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Solingen
Ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit fördern

Solingen: Ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit fördern
Engagieren sich bei der "Aktion Neue Nachbarn": Ulrike Spengler-Reffgen, Dr. Christoph Humburg, Roswitha Wermelskirchen, Wolfgang Gebhardt, Wendel Orner (v.l.) und Xenia Furaew (sitzend). FOTO: Martin Kempner
Solingen. Die Koordinationsstelle "Aktion Neue Nachbarn" an der Ahrstraße berät und schult Bürger, die sich für Flüchtlinge einsetzen wollen. Gleichzeitig sollen die Aktivitäten der Gemeinden besser vernetzt werden. Von Alexander Riedel

Bedarf gibt es an allen Ecken und Enden: Von der Sprachförderung über die Gestaltung eines Freizeitangebots für Kinder und Jugendliche bis zur Verteilung von Sachspenden reichen die Möglichkeiten für Bürger, sich ehrenamtlich in die Flüchtlingsarbeit von Stadt und Wohlfahrtsverbänden einzubringen. "Im Moment suchen wir zum Beispiel noch einige handwerklich geschickte Umzugshelfer, die beim Wechsel von einer Sammelunterkunft in die Privatwohnung mit anpacken", sagt Wendel Orner. Gemeinsam mit Xenia Furaew leitet er die Koordinationsstelle "Aktion Neue Nachbarn" in Solingen. Die hat der Caritasverband Wuppertal/Solingen gemeinsam mit dem Stadtdekanat eingerichtet.

Hintergrund ist die gleichnamige Initiative des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki aus dem vergangenen Jahr, mit der das Erzbistum das Engagement von kirchlichen und nicht-kirchlichen Institutionen und privaten Helfern besser vernetzen will. "Wer sich an uns wendet, muss nicht christlichen Glaubens sein", stellt Caritasdirektor Dr. Christoph Humburg klar, betont aber zugleich: "Der Einsatz für Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, ist eine originäre christliche Aufgabe." Zwei, die im Rahmen der "Aktion Neue Nachbarn" bereits tatkräftig mithelfen, um Flüchtlingen das Leben in ihrem neuen Umfeld leichter zu machen, sind Roswitha Wermelskirchen und Wolfgang Gebhardt. Letzterer hat eine Patenschaft für einen Nigerianer übernommen, der vor der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram geflohen war.

"Wir treffen uns zweimal in der Woche", berichtet der 89-jährige Gebhardt, der seinem Schützling die deutsche Sprache beibringt und ihn im Bedarfsfall auch bei Behördengängen begleitet. "Aufmerksam geworden bin ich auf die Initiative durch einen guten Freund, dessen Frau in dem Bereich aktiv ist", erzählt der ehemalige Dozent an der Finanzschule.

Gleich 19 Schüler aus verschiedenen Sprachräumen unterrichtet die 77-jährige Roswitha Wermelskirchen in ihrem ebenfalls zweimal pro Woche stattfindenden Deutschkurs. An Erfahrung im Vermitteln einer Sprache mangelt es ihr nicht: "Ich habe 30 Jahre lang bei der Volkshochschule Italienisch unterrichtet", verrät sie. Eine neue Herausforderung sei die Aufgabe aber dennoch. Zu ihren Schülern gehören zwei Aserbaidschaner sowie viele Flüchtlinge aus dem arabischen Sprachraum. Da ist auch Improvisieren gefragt: "Einige syrische Schüler können englisch und übersetzen meine Aussagen für ihre Kollegen", berichtet Wermelskirchen.

Interessenten, dem Beispiel der beiden Ehrenamtler nachzueifern, gibt es zahlreiche und in allen Altersgruppen. "Wir haben die Teilnehmerzahl für unseren Einführungsabend ins Ehrenamt am Samstag auf 20 festgelegt, hatten aber weitaus mehr Anmeldungen", freut sich Xenia Furaew. Die Koordinationsstelle bietet verschiedene eintägige Qualifizierungsmodule für freiwillige Helfer an, zum Beispiel zu Themen wie "Kommunikation und Konfliktmanagement" oder "Interreligiöse Kompetenz". Auch Lehrgänge für Sprachlehrkräfte organisiert die Einrichtung. Alle Helfer bekommen einen Vertrag, der zumeist auf ein halbes Jahr befristet ist und einen Versicherungsschutz beinhaltet. "Eine Verlängerung ist natürlich immer möglich", sagt Humburg. Trotz aller Hilfsbereitschaft sucht die Koordinationsstelle stets weiter nach Unterstützern in sämtlichen Bereichen. "Wir hoffen, dass der Enthusiasmus der Menschen, sich einbringen zu wollen, noch lange anhält", sagt Wendel Orner. "Denn Flüchtlinge wird es auch in einigen Jahren noch geben."

Quelle: RP
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