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Solingen
Die 80er im Museum: Das Herz der Szene schlug in der Klingenstadt

Solingen. Im September 1981 fand im Berliner Tempodrom ein Festival statt, das nicht nur einer ganzen Szene ihren Namen gab, sondern auch viele Impulse setzte. Wolfgang Müller ("Die Tödliche Doris") hatte dem, was seit Ende der 70er Jahre in Kellern und Wohnzimmern der Nation auf billigen Instrumenten entstand, einen Namen gegeben: Geniale Dilletanten. Absichtlich falsch und damit dilettantisch geschrieben. Auf dem Festival wurden Klänge, Töne und Lärm präsentiert, auch die "Einstürzenden Neubauten" waren dabei. Es gab Musik, die bewusst abseits des Kommerzes und als ein provozierender Gegenpol zum massenkompatiblen Geschmack und Mainstream produziert wurde. Von Michael Tesch

Jetzt, über 30 Jahre später, sind die damaligen "Einschnitte im zuvor ruhigen kulturellen Kontinuum dieses Jahrzehnts", wie es Diedrich Diederichsen beschreibt, museal geworden. "Geniale Dilletanten - Subkultur der 1980er-Jahre in Deutschland" nennt sich eine vom Goethe Institut zusammengestellte Ausstellung, die bis Oktober im Haus der Kunst in München zu sehen und zu hören ist. Der empfehlenswerte Katalog mit Texten u.a. von Diedrich Diederichsen, Klaus Walter und Justin Hoffmann ist im Hatje/Cantz-Verlag erschienen. Er gibt Einblicke in die damals vielfältigen Netzwerke und den zeitgleichen Entwicklungen in Musik, Film, Mode und Design. Anhand einer Auswahl von sieben Bands, Künstlerinnen und Künstlern wird in Ausstellung und Publikation die große Bandbreite der unterschiedlichen, künstlerischen Konzepte der Subkultur der 80er aufgezeigt.

Erinnert wird auch daran: West-Berlin war nur eines der Zentren der neuen deutschen Pop-Musik. Ein zweites war Hamburg, ein drittes Düsseldorf - mit dem Herzstück Solingen. Hier in der Klingenstadt hatte Peter Braatz alias Harry Rag mit der Band "S.Y.P.H." schon 1979 die Single "Viel Feind, viel Ehr" aufgenommen, die Diederichsen im Katalog "Geniale Dilletanten" als die "vermutlich erste unabhängige deutsche Punk- und Neue Deutsche Welle-Veröffentlichung" bezeichnet. Braatz sollte später auf der ersten LP 1980 einen Titel veröffentlichen, der ebenfalls zum Slogan wurde: "Zurück zum Beton". Für Diederichsen ein "Anti-Rousseau-Song". Doch es gab auf der Platte auch das Industriemädchen: "Beim Elektrizitätswerk haben wir uns geliebt / im Hintergrund hat der Schnelle Brüter gepiept." Ja, so war das damals.

Quelle: RP
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