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Solingen
Schule kommt ohne Pausengong aus

Solingen. Seit dem Ende der Osterferien April müssen die Schüler an der Kanalstraße in Höhscheid selbst auf den Wiederbeginn des Unterrichts achten. Funkuhren auf dem gesamten Schulgelände sollen die Orientierung erleichtern. Von Alexander Riedel

Vielen ehemaligen Schülern klingelt dieser typische Leitspruch manch eines Pädagogen noch heute in den Ohren: "Nicht der Gong beendet den Unterricht, sondern der Lehrer." An der Gesamtschule Höhscheid ist man mit dieser Regel jetzt ausgesprochen konsequent umgegangen - und hat nach den Osterferien den Schulgong einfach abgeschafft. "Die Anregung kam von Lehrern, die an ihrer früheren Schule damit bereits gute Erfahrungen gemacht hatten", sagt Schulleiter Dirk Braun kurz vor dem Beginn der großen Pause.

Nach Gesprächen in Arbeitsgruppen gaben Schulverein und Schulkonferenz schließlich grünes Licht, und seit März bleibt es zwischen den Unterrichtsstunden still auf dem Gelände an der Kanalstraße. Doch führt das nicht dazu, dass die Lehrer ihre essenden, klönenden und tobenden Schützlinge am Ende der Pause einzeln einsammeln müssen? "Nein", stellt Dirk Braun klar, "das funktioniert".

Die Mitglieder einer Klasse kommen derweil zur ersten großen Pause auf den Hof - etwa eine Minute vor dem offiziellen Ende der Stunde, weil sie den heutigen Unterrichtsstoff einen Tick schneller als geplant durchgearbeitet haben. "Es kann sein, dass man den Unterricht etwas früher beendet, wenn man fertig ist, oder auch noch eine Minute dranhängt, ohne dass direkt alle Schüler aufspringen", beschreibt der Schulleiter die Vorzüge der ruhenden Tonanlage. "Der Unterricht dauert eher mal ein bisschen länger", sagt ein Schüler und lächelt verschmitzt. In jeder Klasse stellten die Lehrer ihren Schülern vor einigen Wochen die Neuerung vor: "Sie haben uns erklärt, dass der Gong den Unterricht manchmal stört", sagt der Fünftklässler Burak (10). "Die Kinder und Jugendlichen lernen, in Eigenverantwortung auf das Ende der Pause zu achten", lobt Braun. Zur besseren Orientierung schaffte die Gesamtschule rund 20 analoge Funkuhren an. Die bringen auch einen Lerneffekt mit sich, wie Samet (11) verdeutlicht: "Viele Schüler sind an Digitaluhren gewöhnt und müssen erst noch lernen, die Uhr mit Zeiger zu lesen." Somit könne die Maßnahme sogar noch eine Grundkompetenz bei den Jugendlichen fördern, ergänzt der Schulleiter. Vielleicht müssten die Uhren noch ein bisschen größer sein, um jedem aufzufallen, regt Samet an.

Bald darauf ist die große Pause vorbei - und tatsächlich leert sich der Schulhof binnen kurzer Zeit ohne jegliches schrilles Signal. Meist werde schließlich doch irgendwann ein Lehrer darauf angesprochen, wann der Unterricht weitergehe, verrät Torben (ebenfalls 11) das Geheimnis. Und über fehlende Disziplin kann sich der Lehrkörper nun wirklich nicht beklagen. "Wenn sich die ersten Schüler aufstellen, um gemeinsam in die Klassenräume zurückzugehen", sagt Torben weiter, "schließen sich die anderen sehr schnell an."

Für eine Rückkehr zum klassischen Gong spricht also derzeit nicht viel. Zumal Schulleiter Dirk Braun betont: "Ich habe das Gefühl, dass seitdem vieles einfach ruhiger und entspannter ist."

Quelle: RP
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