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Solingen
Flüchtlingshelfer wollen trotz Drohung ihre Arbeit fortsetzen

Solingen. "Gräfrath hilft" will sich von rechten Hetzern nicht einschüchtern lassen. Die Polizei ruft dazu auf, Bedrohungen ernst zu nehmen. Von Martin Oberpriller

Die Todesdrohung gegen einen Freiwilligen aus der Gruppe "Gräfrath hilft" schlägt weiter hohe Wellen. Nachdem Reinhard Burski, der auch Mitglied in der Bezirksvertretung Gräfrath ist, in der zurückliegenden Woche einen anonymen Zettel mit wüsten Beschimpfungen im heimischen Briefkasten gefunden hatte, kündigte der Stadtteilpolitiker zuletzt den Rückzug von allen seinen Ehrenämtern an. Doch für die anderen Flüchtlingshelfer ist dies keine Option. Das stellte Georg Schubert von "Gräfrath hilft" gestern im Gespräch mit unserer Redaktion klar.

"Wir waren, als wir von der Drohung gegen Reinhard Burski hörten, wie vor den Kopf gestoßen und werden das Thema in den kommenden Tagen intensiv besprechen", betonte Schubert, der gemeinsam mit knapp 50 weiteren Freiwilligen in der Gruppe aktiv ist. Unter anderem kümmern sich die Helfer um Flüchtlingskinder, bieten Patenschaften für Familien an und betreiben zudem in Gräfrath eine Kleiderkammer.

Dementsprechend ernst nehmen die Verantwortlichen von "Gräfrath hilft" mögliche Bedrohungen gegen ihre Mitstreiter - zumal der Vorfall um Reinhard Burski andere Ehrenamtler davor zurückschrecken lassen könnte, sich fortan noch in der Flüchtlingsarbeit zu engagieren. "Das wollen wir unter allen Umständen verhindern, weil dann die potenziellen Täter ja ihr Ziel erreicht hätten", sagte Georg Schubert.

Parallel dazu kündigte er an, bei vergleichbaren Bedrohungen gegen Mitglieder der Gruppe in der Zukunft die Polizei in Kenntnis setzen zu wollen. "Wir werden auf jeden Fall eine Anzeige erstatten", hieß es bei "Gräfrath hilft".

Eine Einstellung, die die Polizei begrüßt. "Bei solchen Drohungen handelt es sich keineswegs um Kavaliersdelikte. Sie sollten auf gar keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden", sagte ein Sprecher des auch für Solingen zuständigen Polizeipräsidiums Wuppertal auf Anfrage unserer Redaktion. Vielmehr, so der Sprecher, würden Bedrohungen dieser Art, die eindeutig Straftaten darstellen, von den Behörden - also von Polizei sowie Staatsanwaltschaft - immer verfolgt werden.

"Wenn einen freiwilligen Helfer Drohungen erreichen, sollten die Leute sofort bei uns anrufen", appellierte der Polizeisprecher an mögliche Opfer, nicht über die Vorfälle zu schweigen. Die zuständigen Beamten würden die Betroffenen nach einer Anzeige umgehend aufsuchen und Spuren, zum Beispiel an Drohbriefen, sichern. "Wir werden dann alles versuchen, um den Täter zu ermitteln", betonte der Polizeisprecher.

Derweil bemühen sich die Macher von "Gräfrath hilft", nach der Drohung gegen Reinhard Burski die negativen Folgen für die alltägliche Flüchtlingsarbeit der Gruppe so gering wie möglich zu halten. "Unser Ziel ist es, dass wir uns mit allen unseren freiwilligen Helfern zusammensetzen." Georg Schubert hofft, auf diese Weise Ängste ausräumen zu können. Denn immerhin, so Schubert, sei "Gräfrath hilft" als eher lockererer Zusammenschluss von Ehrenamtlern auf das Engagement vieler Menschen angewiesen.

Quelle: RP
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