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Solingen
Malteser sollen Rettungsdienst verlieren

Malteser sollen Rettungsdienst in Solingen verlieren
Viele von ihren bangen um ihre Arbeitsplätze. Seit vielen Jahren bereits sind die Solinger Malteser zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz und der Feuerwehr für den Rettungsdienst in der Stadt verantwortlich. Damit könnte es nun bald vorbei sein. FOTO: Malteser
Solingen. Die Organisation fürchtet, bei der Neuausschreibung des Dienstes gegen einen anderen Anbieter zu unterliegen. 20 Jobs sind in Gefahr. Die Stadt weist Vorwürfe der Malteser zurück, man setze auf Billiganbieter. Entscheiden muss die Politik. Von Martin Oberpriller

Die Solinger Malteser stehen unter Schock. Denn zurzeit laufen bei der Stadt die Neuvergaben für Teile des Solinger Rettungsdienstes. Und nach Lage der Dinge werden die Malteser, die schon seit mehr als zwei Jahrzehnten zum vertrauten Bild der Retter in der Klingenstadt gehören, nach dem Ende der Ausschreibungen ab Anfang August nicht mehr im Einsatz sein.

Dem Vernehmen nach hat ein anderer Anbieter, der nicht in der Stadt ansässig ist, die Malteser im Preis unterboten. Die Rede ist dabei von rund 200.000 Euro, die bei einem Gesamtvolumen von über einer Million Euro jährlich eingespart werden können. Eine endgültige Entscheidung über die Neuvergabe muss der Haupt- und Personalausschuss bei seinem nächsten Treffen am kommenden Dienstag, 21. Juni, im nichtöffentlichen Teil der Sitzung fällen.

Für die Malteser wäre der Verlust des Rettungsdienstes ein harter Schlag. Dementsprechend schlecht ist augenblicklich die Stimmung in der Organisation, die gestern gegenüber dem Rathaus schwere Vorwürfe erhob. Die Stadt habe bei den bisherigen Verhandlungen allein auf das Geld geschaut - obwohl die Kosten großteils von den Krankenkassen getragen würden, sagte Cornelia Weck-Stephan, Sprecherin der Malteser, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Folgen wären nach Ansicht des Hilfsdienstes dramatisch. "20 Mitarbeiter, die bisher bei Bedarf auch in ihrer Freizeit weitere Rettungsdienstwagen besetzt haben, verlieren ihren Arbeitsplatz", klagte die Malteser-Sprecherin. Und zudem falle so "eine der tragenden Säulen der Notfallrettung und des Katastrophenschutzes" weg, so Weck-Stephan,

Tatsächlich sind die Malteser zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) sowie der Feuerwehr schon seit vielen Jahren für Rettungsaufgaben zuständig - wobei das DRK, dessen Aufgaben ebenfalls neu ausgeschrieben wurden, von einem Anbieterwechsel nicht betroffen sein soll.

Im Rathaus selbst gab man sich gestern Abend unter Verweis auf die nichtöffentliche Ausschusssitzung zugeknöpft. Allerdings wies die Stadt die Darstellung der Malteser mit Nachdruck zurück. Man habe in der zurückliegenden Zeit noch einmal nachverhandelt, hieß es vonseiten der Verwaltung. Dennoch sei das Angebot des Konkurrenten bis zuletzt besser gewesen. "Die Malteser haben hoch gepokert", sagte eine Rathaus-Sprecherin, die zudem darauf verwies, dass die Stadt sich mit ihren Ausschreibungen des Rettungsdienstes gemäß der Regelung in NRW ausschließlich an nicht private Anbieter richte.

Die Malteser selbst blieben hingegen bei den Vorwürfen. Die andere Firma sei ein "Billiganbieter", gegen den man trotz finanzieller Konzessionen keine Chance gehabt habe, erklärte der Hilfsdienst. Die Malteser prophezeiten auch Folgen für den Katastrophenschutz. "Eine Katastrophenschutz-Einheit, die ohne festangestellte Mitarbeiter nicht aufrecht zu erhalten ist, bricht weg", sagte Sprecherin Weck-Stephan. Und dies werde dann in der Stadt bei vielen Veranstaltungen demnächst ganz direkt spürbar werden. Denn schließlich seien die Malteser bei Festen wie dem Dürpelfest bislang stets im Einsatz gewesen.

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Quelle: RP
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