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Solingen
3500 Kinder gehen auf die Straße

Solingen. 20 Grundschulen und 37 Kindertagesstätten beteiligten sich gestern Morgen an der Aktion "Siehst du mich?" Von Uwe Vetter

Zielstrebig geht Georgio an der Hand von Bezirkspolizistin Marion Greune auf den Autofahrer zu, der gestern gegen 8 Uhr auf der Kölner Straße vor der Kreuzung Birkenweiher an der Ampel warten musste. Über seinem Anorak trägt der Junge eine gut sichtbare gelbe Warnweste, in der Hand hat der Neunjährige einen Zettel, den er dem Autofahrer übergeben will. Ein kurzes Klopfen an der Scheibe, schon öffnet sich das Fenster - und Georgio kann den Zettel überreichen. "Fahr langsam, wenn du uns siehst, pass auf uns auf", sagt der Schüler der vierten Klasse der Grundschule Katternberger Straße zu dem Autofahrer. Der Neunjährige hofft, dass der Autofahrer sich den Appell zu Herzen nimmt, der auf dem Zettel steht: "Lieber Autofahrer, an der Stelle, an der du mit 30 km/h gerade noch vor mir zum Stehen kommst, wenn ich plötzlich auf die Straße laufe, hast du bei 50 km/h noch gar nicht gebremst und fährst mich um - todsicher." Mit der Aktion "Siehst du mich?!" ging die Polizei gestern einmal mehr auf die Straße, zu der Zeit, wenn Grundschulkinder morgens auf dem Weg zur Schule sind. "20 Grundschulen und 37 Kindertagesstätten haben sich an der Aktion heute Morgen beteiligt, zusammen sind das etwa 3500 Menschen", sagt Katrin Grastat von der Verkehrssicherheitsberatung der Polizei.

Auch Lehrer, Erzieherinnen und Eltern waren mit auf der Straße. Die Grundschule Katternberger Straße mit ihren insgesamt 240 Kindern war nicht nur im Kreuzungsbereich Kölner Straße/Birkenweiher, sondern auch an der Kölner Straße/Martin-Luther-Straße unterwegs.

Polizeihauptkommissarin Katrin Grastat weiß, wie wichtig es gerade in der dunklen Jahreszeit ist, helle, insbesondere reflektierende Kleidung zu tragen. "Damit die Autofahrer die Fußgänger besser sehen können", sagt sie. Dunkle Kleidung erkennt man auf eine Entfernung von 25 Metern, reflektierende dagegen leuchtet 150 Meter weit.

Eine leuchtend grelle Warnweste würde beispielsweise der ADAC auf Antrag kostenfrei an die Erstklässler zur Verfügung stellen. Ein Angebot, von dem die Grundschule Katternberger Straße stets Gebrauch macht. "Gott sei Dank ist von unseren Schülern noch kein Kind bei einem Unfall zu Schaden gekommen", sagt Schulleiterin Katharina Löwe-Hoffmann. Problem sei an ihrer Schule aber wie an vielen anderen, dass Eltern ihre Kinder morgens mit dem Auto am liebsten direkt im Klassenzimmer abliefern würden. Nicht nur, was die Kleidung betrifft, auch bei anderen Situationen sind Erwachsene im Straßenverkehr nicht unbedingt Vorbilder, weiß Katrin Grastat. "Kinder schauen sich vieles ab - und dann sollen sie alles richtig machen?!, sagt die Verkehrssicherheitsberaterin.

Autofahrer beziehungsweise Erwachsene immer wieder für das richtige Verhalten im Straßenverkehr zu sensibilisieren - auch das ist das Ziel der Aktion "Siehst du mich?"

58 verunglückte Kinder zählte die Polizei im vergangenen Jahr in Solingen. Und Katrin Grastat weiß, wie wichtig es wäre, wenn Autofahrer freiwillig runter vom Gas gehen würden, wenn sie Kinder sehen. Denn bei einem Aufprall von 50 Stundenkilometern sterben acht von zehn Fußgängern.

Neben Georgio und Bezirkspolizistin Marion Greune, die seit einem Jahr oft in der Grundschule Katternberger Straße ist und beispielsweise das Fahrradtraining begleitet, stehen die Kinder der vierten Klasse weiter am Straßenrand.

Die zehnjährige Zara hat gerade ihren Zettel an einen Autofahrer abgegeben und reiht sich nun wieder bei ihren Klassenkameraden am Straßenrand ein. Alle tragen eine grell leuchtende Warnweste. Und die jetzt beginnende Grünphase für die Autos ist für die Kinder keine Wartezeit: Sie machen "die Welle" - und so nachhaltig auf sich aufmerksam.

Quelle: RP
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