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Solingen
1,9 Millionen Euro für die Generalsanierung

Solingen: 1,9 Millionen Euro für die Generalsanierung
Matthias Friedel hat für den TÜV Rheinland schon viele Sportstätten begutachtet, aber keine war bislang in den Oberflächen derart extrem PCB-belastet wie die Turnhalle Neuenhofer Straße. FOTO: Radtke
Solingen. Von der PCB belasteten Turnhalle Neuenhofer Straße bleibt nur das Stahlgerüst. Auch sämtliche Sportgeräte müssen entsorgt werden. Von Guido Radtke

Es riecht extrem muffig. Ansonsten hinterlässt die Turnhalle Neuenhofer Straße den Eindruck einer intakten Sportstätte, in der nur die Tischtennisplatten aus den Geräteräumen geholt oder die Basketballkörbe runtergekurbelt werden müssen. Seit Monaten jedoch ist hier kein Schweißtropfen mehr geflossen, weil die Stadt aufgrund extremer PCB-Werte gezwungen war, eine dauerhafte Sperrung anzuordnen.

Die giftige und krebsauslösende Chlorverbindung, die bei den in den siebziger und achtziger Jahren gebauten Betonfertighallen als Weichmacher für das Fugenmaterial verwendet wurde, ist überall. "Eine derartige Belastung in den Oberflächen habe ich bislang in keiner anderen von uns untersuchten Halle festgestellt", erklärte Matthias Friedel gestern bei einem Vor-Ort-Termin im Rahmen der Sitzung des Sportausschusses. Der Gutachter vom TÜV Rheinland hatte schon bei den Raumluft-Messungen im Oktober und November Werte notiert, die jeweils nah an den oberen Grenzwert heranreichten und eine umfassende Sanierung erfordern. "Bei den höheren Temperaturen im Frühjahr und Sommer ist davon auszugehen, dass die Werte in jedem Fall weiter ansteigen würden."

Matthias Friedel zeigte auf, dass nicht nur sämtliche elastischen Innen- und Außenfugen ausgebaut werden müssen. Auch die Böden-, Decken- und Wandbeläge müssen zurückgebaut und entsorgt werden. "In diesem Fall nur die Primärquellen zu entfernen, wäre rausgeschmissenes Geld", sagte der Gefahrstoff-Experte. Kontaminiert sind im Übrigen auch die Sport- und Einrichtungsgegenstände wie die 15 Tischtennisplatten des TTC Blau-Weiß Solingen, die ebenfalls im Sondermüll landen werden. Eine Ersatzbeschaffung wird über freie Mittel der Sportpauschale sowie aus dem Etat des Immobilien-Managements finanziert.

Schlussendlich soll die Turnhalle Neuenhofer Straße bis auf das Stahlgerüst zurückgebaut und bis zur geplanten Wiedereröffnung im August 2017 generalsaniert werden. Dabei geht der Gutachter davon aus, dass der Asbest im Bereich der Dachkonstruktion nicht entfernt werden muss. Diese Variante soll 1,9 Millionen Euro kosten und wäre nach Schätzungen rund 750. 000 Euro günstiger als ein Neubau. "Dieser hätte Sinn gemacht, wenn an gleicher Stelle eine größere Halle mit einem Handballfeld hätte entstehen können", erklärte Horst Schulten, Leiter des Stadtdienstes Sport und Freizeit. Die Fläche ist aufgrund der Nähe zu den bestehenden Gebäuden der Grundschule Wiener Straße aber zu klein.

In baugleichen Gebäuden - dazu gehört unter anderem die Zweifach-Halle der Grundschule Yorckstraße - sollen kurzfristig ebenfalls Untersuchungen durchgeführt werden.

Quelle: RP
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