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Solingen
Schwarz auf Weiß auf Leinwand: Irische Landschaften

Solingen: Schwarz auf Weiß auf Leinwand: Irische Landschaften
Daniela Baumann stellt in der Galerie der Solinger Künstler aus. FOTO: Schneider- Mombaur
Solingen. Die Künstlerin Daniela Baumann zeigt unter dem Titel "Landscapes" ausdrucksstarke Landschaftsbilder in der Galerie SK. Von Güdny Schneider-Mombaur

Drei eher unscheinbare, angerostete Wäscheklammern, aufrecht in je einem eigenen Gehäuse platziert, mit dem klingenden Titel "Listening Wind", bilden den Einstieg in Daniela Baumanns Werkzyklus "Landscapes". Die Gegenstände stammen aus dem irischen Heinrich-Böll-Cottage auf Achill Island, wo die Solingerin 2014 als Gastkünstlerin, als Artist-in-Residence gearbeitet hat. Hier hat sie in der rauen Landschaft des irischen Atolls, in der besonderen Atmosphäre auch des legendären Schauplatzes, dem Entstehungsort von Bölls "Irischem Tagebuch", einen neuen Blick für die Landschaft entwickelt und die Grundlage erweitert für ihre neue Werkreihe.

Fasziniert von der Unmittelbarkeit der Naturgewalt, dem abrupten Wechsel des Wetters, von Nebel, Sonne, Wind, entstanden vor Ort analoge und digitale Fotografien sowie Zeichnungen. Landschaftsstrukturen, die sie mit der Kamera festgehalten hatte, sind als Fragmente in verschiedenen in der Galerie SK gezeigten Arbeiten wieder erkennbar oder erahnbar. Die Landschaften, besonders deutlich in den großformatigen Arbeiten, werden nicht topografisch genau festgehalten, sondern teilen eher impulsiv Erinnerungen und Naturphänomene mit. "Manchmal hat es wie aus Kübeln geregnet", erzählt die Malerin und weist auf heftig gesetzte schwarze Farbspuren hin, die über ein Bild spritzen und in langen Bahnen über die Leinwand fließen.

Um diese Intensität zu erlangen, braucht Baumann keine Farbe. Die zahlreichen Nuancen von Schwarz auf einer weißen ungrundierten Leinwand sind ausdrucksstark genug. Es geht ihr nicht um Abbilder, sondern um Bilder, die sich dem Betrachter unmittelbar einprägen. Schwarze Tusche, aber auch schwarze Linoldruckfarbe und schwarze Aquarellfarbe sind vorrangige Materialien der Künstlerin. "Das Schwarz erinnert an den irischen Torf. Fast jedes kleine Dorf führt dubh oder duff - das heißt schwarz - im Namen," erläutert Baumann.

Sie malt auf Leinwand, auf Papier oder kombiniert Malerei mit weiteren Techniken, mit Monotypie, Fotoradierung und Fotografie. Mixtmedia ist für Daniela Baumann, die in ihrem Studium in Würzburg in den 1980er Jahren zunächst den Schwerpunkt auf Fotografie legte, dann aber die Welt des Zeichnerisch-Malerischen für sich entdeckte, nichts Ungewöhnliches. Feinste Strukturen entstehen in einem Bild sowohl durch manuell gesetzte grafische Linienbündel als auch durch fotografisch gestützte Drucktechniken wie z.B. die Intagliotypie. Dieses Verfahren ermöglicht durch Belichtung einer fotoempfindlichen Platte Mehrfachdrucke eines Fotos im Tiefdruckverfahren. Im Werkzyklus "Landscapes" sind jedoch die so gestalteten Arbeiten ausschließlich Unikate. Es geht nicht um Vervielfältigung, sondern um Überlagerung und Verdichtung von Strukturen.

Die interessanten Arbeiten der Künstlerin, die von einer Velberter Galerie vertreten wird, sind schon auf verschiedenen Kunstmessen in Deutschland gezeigt worden. Umso schöner, dass die Bilder der Solingerin jetzt in der Galerie SK umfassend präsentiert werden.

Da in diesem Jahr der 100. Geburtstag von Heinrich Böll gefeiert wird, hält Daniela Baumann für die Finissage ihrer Ausstellung noch ein besonderes Highlight bereit: Die Schauspielerin Claudia Gahrke liest "Die schönsten Füße der Welt" aus dem "Irischen Tagebuch" von Heinrich Böll.

Die Ausstellung "Landscapes" von Daniela Baumann wird morgen um 16 Uhr in der Galerie SK, Alexander-Coppel-Str. 44 eröffnet. Die Schau ist bis zum 7. Januar zu sehen.

Quelle: RP
 
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