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Solingen
Existenzangst im Botanischen Garten

Solingen. Die Park-Stiftung schlägt Alarm: Weil es statt richtiger Toiletten zurzeit nur Dixi-Klos gibt, gehen die Besucherzahlen in den Keller. Auch Veranstaltungen wurden schon abgesagt. Die Stadt kennt das Problem und will es bis Mitte 2018 lösen. Von Martin Oberpriller

Das Wetter war dieses Jahr eigentlich gar nicht so schlecht. Vor allem an den Sommerwochenenden schien häufig die Sonne, so dass die Verantwortlichen der Stiftung Botanischer Garten normalerweise zufrieden auf die Saison 2017 blicken müssten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Freiwilligen des Vereins, die sich im kommenden Jahr seit 20 Jahren um den Erhalt des größten Solinger Parks kümmern, sind nämlich von akuten Existenzängsten geplagt.

Der Grund: Schon fast ein Jahr lang müssen die Gäste im Botanischen Garten, wenn sie einmal austreten wollen, mit drei primitiven Dixi-Klos vorlieb nehmen, da die Stadt im Zuge des Neubaus für das Palliative Hospiz gleich nebenan die alten Toilettenanlagen des Parks abgerissen hat. Und dies hatte zuletzt seinerseits zur Folge, dass gleich mehrere einnahmeträchtige Veranstaltungen abgesagt werden mussten - und der Besucherandrang 2017 im Botanischen Garten massiv eingebrochen ist.

So wird auch die Ausstellung "Kunst im Advent", die seit Jahren ein fester Bestandteil im Terminkalender der Klingenstadt ist, in diesem Jahr sprichwörtlich ins Wasser fallen, wie Matthias Nitsche als stellvertretender Vorsitzender der Garten-Stiftung am Montag bestätigte. "Leider ist es nicht möglich, die Veranstaltung durchzuführen", sagte Nitsche. Denn tatsächlich, so der Vereins-Vize, seien die kalten und obendrein häufig verschmutzten Dixi-Klos kaum mehr einem Gast zuzumuten.

Entsprechend mies ist die Stimmung bei der Stiftung. "Wir können die augenblickliche Lage nicht lange durchhalten", schlug Nitsche jetzt Alarm. Wobei die Ehrenamtler rund um den Botanischen Garten die Stadt in der Pflicht sehen. Matthias Nitsche: "Wir brauchen eine schnelle Lösung, werden jedoch vertröstet. Erst hieß es, die neuen Toiletten seien im Februar fertig. Und seit neustem ist von Mai 2018 die Rede - aber auch nur, wenn der Winter nicht zu hart wird."

Die Stadt Solingen bedauerte gestern die missliche Situation, konnte allerdings lediglich bedingt Entwarnung geben. Zwar sei bei einem Treffen mit den Beteiligten in der vergangenen Woche vereinbart worden, "die vorhandenen mobilen Toiletten voraussichtlich kurzfristig durch einen besseren Standard inklusive Waschbecken" auszutauschen, teilte das Rathaus mit. Die Fertigstellung eines Neubaus für Damen und Herren im Eingangsbereich des Botanischen Gartens mit barrierefreien Behinderten-WCs sowie Wickelmöglichkeit habe indes "aktuell auf Mitte 2018 verschoben werden" müssen, sagte Stadtdirektor Hartmut Hoferichter auf Nachfrage.

Als Grund für die Verzögerung nennt die Stadt eine "hohe Auslastung beim Stadtdienst Immobilienmanagement unter anderem im Kita- und Schulbereich" - was bei der Stiftung wiederum auf wenig Verständnis stößt. Beispielsweise habe man direkt nach Bekanntwerden der Neubaupläne für das Hospiz vor zwei Jahren angeboten, selbst als Bauträger der Toiletten aufzutreten und zudem einen Teil der Kosten in Höhe von 100.000 Euro übernehmen zu wollen, sagte Matthias Nitsche, der betonte, der Verein sorge nicht allein für die Pflege des Parks, sondern überweise der Stadt jährlich eine beträchtliche Summe.

Erst vor einigen Tagen sei eine Rechnung über 5000 Euro für die Pacht eingegangen, die zu den 25.000 Euro Betriebsmittelzuschuss dazu komme, hieß es bei der Stiftung, die harte Wochen und Monate auf sich zukommen sieht. "Wir sind bei Veranstaltungen nach wie vor eingeschränkt. Denn wir können es einer Hochzeitsgesellschaft ja nun einmal nur schwer vermitteln, Dixi-Klos zu benutzen", klagte Stifungs-Vize Nitsche.

Darüber hinaus befürchtet der Verein einen bleibenden Imageverlust mit seinerseits zusätzlichen finanziellen Kollateralschäden. "Die Spendenbereitschaft vieler Leute nimmt ab", schilderte Matthias Nitsche die Erfahrungen des zurückliegenden halben Jahres. Wenn sich erst herumgesprochen habe, dass im Botanischen Garten Dixi-Klos stünden, die überdies lediglich zweimal pro Woche gereinigt würden, gingen die Besucherzahlen und die Anfragen für Feste noch weiter nach unten. Gerade deshalb benötige die Stiftung eine schnelle Lösung für das Problem.

Quelle: RP
 
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