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Rheinberg
Kammermusikfest: Schubert durchströmt die Schlossremise

Rheinberg. Die Matinee in der Remise des Ossenberger Schlosses gehörte zu den Konzerten des Kammermusikfestivals Kloster Kamp, bei dem die Karten ruck, zuck ausverkauft sind. Das war auch diesmal so. Am Sonntag waren 200 Zuhörer in der Remise - deutlich mehr wären gerne dabei gewesen.

Zum einen liegt das an der besonderen Kulisse mit dem Hauptgebäude des Schlosses und der Remise, wo gespielt wird. Eingerahmt von Park und Rosengarten, wo die Besucher während der Pause flanieren können. Die Remise ist normalerweise nicht zugänglich, außer wenn das Herzogen-Ehepaar von Urach sie zur Verfügung stellt - beispielsweise für Hochzeiten oder den Prinzenempfang der Karnevalisten. "Wir sind glücklich, hier spielen zu dürfen", bedankte sich deshalb Alexander Hülshoff bei den Schlossbesitzern, als er die vierte Matinee in der Schlossremise eröffnete.

Mit seiner Frau Katharina Apel wählt er das Programm aus, das neben der Kulisse der zweite Grund ist, warum es bei den Ossenberger Matineen die Karten so schnell vergriffen sind. Bei den letzten Konzerten hatten sie oft Stücke ausgesucht, die der modernen Klassik zuzuordnen sind, beispielsweise 2015 "L'histoire du soldat" von Igor Strawinsky. Diesmal setzen sie auf Franz Schubert. Sie wählten gleich drei Stücke des Wiener Romantikers aus, der zu Lebzeiten ein kaum gespielter Künstler war. Wie seine engsten Freunde, die bei Schubertiaden ausschließlich Stücke ihres geliebten Komponisten lauschten, luden sie zu einer Schubertiade ein. Drei Stücke hatten sie ausgewählt: Das Streichtrio in B-Dur von 1822, Introduktion und Variationen für Flöte und Klavier über "Trockene Blumen" aus dem Zyklus die "Schöne Müllerin" von 1824 sowie das Forellenquintett A-Dur von 1829, das ein Jahr nach Franz Schuberts Tod veröffentlicht wurde.

Der dritte Grund, warum die Karten für die Ossenberger Matineen so gefragt sind, sind die Musiker. Sie werden von Alexander Hülshoff über persönliche Kontakte zum Kammermusikfestival geholt, die er als Professor an der Folkwang Musikhochschule in Essen aufgebaut hat. "Die Musiker zeigen ein unfassbares, irres Können", meinte zum Beispiel Dr. Florian Danckwerth. Der Chefarzt am Kamp-Lintforter St.-Bernhard-Hospital ist selber Musiker und spielt in seiner Freizeit Cello. "Mitten am Niederrhein rechnet niemand mit diesem Niveau", sagte er voller Bewunderung für die zehn Musiker, die die Luft in der Remise vibrieren ließen. Sie harmonierten bravourös. Genauso bravourös ließen sie die Stimmungen des romantischen Komponisten strömen. Mal melancholisch, mal lebensfroh. Mit Bravorufen und langem Klatschen bedankten sich die 200 Zuhörer für den Musikalischen Genuss. Der Applaus endete bei allen drei Stücken erst nach jeweils knapp drei Minuten. Die Remise ist auch im nächsten Jahr eingeplant.

(got)
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