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Solingen
Neues Proberaumhaus wird bald bunt

Solingen: Neues Proberaumhaus wird bald bunt
FOTO: Kempner Martin
Solingen. An der Konrad-Adenauer-Straße entsteht ein Kulturzentrum. Dank vieler Jugendlicher nimmt das "Monkeys" Gestalt an. Von Verena Kensbock und Martin Kempner (Fotos)

Das alte Proberaumhaus ist zurzeit eine große Baustelle. Durch die staubigen Scheiben des Gebäudes an der Konrad-Adenauer-Straße sieht man: Alle Wände und Böden in dem großen Ladenlokal sind rausgerissen, Rohre ragen aus dem Boden, Kabel hängen aus den Wänden. Im kommenden Jahr soll hier auf fünf Etagen ein neues Kulturzentrum für Jugendliche entstehen - das "Monkeys".

Blick in eine der fünf Etagen, auf denen ein Gemeinschaftsraum mit Café, ein Raum mit Bühne und Tanzboden für Konzerte und Tanzstunden entstehen. Handwerker ziehen derzeit Zwischenwände ein. FOTO: Kempner Martin

Im August haben die Umbauarbeiten für das neue Proberaumhaus begonnen. Lisa Radtke steht in dem großen Eingang zwischen kahlen Wänden und reibt sich die Hände. "Auf den fünf Etagen entstehen ein Gemeinschaftsraum mit Café, ein Raum mit Bühne und Tanzboden für Konzerte und Tanzstunden", erklärt die Projektleiterin. Außerdem finden hier das Büro der Awo-Mitarbeiterinnen Lisa Radtke und Lilian Muscutt, ein Tonstudio und - natürlich - zwölf Proberäume für junge Bands aus Solingen Platz.

Für den Umbau und den Betrieb der kommenden drei Jahre stehen insgesamt rund eine Million Euro zur Verfügung. Das Geld kommt vom Land, zusätzlich erlässt der Hauseigentümer die Miete für ein Jahr. Das Geld wird allerdings nicht zum "Schönmachen" genutzt, wie Radtke sagt. Das übernimmt sie dann zusammen mit den Jugendlichen. "Wir werden gemeinsam die Wände gestalten, Möbel für das Café und eine Theke bauen."

Und auch sonst ist es dem Awo-Team wichtig, alle Entscheidungen den Jugendlichen zu überlassen. Den Namen haben die Jugendlichen in einem Wettbewerb bestimmt, gemeinsam wollen sie wieder die Wände mit Graffitis schmücken. Eine Klasse der Hauptschule Zentral entwirft die Hausregeln, an die sich die jungen Leute halten müssen. "Es gibt ganz viele Jugendliche, die sich von Anfang an hier engagiert haben", sagt Lisa Radtke. "Deshalb haben sie auch so eine enge Beziehung zu dem Haus - es ist, als würden sie ihr eigenes Baby großziehen." Einen aus der Gruppe nennen die beiden liebevoll ihren Mitarbeiter. "Er macht jeden Workshop mit, will alles ausprobieren und hilft auch uns ganz oft, neue Dinge zu lernen."

Theoretisch könnte das Awo-Team schon jetzt jeden der zwölf Proberäume mit Bands füllen - wöchentlich trudeln neue Anfragen ein. Besonders ist dabei das Mitmachprinzip. "Die Jugendlichen können sich ehrenamtlich engagieren und dadurch Punkte sammeln", sagt Radtke. "Sie können Thekenschichten übernehmen, Fotos machen, unsere Facebook-Seite betreuen - je mehr Punkte, desto günstiger der Proberaum." Wie hoch der Preis ohne Punkte sein wird, steht noch nicht fest. Das wird später gemeinsam entschieden.

2012 hatte das damalige Proberaumhaus dichtgemacht. Ein Wasserschaden hatte einen Großteil der Einrichtung zerstört und einige Räume mit Schimmel überzogen. Im August 2015 hatten Lisa Radtke und Lilian Muscutt die erste Etage provisorisch geöffnet und somit die ersten Kontakte zu Jugendlichen geknüpft. Mit Jam-Sessions, Workshops und Kunstausstellungen hat sich in den zwölf Monaten eine Gruppe von rund 100 Jugendlichen gefunden, die sich im Proberaumhaus engagiert.

Die Bauarbeiten sollen im April 2017 abgeschlossen sein. "Das sagt der Architekt - es ist allerdings eine Aussage mit ganz vielen Konjunktiven", meint Lilian Muscutt. Dann soll das "Monkeys" ein Treffpunkt für alle Jugendlichen sein - egal, welche Musikrichtung sie am liebsten hören. "Rockmusik spielt immer noch eine große Rolle, aber die Szene hat sich verändert", sagt Muscutt, die für Netzwerkarbeit zuständig ist. "Wir haben ganz viele DJs und Hip-Hopper dabei. Das Interesse an Musik und am Musikmachen ist immer noch so groß wie früher - aber ich glaube, die Toleranz gegenüber anderen Musikrichtungen ist sogar größer geworden."

Quelle: RP
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