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Solingen
Politik hat viele Fragen zum Rathaus-Anbau

Solingen: Politik hat viele Fragen zum Rathaus-Anbau
Die neue Kindertagesstätte der Stadt, die ebenfalls am Rathaus entsteht, strebt ihrer Fertigstellung entgegen. Plan ist es, die Bauarbeiten bis Ende des Jahres erledigt zu haben. Im Anschluss soll bis 2021 auf Teilen des noch verbliebenen Parkplatzes Potsdamer Straße der neue Rathausanbau verwirklicht werden. FOTO: Kempner
Solingen. Die Stadt will in einem Neubau 120 moderne Arbeitsplätze schaffen. Teile der Politik fühlen sich allerdings vom Tempo der Verwaltung überrumpelt. Von Martin Oberpriller

Es ist eines der größten städtebaulichen Vorhaben der vergangenen Jahre. Denn geht es nach der Solinger Stadtspitze, soll bis zum Jahr 2021 am Rathaus in Mitte für rund 8,8 Millionen Euro ein weiterer Anbau hochgezogen werden, in dem später bis zu 185 Menschen arbeiten können. Doch wenn sich am kommenden Montag die Mitglieder des Planungsausschusses - nur ein paar Meter vom vorgesehenen Neubau - im Theater und Konzerthaus zu ihrer nächsten Sitzung treffen, dürften sie die entsprechende Vorlage in ihren Unterlagen vergeblich suchen.

Ein Umstand, den Teile der Politik in der Klingenstadt indes nicht einfach unwidersprochen hinnehmen werden. So kündigte der Ausschuss-Vorsitzende Bernd Krebs (CDU) gestern an, das Thema auf jeden Fall auf die Tagesordnung setzen zu wollen - und formulierte im Gespräch mit unserer Redaktion gleich noch eine Reihe von Fragen, die seiner Ansicht nach dringend der Klärung bedürfen.

"So muss die Stadtverwaltung Auskunft darüber geben, warum bei einer solch großen Baumaßnahme nicht auch ein Ratsaal miteingeplant wurde", sagte Krebs, der prinzipiell eine umfassende Vorgehensweise anmahnte. Beispielsweise genüge es im Zuge der angestrebten Zwei-Standort-Lösung der Stadt nicht, einfach nur einen Erweiterungsbau an das Rathaus in Mitte zu setzen.

Vielmehr müsse auch die bauliche Situation am zweiten verbleibenden Standort, in der Ohligser Verwaltungs-Dependance an der Bonner Straße, hinterfragt werden. Und zudem sei bis heute unbeantwortet, inwieweit sich die Clemens-Galerien als Sitz von Stadtdiensten eignen würden, monierte Bernd Krebs, der überdies die "sehr kurzfristige Informationspolitik" der Verwaltungsspitze in Sachen Neubau kritisierte.

Tatsächlich hatte das Rathaus Öffentlichkeit sowie Politik erst am Mittwochnachmittag über die detaillierten Pläne in Kenntnis gesetzt, so dass die Fraktionen am gleichen Abend bei ihren turnusmäßigen Sitzungen keine Zeit mehr hatten, das Thema zu behandeln, über welches im Rat am 30. November abgestimmt werden soll.

Die Stadt verteidigt hingegen die Entscheidung für einen Neubau. "Ziel ist es, uns für neue Formen der Arbeitsorganisation fit zu machen und zu sparen", erläuterte Stadtkämmerer Ralf Weeke. Dies sei jedoch in den Clemens-Galerien kaum möglich. Denn in dem Center stünden allein schon die baulichen Gegebenheiten der Einrichtung moderner sogenannter Co-Working-Spaces im Wege, sagte der Kämmerer. So sei es etwa in den Galerien ausgeschlossen, die Umbauten dergestalt durchzuführen, dass alle Arbeitsplätze später genug Tageslicht bekämen.

Vorbild für die Stadt sind vielmehr neue Großraumbüros in der Verwaltung der Partnerstadt Gouda. Dort sind die Verantwortlichen bereits dazu übergegangen, mehr Telearbeitsplätze einzurichten. Sinn dessen ist es, den Beschäftigten verstärkt die Chance zur Arbeit von zuhause aus einzuräumen. Dies bedeutet, dass die Bediensteten seltener an ihrem Arbeitsplatz im Büro sitzen.

Die Flächen der Co-Working-Spaces sind so konzipiert, dass die Arbeitsplätze in gewisser Weise wechseln. Zusätzlich bestehen Bereiche als Rückzugsräume und für Besprechungen. Im Solinger Neubau sollen die 185 Mitarbeiter später 120 Arbeitsplätze vorfinden. Die Stadt rechnet mit Einsparungen von 500.000 Euro im Vergleich zu heute.

Quelle: RP
 
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