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Rheinberg
Natur-Paradies

Rheinberg: Natur-Paradies
FOTO: Arnulf Stoffel
Rheinberg. Auf Naturexkursion im Orsoyer Rheinbogen: Wer an einer Führung von Natur-Profis wie Hans Glader von der Biologischen Station teilnimmt, kann auch mal einen Seeadler in freier Wildbahn sehen. Von Uwe Plien

Was wäre wohl aus dem Orsoyer Rheinbogen geworden, wenn die Pläne für einen Petrochemischen Industriepark Anfang der siebziger Jahre realisiert worden wären? Damals war schon sehr konkret, was die Veba im Rheinbogen vorhatte: Eine Industrieanlage von der Größe der Leverkusener Bayerwerke sollten damals gebaut werden, Rheinberg wäre auf vielleicht 50.000 Einwohner angewachsen, Hochhaussiedlungen wären hochgezogen worden.

Dazu ist es damals nicht gekommen. Heute ist der Orsoyer Rheinbogen ein kleines Paradies und ein großes Stück im insgesamt etwa 25.000 Hektar großen Vogelschutzgebiet Unterer Niederrhein. Vom Rhein geprägte Grünlandflächen, Senkungsgewässer und Auwaldbestände - auf nahezu 400 Hektar Fläche (was etwa 450 Fußballfeldern entspricht) finden viele Pflanzen und Tiere einen hervorragenden Lebensraum. Hans Glader, Mitarbeiter der Biologischen Station des Kreises Wesel, kennt den Rheinbogen wie seine Westentasche und bietet hin und wieder Führungen durch das Gebiet an. Das ist spannend, weil Glader beispielsweise Vögel sieht und zuordnen kann, die andere Menschen nicht erkennen könnten. Hier eine Uferschnepfe, dort ein Rotschenkel, da eine Löffelente oder ein Kiebitz - Glader kennt sie alle.

RP-Redakteur Uwe Plien (ganz li.) schloss sich einer Führung der Biologischen Station mit Hans Glader (rechts) an. Bild Mitte: Ein Seeadler im Flug. Foto oben: Der Seeadler ist gelandet. FOTO: Arnulf Stoffel

Mit ausgestrecktem Arm zeigt er auf die nordischen Wildgänse, die es sich in der Wiese gemütlich gemacht haben. "Vor zehn, 15 Jahren hätten sie das nicht erlebt, dass Gänse einfach so sitzen bleiben, wenn Menschen so nah an ihnen vorbeikommen", so der Österreicher. "Die wären weggeflogen, weil sie in Polen aus dem Hubschrauber heraus geschossen werden. Sie haben sich daran gewöhnt, dass sie hier bei uns sicher sind."

Einen Teil des Rheinbogens, rund 70 Hektar, hat die Biologische Station vom Auskiesungsunternehmen Hülskens gekauft und kümmert sich um die Entwicklung. "Momentan haben wir drei Gewässer in der Nähe des Ufers angelegt, die ganzjährig bespannt sind, also immer Wasser führen", erläutert Glader. Es folgen noch temporäre Gewässer, die im Sommer trocken fallen - ganz wichtig als Laichgewässer für Kreuzkröten. Und wichtig als Lebensraum für Uferschnepfen und Kleinlibellen.

FOTO: Arnulf Stoffel

Die Auskiesung in Ufernähe schreitet unterdessen mächtig voran. "Dadurch verändert sich die Landschaft hier ganz enorm", beschreibt Glader. Während er das erzählt, zeigt er fast beiläufig auf eine mit Goldrute bewachsene "Ruderalfläche", wie Fachleute meist brachliegende Rohbodenflächen nennen. "Wichtiger Lebensraum für Sing- und Kleinvögel", so Glader.

Wenn im Orsoyer Rheinbogen wie derzeit beispielsweise Gewässer angelegt werden, kostet das Geld. Solche Naturschutzmaßnahmen werden über das Life+-Förderprogramm der Europäischen Union finanziert. Das Ziel ist der Erhalt von Lebensraum- und Artenvielfalt.

Im Rheinbogen gelingt das schon. In manchen Gewässern darf nicht geangelt werden. Hans Glader: "Sie sitzen voller Fische. Ich habe hier mal beobachtet, wie rund 50 Kormorane gemeinsam gefischt haben. Die haben sich richtig schön satt gefressen."

Während er das erzählt, steigt plötzlich ein majestätischer Raubvogel auf, und da ist auch ein Natur-Profi wie Hans Glader die Begeisterung anzumerken: "Da! Ein junger Seeadler!", ruft er. Das Tier bleibt ganz cool auf einem vertrockneten Baumstamm sitzen. Ein fantastisches Naturschauspiel gleich vor der eigenen Haustüre.

Quelle: RP
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