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Rheinberg
Mit Bollerwagen und Büchern "on the road"

Rheinberg: Mit Bollerwagen und Büchern "on the road"
Aloys Cremers mit dem Bollerwagen und seinen rund 250 Künstlerbüchern, in denen sein kreativer Fundus lagert. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Aloys Cremers sieht sich nicht in erster Linie als Künstler - er will missionieren. Der 66-Jährige weigert sich inzwischen zu malen. Von Uwe Plien

Seit mehr als 25 Jahren treibt der Niederländer Aloys Cremers sein Unwesen als künstlerisches Enfant terrible am Niederrhein. Genau so lange legt er auch Künstlerbücher an. Kreative Tagebücher, in denen er erste Ideen für Projekte, Skizzen und Fragmente für Geschichten festhält. Rund 250 dieser Unikate gibt es inzwischen. Cremers, der seit einigen Jahren wieder in Rheinberg lebt und arbeitet, bewahrt sie in einem Bollerwagen auf, zieht mit ihnen umher, liest daraus vor oder sucht das Gespräch mit Menschen.

"On the road" - diesen Slogan stellt er über sein Wirken. "Ich habe mich immer mit einem Treibholz verglichen. Ich lande irgendwo an einem Strand und werde irgendwann eingesammelt. So geht es immer weiter." Er habe sich nie in erster Linie als Künstler gesehen. "Ich weigere mich seit zwei Jahren auch zu malen. Weil ich nicht mit den vielen Künstlern konkurrieren möchte, die ja so viel von Kunst und Malerei verstehen", sagt der 66-Jährige.

Kein reiner Künstler, aber immer Missionar. "Missionarisch war ich immer", so Cremers. "Ich befähige Menschen, mit ihren eigenen Ressourcen umzugehen. Ich lege mich an, habe eine Meinung und sage die auch. Ich möchte erreichen, dass Menschen sich trauen, was Neues zu machen."

Was ihn umtreibt, sind die Unterschiede zwischen Deutschen und Niederländern. "Das ist mein Thema. Es wird immer auf die Gemeinsamkeiten hingewiesen, aber nie auf die Unterschiede. Ich mag Deutschland und die Deutschen sehr, aber hier sind zu viele Menschen auf Angst fokussiert. Sie suchen nach Sicherheit und sehen nicht, dass die einzige Sicherheit, die es gibt, die Unsicherheit ist. Niederländer und auch Menschen anderer Nationen denken nicht so negativ wie die Deutschen, sie sehen Vieles positiver." Diese kulturellen Unterschiede will er markieren - "das ist der rote Faden in meinen Büchern", sagt Aloys Cremers.

Seine Bücher seien so etwas wie die Essenz seines kreativen Schaffens, seiner Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und ihren Strukturen. "Früher haben meine Schüler über mein Wirken gesagt: "Wenn es bei ihm nichts wird, dann wird es ein Huhn. Ich habe überall Hühner gestaltet. Mit den Künstlerbüchern ist es jetzt so: Mir ist klar geworden, dass sie das Ei sind, das ich mein ganzes Leben lang ausgebrütet habe." Sie seien ihm so wichtig und er erachte sie als so wertvoll, dass er sie nicht verkaufen und schon gar nicht als Einzelexemplare auseinanderreißen möchte. "Vielleicht sind sie später mal was für ein Museum", sinniert Cremers.

Es ist nicht immer leicht, den Gedanken von Aloys Cremers zu folgen. Seine Leidenschaft für Bücher sieht er als eine Art universelle Verbindungslinie. Sie rühre aus seiner Jugendzeit. Als er Mitte der sechziger Jahre von er Schule geflogen sei, landete er in einer Druckerei, wo er als Schriftsetzerlehrling mit internationalen Verlage von Kunstbüchern in Kontakt gekommen sei. Weil sein Lehrmeister nicht gut Englisch und Französisch beherrschte, habe er sich als 17-Jähriger um Satz, Gestaltung und Korrektur des amerikanischen Kunst-Magazins "The Paris Review" gekümmert.

"Damals", so Aloys Cremers, "bin ich mit Kunst und Künstlern in Kontakt gekommen, von denen ich keinen blassen Schimmer hatte." Das sei eine Initialzündung für ihn gewesen, sagt er. Damals habe sein Leben "On the road" begonnen. Und so will Cremers noch lange mit seinen Büchern umherziehen und die Menschen bekehren.

Quelle: RP
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