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Solingen
Bilder für gestresste Stadtmenschen

Solingen. Die Malerin Katrin Roth zeigt ab morgen in der Galerie SK Waldlandschaften. Von Güdny Schneider-Mombaur

Der Titel der Ausstellung "Waldeslust" nimmt Bezug auf ein deutsches Volkslied des späten 19. Jahrhunderts - und spielt so mit der ironisierenden Begrifflichkeit einer Romantik vortäuschenden Idylle. Ist das Motiv "Wald" für Künstler und Publikum noch von Interesse? Für Katrin Roth, die ab morgen ihre Bilder in der Galerie der Solinger Künstler zeigt, liegt die Antwort auf der Hand: "Der Wald ist einer der letzten Rückzugsorte zum Durchatmen für lärmgeplagte Stadtmenschen. Die Assoziationen und persönlichen Verbindungen mit dem Naturraum Wald sind vielfältig."

Das Motiv steckt voller kontextueller Bezüge, die bis in die deutsche Romantik zurückreichen. Und all dies schwingt unausgesprochen mit, wenn es die Künstlerin Katrin Roth in den Wald treibt. "Seit 3 Jahren bin ich dort unterwegs", erzählt sie, "rund um Duisburg, wo ich lebe, genauso wie auf meinen Reisen durch die Wälder Deutschlands". Die Künstlerin wandert nicht durch die Natur, sie joggt durch die Wälder. Mittels einer Kamera macht sie Schnappschüsse, die ihr als Erinnerungshilfe für Skizzen dienen, die im Atelier den Impuls für die malerische Umsetzung in kleinen und großen Bildformaten geben.

So entstehen Ölbilder, die den Betrachter ins Motiv ziehen. Er fokussiert ein Detail im Vordergrund wie die unsystematische Ansammlung kleiner abgestorbener Äste oder wird in eine Miniaturfernsicht gelenkt, einen Durchblick durch Äste oder Baumstämme. In ihrer Serie der "vergessenen Orte" spielt Roth mit architektonischen Rahmen, zeigt die Natur als Bild im Bild, gesehen durch die Schießscharten eines alten Bunkers.

Was Katrin Roth interessiert, ist nicht die vordergründige realitätsgetreue Abbildung. Es geht ihr vielmehr, wie sie betont, um den Prozess der Bildentstehung und die Materialität der Farbe. Sie spürt Farb- und Formklängen nach, kombiniert Unfertiges und minutiös ausgearbeitete Details. Sie verdichtet und überlappt wiederkehrende Muster und Strukturen, setzt Schärfe gegen Unschärfe. Freie Farbsegmente kontrastieren mit den linearen Wuchsrichtungen der Stämme, was besonders bei ihren jüngsten Arbeiten zu einem hohen Abstraktionsgrad führt.

Die Kompositionen der in Greifswald geborenen und heute in Duisburg lebenden Künstlerin sind offen, niemals konstruiert. Sie arbeitet mit Ausschnitten, Anschnitten, eben so wie sie den Wald im Lauf erlebt. Sie arbeitet schnell, der Prozess des Malens entspricht der Bewegung ihrer spontan gewonnenen Natureindrücke und der subjektiven Verarbeitung mit allen Sinnen.

Hier hilft ein Verweis auf den romantischen Landschaftsmaler Caspar David Friedrich, um diese besondere Wechselwirkung zwischen Natureindruck und malerischer Umsetzung zu verstehen. Friedrichs oft zitierter Satz "schließe dein leibliches Auge, damit du mit dem geistigen Auge siehest dein Bild" erläutert genau diesen schmalen Pfad zwischen Außenwelt und Innenwelt, zwischen Naturnachahmung und subjektiver künstlerischer Interpretation. Das ermöglicht auch dem Betrachter den unverstellten subjektiven Zugang.

Die Ausstellung "Waldeslust" wird morgen um 15 Uhr in der Galerie SK, Alexander-Coppel-Str. 44, eröffnet. Bis zum 22. November sind die Bilder in den Güterhallen zu sehen.

Quelle: RP
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