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Solingen
Louis Armstrong und die Notendealer

Solingen: Louis Armstrong und die Notendealer
Aus Hamburg war die Gruppe Mundial zum ersten A-capella-Festival nach Solingen gekommen. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Fast sechs Stunden Stimmung pur: Das erste A-cappella-Festival wurde mit über 400 Besuchern ein voller Erfolg. Von Jan Crummenerl

Es wird angenommen, dass schon Homo erectus, ein menschlicher Urahn, seine Stimme bei rituellen Veranstaltungen vor rund 300 000 Jahren erschallen ließ. Aber, es ging damals bestimmt nicht so flott und fetzig zu, wie am Samstag im Konzertsaal. Der Saal präsentiert sich ungewohnt ansprechend. Vorhänge decken den Bühnenbereich ab. Rote und blaue Lichterfontänen bilden die Kulisse. Im hinteren Bereich sind Podeste aufgebaut, die ein Ansteigen der Stuhlreihen und damit eine ganz neue Sichtweise auf den sonst eher trockenen Konzertsaal ermöglichen. "Wir wollen neue Möglichkeiten ausprobieren, um auch ganz anderes Publikum zu gewinnen", sagt Hans Knopper, Direktor des Kulturmanagements der Stadt.

Das ist gelungen. Über 400 Besucher kamen zum ersten A-cappella-Festival, das um 18 Uhr begann und für fast sechs Stunden für jubelnde und ausgelassene Stimmung sorgte. Alles hat bei der Kulturnacht vor einem Jahr angefangen, bei der auch die Solinger Gesangs-Band Scampi mitgemacht hat. "Da hatten wir die Idee, einmal ein Festival auszurichten", sagt Scampi-Gründer und Moderator Lars Wierum. 28 Bewerbungen für das Festival hat es aus ganz Deutschland und Österreich gegeben. Aber nur vier Ensembles können teilnehmen. Quälen müssen sich da Musikschulleiter Ulrich Eick-Kerssenbrock, der Sendenhorster Kulturbüroleiter Matthias Greifenberg und der Leiter des Bürgerhauses Kalk, Georg Kongehl. Alle drei sind ausgesprochene Vokalexperten und haben die Aufgabe, den mit 1000 Euro von der Stadt-Sparkasse dotierten Preis zu vergeben. Schwierig: Denn die vier eingeladenen Gesangs-Ensembles sind ebenso unterschiedlich im Stil wie von ganz eigener Originalität.

Den Auftakt machte das Männerquartett "Mundial" aus Hamburg. Sanft versponnen mit einem unglaublich satten Sound eröffnen sie mit dem Beatles-Song "Yesterday". Und Humor gab's gleich mit: "Jetzt haben wir erstmal für eine leicht depressive Grundstimmung gesorgt. Von nun an kann es nur noch aufwärts gehen." Flott und fetzig präsentieren die vier Jungs rhythmisch ausgefeilte Songs. Fast Comedian-Harmonist-reif: das swingende Liedlein vom Gummibärchen. "A cappella auf meinem Teller macht den Tag ein wenig heller." Das gilt auch für die zweite Gruppe: Zwei Sängerinnen und drei Sänger bilden "Soundescape" aus Köln. Peppig, fast mit Orchestersound und markanten Solostimmen begeistern sie. "Fantasie" auf einen Text von Goethe, dynamisch sehr fein justiert, wird da fast zu einem poppigen Kunstlied. Und schwermütig wird es, wenn auf Kölsch mit "Wenn am Himmel die Sterne tanzen" das Heimweh nach der Domstadt zelebriert wird.

Nuttendealer? Nein, das war ein Versprecher bei einem Auftritt. Notendealer heißt die dritte Gruppe: fünf flotte Burschen aus dem sächsischen Freiberg. Irgendwo zwischen Rockband und Don Kosaken wird russisch Volkstümliches geboten mit einer umwerfenden Balalaika-Imitation. Da liegt das Publikum fast vor Lachen auf dem Boden, wenn mit Spielzeug-Trompete in der Hand Louis Armstrongs "What a wonderfull world" perfekt auf die Schippe genommen wird.

Ganz anders das gemischte Sextett Voisix aus Padernborn. Der ausgewogene und jazzige Sound beeindruckt. "I'll be there" von den Jackson Five ging mit den sich gekonnt umschmeichelnden Stimmen richtig unter die Haut. Und "O magnum mysterium" mit seinen vertrackt schönen Harmonien klingt so, als hätte Palestrina an der Jazz-Flasche genascht. Während Scampi aus Solingen und Muttis Kinder aus Berlin weiter für A-cappella-Stimmung sorgen, schreitet die Jury zur Entscheidung: Soundescape macht das musikalische Rennen. Und der von Güde gestiftete Publikumspreis geht an die witzigen "Notendealer" aus Sachsen. Bei so einem erfolgreichen Abend ist klar: Im nächsten Jahr gibt es das zweite Solinger A-cappella-Festival.

Quelle: RP
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