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Solingen
"Spurfix" überführt Lügner am Steuer

Solingen. Fast jede zweite Unfallflucht wird aufgeklärt. Mit modernen Verfahren kommt die Polizei auch Betrügern auf die Spur. Von Bernd Bussang

Der Angestellten eines Pflegedienstes war es offenbar mehr als peinlich, dass sie beim Rangieren auf einem Parkplatz ein Mauerstück übersehen und mit dem Kotflügel leicht touchiert hatte. Nur waren die Kratzer unübersehbar. Doch was würde ihr Arbeitgeber dazu sagen, zumal es nicht der erste Unfall mit dem Dienstfahrzeug war ? In ihrer Sorge tischte sie ihrem Chef eine glatte Lüge auf. Der Kratzer stamme vom Wagen eines unbekannten Fahrers, der ihr Auto angefahren haben muss. Ein klarer Fall von Unfallflucht. Der Arbeitgeber schickte seine Angestellte zur Polizei. Die schrieb eine Anzeige. Doch der Betrug flog auf. Nun könnten einige tausend Euro Strafe auf die Frau zukommen.

Dafür, dass solche Fälle nun immer häufiger aufgedeckt werden, sorgt eine zunehmend bessere technische Ausrüstung der Polizei. Sie ermöglicht es bei Fällen von Unfallflucht, Verursachern, aber auch Betrügern gezielter auf die Spur zu kommen. "Annähernd jede zweite Unfallflucht wird im Städtedreieck aufgeklärt", sagt Norbert Gerhards, der bei der Verkehrsdirektion im Wuppertaler Präsidium für solche Fälle zuständig ist. Bei Sachschäden liege die Aufklärungsquote mittlerweile bei rund 45 Prozent, bei Personenschäden sogar bei 70 Prozent.

Zeugenhinweise bleiben für die Ermittler weiterhin wichtig. Sind Ermittlungsansätze vorhanden, hilft ihnen vor allem die Technik weiter. Schon seit einigen Jahren hat jede Streifenwagenbesatzung bei der Unfallaufnahme sogenanntes Spurfix zur Hand. Das sind transparente Klebefolien, mit denen Unfallspuren vom Lack aufgenommen und auf einen Träger gebracht werden. Auf diese Weise transportieren sie kleinste Spuren wie Lack- oder Mauerreste, Riefen und sogenannte Plastikwürmchen, also Überbleibsel von verbranntem Kunststoff von Fahrzeugteilen und vieles mehr. "Das Spurenbild erzählt die Geschichte des Unfalls", berichtet Gerhards.

Seit Anfang 2014 verfügt das Wuppertaler Präsidium, das auch für Solingen zuständig ist, über ein Stereomikroskop mit HD-Kamera. Mit Hilfe des Geräts können die Ermittler das Spurenbild in 3D sehen und auswerten. Damit wachsen Gerhards Aussage zufolge nicht nur die Chancen, Unfallflüchtige zu überführen, sondern auch falsche Angaben von angeblich Geschädigten zu entlarven. Im Fall der Pflegedienstmitarbeiterin war sehr schnell klar, dass der Kratzer nicht von einem Auto, sondern von einer Mauer stammen musste, die die Polizisten auf dem Parkplatz auch schnell fanden und zuordnen konnten.

Die Motive der Betrüger können sehr unterschiedlich sein, weiß der Ermittler. Die Ehefrau, die ihrem Mann den selbst verschuldeten Unfall lieber verschwiegen möchte, gehört ebenso dazu wie der Fahrer eines Mietautos oder wie eben im Fall der Krankenpflegerin eines Firmenwagens. Von rund 5000 Unfallfluchten im Jahr im Städtedreieck seien rund 50 nachweislich vorgetäuscht.

Für die Frau vom Pflegedienst sind die finanziellen Folgen ihrer Lüge kaum zu überblicken. Neben den strafrechtlichen Folgen mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen Vortäuschens einer Straftat können Versicherungen Schadensregulierungen ganz oder teilweise ablehnen, wenn Fahrer wissentlich falsche Angaben machen. Hinzu können Gutachterkosten kommen. "Man sollte also bei der Wahrheit bleiben", sagt Gerhards. "Sonst kann es teuer werden."

Quelle: RP
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