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Solingen
Jurist, Platt-Kaller und Dauerläufer

Solingen. Der Geschäftsführer des Solinger Arbeitgeberverbandes und der Vereinigung der Bergischen Unternehmerverbände, Hans-Peter Pollmann, wird zum 1. Mai in den Ruhestand verabschiedet. Von Uwe Vetter

Regelmäßig drei bis vier Mal die Woche geht Hans-Peter Pollmann abends joggen. Auf der Sportanlage am Schaberg oder auch rund um die Radrennbahn Dorperhof, wo es reizvolle Strecken zum Laufen gebe. "30 Minuten oder rund sechs Kilometer laufe ich, anschließend kommen noch Streching-Übungen hinzu", sagt der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes (AGV) Solingen. Nicht nur dafür wird Pollmann, der am kommenden Freitag seinen 63. Geburtstag feiert, in Zukunft mehr Zeit haben: Am 28. April wird der Solinger im Rahmen der Mitgliederversammlung des AGV im Kunstmuseum an der Wuppertaler Straße zum 1. Mai in den Ruhestand verabschiedet. "Ich habe mir das reiflich überlegt. Die Gefühlslage ist zwar zwiespältig, einerseits nach 34 Jahren juristischer Tätigkeit in Solingen und Wuppertal mit Wehmut verbunden, andererseits gibt es aber die Vorfreude auf mehr Zeitsouveränität", sagt Pollmann mit Blick auf mehr gemeinsame Zeit mit seiner Ehefrau Angelika, die sich ehrenamtlich in der Dorper Kirchengemeinde engagiert, mehr Zeit für Freunde - "und den Tag einfach ruhiger angehen zu lassen".

Seit 2003 ist Hans-Peter Pollmann Geschäftsführer des Solinger Arbeitgeberverbandes. Als Vorsitzender eines Arbeitskreises war er auch maßgeblich am Zustandekommen der Vereinigung Bergischer Arbeitgeberverbände (VBU) beteiligt. Der Verband ging 2005 an den Start. "Diese Entwicklung ist bis heute einer der wesentlichen Bausteine meiner langjährigen Tätigkeit", sagt der Jurist, dem die Solinger Mundart als Sohn eines selbstständigen Handwerkers nicht fremd ist. Zehn Wuppertaler Verbände und der Solinger AGV gehören dem Verband an, die zwar weiter selbstständig sind, aber unter einem Dach die personellen und sachlichen Ressourcen des VBU nutzen.

Von daher ist für den sportlich fitten Hans-Peter Pollmann Städtependeln angesagt, denn er hat zwei Büros beziehungsweise Schreibtische, auf denen Arbeit wartet: "Vormittags bin ich in Wuppertal, nachmittags in Solingen", sagt der gebürtige Solinger, der im September 1981 nach Abitur (Gymnasium Schwertstraße), Bundeswehr und Jura-Studium seine Arbeit beim Arbeitgeberverband in Solingen aufnahm. Pollmann ist nicht nur einer von drei VBU-Geschäftsführern, er ist überdies Geschäftsführer der Tarifträgerverbände Kalkindustrie Nordrhein sowie Verkehr und Transport Bergisch Land, obendrein noch für zwei Handelsverbände zuständig - und natürlich den AGV Solingen.

Bei Letzterem tritt Dr. Klaus-Peter Starke vom Metallarbeitgeberverband Wuppertal die Nachfolge von Hans-Peter Pollmann an, in die VBU-Geschäftsführung rückt für ihn Prof. Dr. Wolfgang Kleinebrink auf, der bisherige Leiter der VBU-Rechtsabteilung. Sein Verhältnis zu den Gewerkschaften, mit denen er über seine Tätigkeit als Vertreter des Arbeitgeberverbandes oft am Tisch saß, bezeichnet Pollmann als "immer ordentlich". "Als Sozialpartner haben wir stets versucht, akzeptable Lösungen für die Solinger Unternehmen zu finden."

Doch hier ist bei Pollmann auch Wehmut vorhanden, wenn er auf seine Anfangsjahre zurückblickt und von Firmen spricht, die heute nicht mehr im Stadtbild zu finden sind: Krups, Bremshey, Rautenbach Aluminiumguss oder unter anderem Kieserling & Albrecht - "da sind mehr als 10 000 Arbeitsplätze verloren gegangen", sagt der AGV-Geschäftsführer. "Andererseits haben sich aber auch neue Unternehmen gegründet und viele, die sich erweitert haben", ergänzt der Jurist.

Der wird zwar am 28. April im Kunstmuseum unter anderem mit einem Kammerkonzert von Stipendiaten der Orchesterakademie der Bergischen Symphoniker in den Ruhestand verabschiedet, einen Tag darauf stehen für Hans-Peter Pollmann aber noch Tarifgespräche für die Kalkindustrie auf dem Programm: "Am Tag der Arbeit beginnt für mich dann aber offiziell der Ruhestand."

Quelle: RP
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