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Rheinberg
Reptilienhaus unterm Hammer

Rheinberg. Bei der Zwangsversteigerung am 10. Juni geht es im Rheinberger Amtsgericht um Grundstück und Gebäude. Der Betrieb des TerraZoo durch eine gemeinnützige Gesellschaft ist von dem Verfahren unberührt. Von Rainer Kaussen

Wer als Ausflügler nach lohnenswerten Anlaufpunkten in Rheinberg sucht, landet unweigerlich im TerraZoo. Das dürfte nach Einschätzung informierter Kreise auch nach dem 10. Juni so bleiben – auch wenn an diesem Tag um 13.30 Uhr im Rheinberger Amtsgericht der TerraZoo unter den Hammer kommt. Doch Zoo ist nicht Zoo: "Wir haben es hier mit einem hochkomplexen rechtlichen Konstrukt zu tun" beschrieb gestern Nachmittag Holger Schmitz, Sprecher der Sparkasse am Niederrhein (Betreiberin des Verfahrens), auf Anfrage der Rheinischen Post: Die Betreiberin des TerraZoo sei nämlich von der Immobilie TerraZoo klar zu trennen. Und nur um letztere gehe es bei der Versteigerung.

Es geht um ein Erbbaurecht

Laut Gerichts-Beschluss handelt es sich bei dem Versteigerungsobjekt um ein Erbbaurecht an einem 6943 Quadratmeter großen Grundstück. Das ist mit einem Hallengebäude von 2000/ 2001 bebaut, in dem der Reptilien-Zoo eingerichtet ist; außerdem gibt es dort eine Betriebsleiterwohnung – beide werden de facto mit versteigert. Mit dem Objekt kommen auch Einrichtungsgegenstände des Zoogebäudes unter den Hammer: Café, Büro, Ausstellung, Führungsräume, Klassenzimmer, Quarantäne und Labor – auch "vermarktungsfähige Tiere", die in der Aufstellung mit einem Gesamtwert von 5250 ­ angesetzt sind. Insgesamt wurde für die Zwangsversteigerung ein Verkehrswert von 822 810 ­ ermittelt.

Sollte das Objekt am Melkweg am zweiten Donnerstag im Juni tatsächlich in neue Hände kommen, so sagt das aber längst nichts über den weiteren Betrieb des TerraZoo aus. Holger Schmitz: "Es gilt der alte Grundsatz ,Kauf bricht nicht Miete' – daraus abgeleitet ,Versteigerung bricht nicht Pacht'." Weil die Betreiberin des TerraZoo, eine gemeinnützige Gesellschaft (gGmbH), das Objekt von dessen Eigentümer gepachtet hat, besteht für den weiteren Betrieb vor diesem Hintergrund also zunächst keine Gefahr.

Das ist auch die Einschätzung im Rheinberger Stadthaus. Dort wird die Entwicklung des TerraZoo aufmerksam beobachtet. Die Kommune engagiert sich sogar finanziell – wohlgemerkt: für den Betrieb des Zoos, der in finanziellen Engpässen steckte. 2008 stellte die Stadt erstmals einen Zuschuss von knapp 50 000 ­ bereit. "Natürlich können wir keinem Privatunternehmen finanziell unter die Arme greifen", so Bürgermeister Mennicken damals auf RP-Anfrage. Für den reinen Zoo-Betrieb werde die gGmbH gegründet. Der gewerbliche Teil bleibe in privater Hand, er werde nicht mit städtischem Geld unterstützt. Mennicken: "In Deutschland werden fast alle Zoos von den jeweiligen Städten unterstützt. Sie locken schließlich auch vieleBesucher an."

Rat sieht gute Entwicklung

Auch 2009 unterstützte die Stadt den Betrieb, denn der Rat sah den Zoo auf einem guten Weg, was die Politiker aus der Entwicklung der Besucherzahlen schlossen. Die hätten sich – so bilanzierte der TerraZoo – höchst erfreulich entwickelt.

Quelle: RP
 
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