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Solingen
Pokemon-Jäger belagern Botanischen Garten

Solingen: Pokemon-Jäger belagern Botanischen Garten
Die Pokemon-Welle hat den Botanischen Garten erreicht. Scharen von jungen Leuten bevölkern den Park. Doch wer sich nicht an Regeln hält und zum Beispiel auf das Dach des Tropenhauses steigt, muss mit Konsequenzen rechnen. FOTO: Kempner
Solingen. Hunderte Jugendliche haben den Park als Gebiet zum Fangen der virtuellen Monster entdeckt. Da es nachts aber schon gefährliche Situationen gab, ziehen die Verantwortlichen nun die Zügel an. Von Martin Oberpriller

Sie tauchen oftmals in den Nachmittagsstunden auf - und sie kommen in Massen. Das Pokemon-Fieber hat jetzt auch den Botanischen Garten in Gräfrath erreicht. Zurzeit bevölkern an einigen Tagen bis zu 100 zumeist jugendliche Pokemon-Fans gleichzeitig den größten Solinger Park und gehen mit ihren Smartphones bis tief in die Nacht auf Jagd nach den kleinen virtuellen Monstern.

Eine Entwicklung, die den Verantwortlichen des Botanischen Gartens zunehmend Sorgen bereitet. Denn die vielen neuen Besucher sorgen nicht allein dafür, dass einige der ansonsten so akkurat gepflegten Pflanzenbeete inzwischen reichlich ramponiert aussehen. Darüber hinaus gab es auch schon manch gefährliche Situation. Beispielsweise balancierten junge Pokemon-Jäger nach Einbruch der Dunkelheit bereits über das Glasdach des Tropenhauses, so dass sich der Vorstand der Stiftung Botanischer Garten nun dazu entschlossen hat, die sprichwörtliche Notbremse zu ziehen.

"Jeder, den wir außerhalb unserer Öffnungszeiten im Botanischen Garten antreffen, wird von uns angezeigt", sagte in dieser Woche der stellvertretende Stiftungs-Vorsitzende Matthias Nitsche auf Anfrage unserer Redaktion. Denn in der ausgedehnten Parkanlage im Norden der Stadt geht die Angst um, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein könnte, ehe es zu einem schlimmeren Unfall kommt.

"Immerhin besteht die Gefahr, dass einer der Pokemon-Jäger auf dem Glasdach des Tropenhauses einbricht", betonte Matthias Nitsche, der sich gar nicht ausmalen will, welch fatale Folgen ein solches Unglück haben könnte. Schließlich, so der Vize-Chef der Stiftung, gehe es von der Dachkonstruktion rund acht Meter in die Tiefe, was fast zwangsläufig schwere Verletzungen nach sich ziehe.

Dabei geht es den Machern des Parks aber keineswegs darum, die Jugendlichen aus ihrem neu entdeckten "Pokemon-Garten Eden" zu vertreiben. Im Gegenteil: Die Mitglieder des Stiftungs-Vorstandes freuen sich über die ungewohnten Besucher, besteht doch nach Einschätzung von Matthias Nitsche so die Möglichkeit, junge Leute dauerhaft für den Botanischen Garten zu begeistern.

Zumal man im Park Wert auf die Festestellung legt, wonach sich die überwältigende Mehrheit der Pokemon-Jäger an die im Botanischen Garten geltenden Regeln hält. "Mit 98 Prozent der Jugendlichen haben wir überhaupt keine Schwierigkeiten", hob Nitsche in diesem Zusammenhang jetzt noch einmal die Disziplin der Monster-Fans hervor. Und zudem betonte er, der Park profitiere von den neuen Gästen. Matthias Nitsche: "Beispielsweise war der Umsatz an unserem Kiosk an den vergangenen Wochenenden sehr hoch".

Doch gleichzeitig, so der stellvertretende Stiftungs-Vorsitzende, bliebe eben - wie in anderen Lebensbereichen auch - eine Minderheit von Pokemon-Fans, die sich uneinsichtig zeige und daneben benehme. So sammelten die Garten-Mitarbeiter zuletzt immer wieder wahre Unmengen an leeren Flaschen rund um die im Park aufgestellten Mülleimer auf, wobei vor allem die Gegend an der Lesehalle betroffen war.

Der Grund: Zwischen Lesehalle sowie Voliere befindet sich ein sogenannter Pokemon-Hotspot, an dem die Chancen besonders gut stehen, viele der kleinen Computer-Monster zu erwischen. Und auch der Ausgang in Richtung Frankfurter Damm gehört laut Matthias Nitsche zu den beliebten Pokemon-Jagdgründen.

Um weiteren Ärger in Zukunft tunlichst zu vermeiden, sind die Streifen, die nachts teilweise mit Hunden durch den Botanischen Garten laufen, nun angehalten, den verspäteten Pokemon-Jägern auf Abwegen ihre Grenzen aufzuzeigen. Denn solche übertreten die Jugendlichen tatsächlich, ist der Park außerhalb der Öffnungszeiten doch abgeschlossen, so dass die Pokemon-Fans über einen Zaun klettern müssen, um auf das Areal zu gelangen.

Gleichwohl wollen die Verantwortlichen des Botanischen Gartens ihre neue Marschrichtung in Sachen Pokemon nicht als Rote Karte für die Jugendlichen verstanden wissen. "Wer die Regeln, die bei uns gelten, befolgt, ist weiterhin herzlich willkommen", stellte Matthias Nitsche klar. Und auch über die Öffnungszeiten könne man reden. Nitsche: "Eigentlich ist bei uns in den Sommermonaten abends um 20 Uhr Feierabend. Aber auf eine halbe Stunde mehr kommt es uns nicht an".

Quelle: RP
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