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Solingen
Bandbreite bei der Bergischen beeindruckt

Solingen. Zur 70. Auflage der Internationalen Bergischen Kunstausstellung lud das Kunstmuseum am Samstag zur langen Nacht. Von Alexander Riedel

Ein Mann putzt sich die Zähne, sitzt am Computer oder schneidet Gemüse - das mag für sich genommen keine Kunst sein, ist aber Teil eines gewitzten Projekts, das das Düsseldorfer Künstlerduo Marco Biermann und Tomas Kleiner im Rahmen der 70. Internationalen Bergischen Kunstausstellung präsentiert. Ihre Performance "Be sharefull" nimmt in einer Zweikanal-Videoinstallation die zur Mode gewordene Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken aufs Korn. Ein Kamerabild zeigt den Protagonisten bei seinen alltäglichen Aktivitäten, ein anderes imitiert seinen Blickwinkel.

Auch ein paar Treppenstufen darunter begegnet dem Gast der Ausstellung die Auseinandersetzung mit moderner Kommunikationstechnologie: Virtuelle Simulation und Realität stehen im Mittelpunkt der Installation "Daemons" von Friedemann Banz und Giulia Bowinkel. Sie zeigt auf Stellwänden Standbilder, etwa von tausenden auseinander spritzenden Kügelchen oder ineinander fließenden Farben, die sich mittels einer über das Smartphone des Besuchers heruntergeladenen App plötzlich zu bewegen beginnen.

"Das sind ganz außergewöhnliche Künstler", zeigte sich Jutta Pfeiffer-Kaufel beeindruckt. Die Solingerin, die selbst ehrenamtlich im Kunstmuseum tätig ist, besuchte am Samstag gemeinsam mit Freunden die lange Nacht, mit der das Haus das Jubiläum der Bergischen feierte. "Sie waren alle noch nie hier gewesen, sind aber sehr beeindruckt - auch von der Art der Präsentation und vom Haus als solches", schilderte Pfeiffer-Kaufel die Reaktionen ihrer Begleiter. Bis in den späten Abend hinein schlossen sich die Gäste den Kurzführungen durch die Ausstellung an - und begegneten dabei mehrfach auch den Künstlern selbst, wie zum Beispiel Thomas Musehold oder Wolfgang Pilz, die vom Schaffensprozess ihrer Werke berichteten.

Nach Anbruch der Dunkelheit schufen auch die musikalischen Gäste eine teilweise mystische Stimmung in den Räumen des alten Gräfrather Rathauses: Ton- und Klangkünstler Georg Zangl hatte sich und seine eindrucksvollen Saiteninstrumente im Untergeschoss vor den dreidimensional wirkenden Stillleben von David Czupryn platziert. Der hatte für seine Bildarrangements den von der National-Bank AG gestifteten Bergischen Kunstpreis erhalten. Im Erdgeschoss nahm Moritz Fiedler die Gäste mit elektronischen Klängen in Empfang. Und draußen vor der angestrahlten Gebäudefront stärkten sich die Gäste am Stand von Kempner`s mit Currywurst und Pommes Frites. Zum Feiern gab es im Kunstmuseum doppelten Anlass: Denn die Einrichtung war vor 20 Jahren im ehemaligen Gräfrather Rathaus eröffnet worden.

Und aller finanzieller Sorgen zum Trotz: Die Resonanz bei der Bergischen Kunstausstellung kann sich nach den Worten der stellvertretenden Museumsleiterin Gisela Elbracht-Iglhaut sehen lassen: "Es läuft richtig gut." Gerade das junge Publikum, ob als Schulklasse oder privat erschienen, nehme die Ausstellung, die die Bandbreite des künstlerischen Schaffens im Bergischen Land wiedergeben soll, gut an. Und dabei seien es längst nicht nur die Werke mit modernem Technikbezug, mit denen sich die Jugend intensiv befasste: "Gerade die traditionelle Malerei und Zeichnung interessierten die Besucher."

Quelle: RP
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