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Rheinberg
Orsoyer Sinfonie zum 80. Geburtstag

Rheinberg: Orsoyer Sinfonie zum 80. Geburtstag
Stolz hält Theo Schepers die Orsoyer Sinfonie in den Händen. Der frühere Dirigent der Eintracht, Petar Simovic, hat sie für Schepers komponiert, weil dieser ihn immer zu Proben und Auftritten gefahren hatte. Als sie nun erstmals zu hören war, beeindruckten die Reaktionen der Zuhörer Schepers tief. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Ewig lag sie in der Schublade: Die "Orsoyer Sinfonie in D-Dur", die der frühere Dirigent des Männergesangvereins Eintracht für Theo Schepers schrieb. Nun erklang sie zum 80. Geburtstag des Vorsitzenden als Uraufführung. Von Bernfried Paus

Singen schenkt Freude, und Freude hält jung. Theo Schepers erhebt seit 62 Jahren seine Stimme. Und der "Sänger aus Überzeugung" hat jetzt in der Alten Mühle in Budberg in fröhlicher Runde mit Familie, Freunden und Nachbarn seinen 80. Geburtstag gefeiert. Es wurde auch gesungen. Selbstverständlich. "Wem Gott will rechte Gunst erweisen" von Josef Eichendorf zur Melodie von Theodor Fröhlich. Und der Männergesangverein Eintracht Orsoy hat für seinen Vorsitzenden "Hab' oft im Kreise der Lieben" angestimmt.

Die Krönung war eine musikalische Uraufführung. Chorleiter Dennis Kittner hat am Klavier die "Orsoyer Sinfonie in D-Dur" gespielt. Die hat einst der damalige Dirigent der Eintracht, Petar Simonic, als Dankeschön für Theo Schepers komponiert, weil der ihn zu Proben und Auftritten mit dem Auto an seinem Wohnort Weselerwald abgeholt hat.

"Faszinierend", schwärmte der 80-Jährige, der die Partitur mehr als 20 Jahre in der Schublade gehütet hatte. "Ich hab' die Zuhörer beobachtet, als sie erklang. Beeindruckend." Es habe ihn an einen großen Meister erinnert. "Mozart muss auf seiner Reise von Mannheim in die Niederlande in Orsoy Rast gemacht haben", sagt der Jubilar und kneift flunkernd ein Auge zu.

Der gelernte Maurer hat immer für die Musik gelebt. Neben seinem Beruf hat er in den 50er Jahren an der Musikschule Moers Gesangsunterricht genommen. An seinen ersten öffentlichen Auftritt erinnert er sich gut. "Es war, als Opernstar Karl Ridderbusch in Orsoy zu Gast war."

Theo Schepers hat sich einen Vers von Wilhelm Busch über einen humorbegabten Vogel zum Lebensmotto gemacht: "Wenn mich also doch der Kater frisst, so will ich keine Zeit verlieren, will noch ein wenig quinquilieren." Der gebürtige Orsoyer, der in Budberg lebt, singt nicht nur bei der Eintracht, deren Vorsitzender er seit 35 Jahren ist, sondern auch im Kirchenchor St. Nikolaus. Und wenn in befreundeten Chören Knappheit an Stimmen herrscht, stimmt er gern mit ein.

Der Gesang hat Theo Schepers auch in schweren Zeiten begleitet. Seine Liebe hat er weitergegeben, alle drei Töchter singen im Chor. Und auch alle drei Enkel haben auch ein musikalisches Gen.

Der Altersjubilar hat bewusst auf Geschenke verzichtet und stattdessen beim Fest eine Spendenbox aufgestellt. 855 Euro fanden sich am Ende darin. Das Geld hat er schon überwiesen - an Abba Habtemicael Bahrlebbi: Der Theologe leitet im afrikanischen Eritrea, einem der ärmsten Länder der Erde, ein Priesterseminar und einen Kindergarten. Theo Schepers hat ihn vor etwa 20 Jahren kennengelernt. Damals hatte der Priester die Ferienvertretung an St. Nikolaus in Orsoy übernommen. "Ein außergewöhnlicher Mensch, der 1,95 Meter groß war und 65 Kilo leicht", erinnert sich Schepers. Bahrlebbi bekommt seit Jahren an Weihnachten von der Frauengemeinschaft (kfd) eine Spende. Mit dem Geld will Bahrlebbi für zwei Witwen und ihre Kinder einen Esel und eine Kuh kaufen. So müssen sie nicht mehr drei Kilometer durchs dürre Land ziehen, um Wasser zu holen, das sie in Krügen auf dem Kopf transportieren. Ob sie dabei singen, weiß Theo Schepers nicht.

Quelle: RP
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