt", so die Schulrätin. Dann reiche eine Krankmeldung aus, den Betrieb nachhaltig aus den Fugen zu bringen. Wenn dann im Kollegium die Grippe grassiert, geht kaum noch was. Die Schulrätin geht nicht davon aus, dass sich die allgemeine Lage tendenziell weiter verschlechtern wird. "Der Geburtenrückgang fällt wohl nicht so stark aus, wie mal angenommen", so Eicker, "aber die Pensionierungen gehen weiter, und viele junge Lehrerinnen sind in einem Alter, in dem sie selber Kinder bekommen." Bis genügend Nachschub von den Unis komme, vergehe viel Zeit.

"Wir können aktuell nicht klagen", sagt die neue Leiterin der Hagelkreuzschule in Xanten-Lüttingen, Daniela Hommen. In allen Klassen könne die Maximalstundenzahl erteilt werden. Heißt: Im ersten Schuljahr zum Beispiel sind mindestens 20 Wochenstunden, wenn es geht aber 21 zu geben, in der Klasse vier dann 27 beziehungsweise 28. "Und da sind wir immer mit der Höchstzahl dabei", so Daniela Hommen. Nur für die Leitung einer ersten Klasse fehle ein Kollege. Die Arbeit erledigen die Klassenleitungen der zwei Parallelklassen im Team. Hommen: "Das passt." Außerdem weist die Rektorin auf eine Möglichkeit hin, wie eine Schule unter bestimmten Voraussetzung an neue Kollegen kommen kann: "Schulscharfe Ausschreibung" nennt sich das, wenn die Schule sich selbst aktiv auf die Suche begibt und selbst unter den Bewerbern auswählen darf. Auch das gab es mal an ihrer Schule. Allerdings: Auch dafür sei Lehrer-Markt überschaubar.

An der Grundschule Zum Wald in Alpen heißt es nur kurz und knapp: "Bei uns läuft's. Alles ist gut, wir haben kein Problem." Punkt. Aus Menzelen und Veen, die seit Beginn des Schuljahres eine Einheit bilden, war gestern keine Stellungnahme zu bekommen. Organisatorische Aufgaben erforderten vollen Einsatz.

In Rheinberg haben die Leiterinnen der Grundschulen wenig zu meckern. "Ich glaube, man kann sagen, dass es hier in der Stadt gut läuft, wir sind gut versorgt", sagt etwa Dorothee Menges-Wilms, die die Gemeinschaftsgrundschule Rheinberg mit den Standorten Schulstraße und Grote Gert leitet. 15 Lehrerinnen sind für die 180 Kinder da. "Damit kommen wir klar", so die Pädagogin.

Ihre Millinger Kollegin Jasmin Brune von der Schule am Bienenhaus bestätigt das. "Wir haben keinen Personalmangel", sagt sie. Sechs Klassen mit insgesamt 133 Jungen und Mädchen, sieben Lehrerinnen - damit lasse sich arbeiten. Im Februar werde allerdings eine Kollegin verabschiedet. Jasmin Brune: "Deshalb habe ich Bedarf angemeldet. Die Stelle ist neu ausgeschrieben, die Bewerbungsgespräche laufen. Ich hoffe, dass sich jemand findet, denn sonst hätten wir im nächsten Jahr doch ein personelles Problem."

Auch Michaela Joost, Rektorin der Schule am Deich in Wallach, möchte nicht klagen. "Momentan können wir unseren Bedarf decken", sagt die Leiterin der Schule mit 214 Schülern, die von 13 Lehrerinnen unterrichtet werden. Eines gibt Michaela Joost allerdings zu bedenken: "Wir kommen klar, ja, aber manchmal wäre es auch schön, wenn man eine große Klasse mit vielleicht 28 Kindern mal teilen könnte und zwei Lehrer dafür zur Verfügung stehen würden."

"Wir können unsere Pflicht- und Förderstunden für Kinder, die kaum Deutschkenntnisse haben, aufrechterhalten", unterstreicht auch Rektorin Gabi Krekeler von der katholischen Grundschule St. Peter in der Rheinberger Innenstadt. "Ich kann mich nicht beklagen." 14 Lehrerinnen, davon eine Sonderpädagogin und zwei Lehramtsanwärterinnen bringen 231 Kindern den Unterrichtsstoff nahe. "Bei uns ist die Situation in diesem Jahr allerdings zum ersten Mal stabil", so Krekeler. "Vorher hatte ich lange Ausfälle hinzunehmen. Und die Stelle der Konrektorin ist auch noch nicht wieder besetzt. Wir haben bei uns ein ausgeklügeltes Vertretungssystem. Das Ziel dabei ist immer, keinen Unterricht ausfallen zu lassen."

Quelle: RP
 
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