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Alpen
Martinsgeschichte auf Arabisch erzählt

Alpen: Martinsgeschichte auf Arabisch erzählt
Annette Gieling kümmert sich um Kibrom aus Eritrea. Sie freut sich darüber, welche Fortschritte der 20-Jährige macht. "Er merkt, dass er hier in Sicherheit ist", sagt die Patin. Nun will der junge Mann Deutsch lernen. FOTO: Fischer, Armin (arfi)
Alpen. Weckmann-Essen in der Tennishalle: Flüchtlingshilfe sucht weitere Paten. Lohn sind bereichernde Erfahrungen. Von Sabine Hannemann

Wie in einer großen Familie saßen 65 Flüchtlinge, 50 Erwachsene und 15 junge Menschen, in der Tennishalle an langen Tischen bei Kaffee und Kuchen. Zum Martinsfest liegen natürlich auch Weckmänner auf dem Tisch. Die Flüchtlingshilfe hatte auch die Paten der Asylsuchenden eingeladen.

Das Treffen zur Martinszeit hat durchaus symbolischen Charakter. Das Prinzip des Teilens, für das der heilige Mann steht, gilt auch in der Tennishalle. Ulrike Chmill von der Flüchtingshilfe hatte mit ihrer Helferrunde das Treffen vorbereitet. "Die Martins-Geschichte wurde in Arabisch vorgetragen", erzählt sie. Während die Erwachsenen in kleinen Gruppen zusammensitzen und sich das Hefegebäck schmecken lassen, sausen junge Bewohner auf Inlinern umher. Ihren Augen blitzen vor Freude.

Die Flüchtlingshilfe funktioniert als gut aufgestelltes Netzwerk. "Wichtig sind uns die Patenschaften. Wir suchen noch mehr Menschen, die bereit sind, eine Flüchtlingsfamilie oder einzelne Flüchtlinge zu betreuen", sagt Chmill.

Annette Gieling hat die Patenschaft für Kibrom übernommen. Der 20-Jährige stammt aus Eritrea. Die Flucht hat den schmächtigen jungen Mann gezeichnet. "Eigentlich wollte ich damals nur Kleidung abgeben und bin dann hängengeblieben", erinnert sich Annette Gieling an den Beginn ihres Engagements. Ihre Frage, ob sie noch helfen kann, wurde prompt mit Ja beantwortet. Der Umgang mit Kibrom sei unkompliziert. "Er ist ein sehr höflicher, zurückhaltender Mensch. Wir telefonieren in der Woche. Ich begleite ihn, wenn er bei Behörden Hilfe braucht", erzählt die Patin.

Kibrom ist einfach so in ihr Leben gekommen. Der Zeitpunkt passte. Die 57-Jährige kennt sich als Mutter mit jungen Leuten aus. Behutsam hat sie den Kontakt aufgebaut, Schritt für Schritt Struktur in das neue Leben von Kibrom gebracht. "Ich sehe, wie er auflebt. Er merkt, dass er in Sicherheit ist", sagt die Patin. Kibrom habe wieder Kontakt mit der Heimat.

In der Tennishalle teilt er sich ein Zimmer mit einem Landsmann. Stolz öffnet er die Tür, zeigt das Bett, unter dem er seine Habseligkeiten verstaut hat. Kibrom will jetzt Deutsch lernen. "Das wollen wir privat organisieren. Wir verständigen uns jetzt auf Englisch", sagt die Patin, die sich auch um den Iraner Alan kümmert. "Was ich von den beiden zurückbekomme, lässt sich schwer beschreiben. Ich empfinde es als Bereicherung, wenn ich ihre Freude und ihre Fortschritte sehe."

Ähnliches beschreiben auch andere Paten, die einer völlig anderen Sichtweise auf ihr eigenes Leben sprechen, "weil sich Flüchtlinge über Kleinigkeiten freuen, die für uns selbstverständlich sind". Man selbst werde "bescheidener", heißt es aus der Patenrunde.

Ulrike Chmill und Michaela Streichsbier suchen noch Menschen, die sich als Paten engagieren möchten, "weil sich durch Neuzuweisungen von heute auf morgen Bedarf entsteht". Viele Alpener haben bereits mit Sachspenden geholfen. "Wir haben kaum noch Lagerkapazität", sagen die Helfer und bitten um Verständnis. "Sobald etwas benötigt wird, melden wir uns."

Kontakt: Ulrike Chmill unter Tel. 02802 2594 oder Michaela Streichsbier unter Tel. 02834 3441

Quelle: RP
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