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Udo Bley
Fundbüro hat auch Markenartikel auf Lager

Udo Bley: Fundbüro hat auch Markenartikel auf Lager
Udo Bley vom Ordnungsamt mit den Fundsachen. In den Bussen der Stadtwerke ist das Meiste liegengeblieben oder wird den städtischen Mitarbeitern von der Polizei geschickt. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Rund 350 nicht abgeholte Fundsachen stehen am Mittwoch einmal mehr zur Versteigerung. Udo Bley vom Stadtdienst Ordnung spricht über kuriose Versteigerungsobjekte und Schnäppchenjäger.

Was war das ungewöhnlichste Versteigerungsobjekt, an das Sie sich erinnern?

Bley Von meinen Kollegen weiß ich, dass einmal eine Gummipuppe versteigert wurde. Als skurriles Fundstück kann ich mich an ein Gebiss erinnern, das uns die Polizei geschickt hatte. Die Besitzerin konnte zwar ausfindig gemacht werden, hat sich allerdings erst einige Zeit später gemeldet - und hat ihr Gebiss natürlich zurückbekommen, obwohl sie inzwischen längst ein neues hatte.

Die Versteigerungen finden ja jedes halbe Jahr statt. Wie viele Artikel kommen in der Zwischenzeit zusammen?

Bley Zur nächsten Versteigerung haben wir 350 Fundstücke im Lager.

Worum handelt es sich dabei zumeist?

Bley Darunter sind besonders in diesem Jahr sehr viele Regenschirme, und zwar sowohl Massenware als auch Markenschirme, sowie Sport- und Schultaschen und auch Fahrräder. Diesmal dabei sind zudem zwei Transportrollstühle, die offenbar gestohlen worden und dann gefunden worden sind.

Woher kommen die Sachen ?

Bley Das Meiste davon ist in den Bussen der Stadtwerke liegengeblieben oder wird uns von der Polizei geschickt - übrigens auch aus anderen Städten, wenn zum Beispiel ein Portemonnaie mit Papieren aufgetaucht ist. Andere Fundsachen erhalten wir von den Bürgerbüros oder privaten Findern.

Seit wann ist es überhaupt üblich, diese Sachen zugunsten des Stadtsäckels zu versteigern?

Bley Das passiert schon seit Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches (die 1. Fassung trat in Kraft im Jahr 1900, die Red.). Die Versteigerung ergibt sich aus den Vorschriften, die Fundsachen ein halbes Jahr aufzubewahren. Danach hat der Eigentümer noch vier Wochen Anspruch auf die verlorenen Gegenstände. Anschließend werden sie versteigert.

Gibt es Besucher, die jedes Mal aufs Neue kommen, um Schnäppchen zu ergattern?

Bley Die gibt es in der Tat. Das zeigt auch, dass die Fundsachen qualitativ oft hochwertig sind.

In welcher Spanne liegen die Einnahmen für die einzelnen Fundstücke üblicherweise?

Bley Die Spanne reicht von 30 Cent für einen Schirm bis zu 500 Euro für einen Elektrorollstuhl.

Warum werden keine Handys versteigert?

Bley Das hat datenschutzrechtliche Gründe. Es muss gewährleistet und zertifiziert sein, dass alle vorhandenen Daten vor der Versteigerung unwiderruflich gelöscht sind. In dem Zusammenhang sind wir im Gespräch mit einer Firma.

Bei Versteigerungen herrscht ja oft Hochbetrieb. Doch wie ist der Andrang im Fundbüro eigentlich an ganz "normalen" Tagen?

Bley Das ist grundsätzlich natürlich sehr unterschiedlich. Durchschnittlich kommen sieben bis acht Personen täglich. Daneben erreichen uns etwa 30 telefonische oder Mailanfragen.

ALEXANDER RIEDEL FÜHRTE DAS GESPRÄCH MIT UDO BLEY VOM ORDNUNGSAMT.

Quelle: RP
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