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Alpen
Neue Bäckerei ersetzt das alte Bauamt

Alpen: Neue Bäckerei ersetzt das alte Bauamt
Verena Schroller-Bongen und ihr Mann Markus Schroller sind froh, dass es mit dem Bau nun nach oben geht. Der gibt einen neuen Blick aufs Dorf frei. FOTO: Ostermann
Alpen. Der Abriss war eine heikle Aufgabe. Der Neubau öffnet eine dörfliche Sichtachse auf Amaliengalerie und Kirchturm. Von Bernfried Paus

Ein neues Haus zu bauen, kann für Häuslebauer ganz schön aufreibend sein. Ein altes abzureißen, kann zum Albtraum werden. Der drohte für Verena Bongen-Schroller und ihren Mann Markus Schroller im zurückliegenden halben Jahr wahr zu werden. Inzwischen sind die beiden wieder recht entspannt. Das alte Bauamt, Rathausstraße 3, gibt's nicht mehr. Das neue Haus an seiner Stelle wächst Stein für Stein, und mit ihm verblasst die Erinnerung an turbulente Tage. Im Sommer, spätestens im August, sollen Mieter in die vier barrierefreien Wohnungen einziehen. Für das 120 m2 große Ladenlokal im Erdgeschoss haben die Bauherren mit Bäcker Schollin aus Dinslaken den Mietvertrag abgeschlossen.

Der Abriss des Bauamtes, ein Gebäude aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, hat sich über Monate hingezogen. "Das hat Zeit, Geld und noch mehr Nerven gekostet", sagt Markus Schroller, im Hauptberuf Pflegedirektor eines Duisburger Kliniken-Verbundes. Bis in den Oktober hinein war das Abrisshaus ein besonderer "Pflegefall", wie er ihn noch nie erlebt hatte.

Das Problem: Haus Nr. 3 und Haus Nr. 1 (Elektro Schmitz) haben sich über viele Jahrzehnte eine Giebelwand "geteilt". Die musste beim Abriss von Nr. 3 stehen bleiben, sonst hätten Laden und die Wohnungen darüber im Freien gestanden. Daran mag Verena Bongen-Schroller, die den elterlichen Betrieb bald in dritter Generation führt, gar nicht mehr denken: "Das hätte unsere Existenz bedroht."

Damit die Giebelwand nicht wackelte, musste sie mit Ankern - "wie mit Nägeln oder Schrauben" - mit Haus Nummer 1 fest verbunden werden. Der Abriss erfolgte dann behutsam Stein für Stein, ganz sensibel, nicht mit der rohen Gewalt einer Abrissbirne.

Dabei traten Dinge zu Tage, die das diffizile Unternehmen immer wieder erschwerten. Plötzlich tauchte eine zweite Wand auf, die es unumgänglich machte, die Verankerung wieder zu lösen und die Giebelwand ein zweites Mal am Haus Nr. 1 festzumachen, das auch längst in die Jahre gekommen ist aber stehen bleibt.

Und das, so stelle sich beim freien Blick ins Erdreich heraus, war nach heute gängigen Standards alles andere als standfest und musste mit Tonnen von Beton unterfüttert werden. "Es steht nun wieder auf einem soliden Fundament", sagt Markus Schroller. Er lobt die Bautrupps: "Alle haben einen höchst professionellen Job gemacht."

Seit Oktober wächst der Neubau in die Höhe. Er wird deutlich schmaler als sein Vorgänger, dafür ragt er weiter in die Tiefe. Grund sei ein älterer städtebaulicher Plan. Der sehe vor, so Verena Bongen-Schroller, dass das alte Rathaus Luft bekommen und eine Sichtachse frei werde soll vom Adenauerplatz auf die Amaliengalerie bis auf den markanten Turm der Evangelischen Kirche. Zweifellos gewinnt die Optik des Dorfes an dieser Stelle. Den Schmerz vieler Alpener über den Verlust des charmanten Bauamtes mit seinem markanten Erker und dem Mansardendach können die Bauherren nachempfinden. Die Architektur des Neubaus trägt dem Rechnung. So bekommt er zum Rathaus hin einen Erker "in moderner Variante".

Umdenken mussten die Investoren bei der Nutzung des Ladenlokals. Ursprünglich sollte ein Durchbruch das Elektro-Fachgeschäft in die neue Zeit hinübertragen. Doch der Plan ließ sich nicht umsetzen. Hauptgrund, so die Geschäftsfrau: "Es war so nahezu unmöglich, die Brandschutzauflagen zu erfüllen." Und ohne Durchbruch hätte es innerbetrieblich erhebliche, letztlich unlösbare logistische Probleme gegeben. "Wir haben alles durchgespielt. Es ging nicht", so Schroller. So seien sie letztlich froh darüber, dass es Bäcker Schollin wieder mit einer Filiale nach Alpen zieht.

Schollin habe auch vor dem Hintergrund, dass in die Amaliengalerie bekanntlich auch ein Bäcker einziehen wird, eine Standortanalyse anfertigen lassen. Dabei sei der Gutachter zu dem klaren Schluss gekommen, dass Alpen dafür genug Kundenpotenzial biete.

Das traditionsreiche Elektro-Geschäft im alten Haus soll dem neuen Nachbarn im Auftritt nicht nachstehen. "Wir werden unser Geschäft einem Generallifting unterziehen und auch an unserer Fassade was machen", so die Betriebswirtin. "Es ist an der Zeit für einen repräsentativen, modernen, frischen Auftritt."

Quelle: RP
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