| 00.00 Uhr

Solingen
Jugendherbergswerk geht auf Tauchstation

Solingen: Jugendherbergswerk geht auf Tauchstation
Steht vor einer ungewissen Zukunft: Geht es nach dem Jugendherbergswerk, soll die Jugendherberge in Oberburg voraussichtlich Ende des Jahres, spätestens aber Mitte 2018 geschlossen werden. Stadt und Politik fühlen sich vom Verband nicht ernstgenommen und kündigen Widerstand an. FOTO: Kempner (Archiv)
Solingen. Die sprichwörtlichen Fronten sind zunehmend verhärtet.Trotz Einladung blieb der Verbands-Chef gestern der Sitzung der BV Burg/Höhscheid fern. Die Politik will eine Herberge für Burg erhalten.  Von Martin Oberpriller

Nachdem die Solinger Stadtspitze sowie die Politik in der Klingenstadt in der vergangenen Woche erst durch einen Bericht unserer Redaktion erfahren hatten, dass der Deutsche Jugendherbergsverband Rheinland plant, die Jugendherberge in Oberburg voraussichtlich Ende des Jahres zu schließen, herrscht zwischen beiden Seiten nach wie vor weitgehende Sprachlosigkeit - was die ohnehin schon angespannte Stimmung nun noch zusätzlich verschlechtert.

So hatten beispielsweise die Mitglieder der Bezirksvertretung (BV) Burg/Höhscheid bei ihrer Sitzung gestern Abend eigentlich erstmals sozusagen aus erster Quelle erfahren wollen, wie es zu dem Schließungs- und Verkaufsbeschluss des Verbandes gekommen sei. Doch daraus wurde nichts, da der Geschäftsführer der rheinischen Jugendherbergen, Friedhelm Kamps, sagte sein Kommen - trotz Einladung - absagte. Und auch für die Stadtverwaltung ist der Verband einstweilen nicht persönlich zu sprechen. So wurde während der BV-Sitzung im Theodor-Fliedner-Heim an der Neuenkamper Straße nämlich zudem bekannt, dass Geschäftsführer Kamps ein Gesprächsangebot der Verwaltung ebenfalls zunächst ausgeschlagen hat.

Ein Verhalten, das bei den Stadtteilpolitikern am Donnerstag auf wenig Verständnis stieß. "Stadt und Kommunalpolitik sind über fünf Jahre verschaukelt worden", sagte etwa der stellvertretende Bezirksbürgermeister Paul Westeppe (CDU), der sich in dieser Einschätzung mit den anderen BV-Mitgliedern einig wusste. So kritisierte beispielsweise auch Reinhard Pogutke als Sprecher der SPD die Haltung des Jugendherbergsverbandes als "schäbig", während sich Alexandra Medhi von der Linken - entgegen ihrer sonstigen Präferenzen - dafür aussprach, nach möglichen privaten Investoren Ausschau zu halten.

Der Hintergrund: Die Bezirkspolitiker sind durchaus der Meinung, dass sich eine neue Unterkunft für Kinder, Jugendliche sowie sogenannte Backpacker auch in Zukunft am Standort Oberburg rechnen würde. Denn die Stadt hatte bereits in der Vergangenheit solche Möglichkeiten ausgelotet. So wurden mit dem Jugendherbergsverband diesbezügliche Modelle erörtert, die unabhängig von einem Weiterbetrieb im derzeitigen, über 70 Jahre alten Gebäude entwickelt werden könnten.

Tatsächlich soll die Verwaltung dergestalte Überlegungen nach dem Willen der Bezirksvertretung jetzt unabhängig vom Verband weiterverfolgen. Wobei CDU-Mann Westeppe betonte, ein möglicher Investor müsse nicht automatisch später auch der Betreiber der Herberge sein.

Gleichzeitig ließen die Bezirksvertreter keinen Zweifel daran, dass eine wie auch immer geartete Jugendherberge für den Stadtteil Oberburg von herausragender Bedeutung ist - zumal am Donnerstagabend ein ebenfalls anwesender Vertreter des Schlossbauvereins Darstellungen des Jugendherbergswerkes widersprach, wonach die anstehenden Sanierungen an Schloss Burg den gesamten Ort für zehn Jahre in eine Art Dauerbaustelle verwandeln würden. "Die Arbeiten werden vielmehr 2022 oder 2023 abgeschlossen sein", stellte der Schlossbauverein am Rande der BV-Sitzung klar.

Ob es dann aber noch eine Jugendherberge geben wird, steht nicht fest. Einfach durchkommen lassen wollen die BV-Mitglieder das Herbergswerk mit seinen Plänen allerdings auch nicht. Denn in der Politik hegen viele mittlerweile den Verdacht, dass es den Verbandsoberen vor allem darum geht, das Grundstück als wertvolles Bauland zu verkaufen.

Was wiederum eine Veränderung des Bebauungsplanes zwingend notwendig machen würde, die von den zuständigen Gremien zunächst abgesegnet werden müsste. Und so sieht sich die Politik sehr wohl in einer maßgeblichen Rolle. "Einen Automatismus existiert bei dieser Frage auf jeden Fall nicht", warnte Paul Westeppe dementsprechend schon einmal während der BV-Sitzung.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: Jugendherbergswerk geht auf Tauchstation


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.