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Ansichtssache
Stadt Wuppertal setzt ein Zeichen gegen Gewalt

Meinung | Solingen. Solingens Nachbarstadt reagiert auf die Aufhebung eines Urteils der Spruchkammer mit einer drastischen Maßnahme. Von Michael Tesch

Die Vorfälle am 28. Mai auf der Sportanlage von Jägerhaus-Linde hatten für überregionale Schlagzeilen gesorgt. Nach Abpfiff des Bezirksliga-Fußballspiels gegen die SG Vatanspor Solingen hatte es tumultartige Übergriffe auf das Schiedsrichter-Gespann und Ordner gegeben. Ein Vatanspor-Spieler hatte einem Betreuer mit einem Faustschlag schwerste Gesichtsverletzungen zugefügt. "Ich bin von hinten festgehalten worden, dann erhielt ich den Hieb", berichtete dieser.

Die Diagnose: Augenhöhlenbruch, Nasennebenhöhle zertrümmert, Jochbein und Kiefer gebrochen. Die Bezirks-Spruchkammer verhängte im Juni drastische Strafen: Der Schläger, der sich zu seiner Tat bekannte und auch Reue zeigte, erhielt eine Sperre "auf Dauer", wurde also praktisch lebenslang vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Ein zweiter Solinger Spieler, der zugab, den Schiedsrichter bedroht zu haben, wurde für sechs Monate gesperrt. Zudem erhielt Vatanspor - neben einer Geldstrafe - für die neue Saison und ligaunabhängig einen Abzug von sechs Punkten.

Im Oktober folgte dann die Überraschung. Vatanspor hatte Einspruch gegen das Urteil eingelegt - wegen eines Formfehlers. Der Fall wurde auf Verbandsebene neu verhandelt. Das Urteil: Kein Punktabzug für Vatanspor sowie Aufhebung der sechsmonatigen Sperre des Spielers, der den Unparteiischen bedroht hatte. Der Haupttäter war in der Zwischenzeit vom Verein abgemeldet worden.

Jägerhaus-Vorsitzender Jörg Blaschke empfand das neue Urteil "als Verharmlosung der Gewalt und Einladung zum Faustrecht auf unseren Sportstätten". Auf eine Berufung verzichtete der Verein aber, um seinen immer noch an den Folgen seiner Verletzungen leidende Betreuer nicht ein drittes Mal "die hässlichen Szenen der brutalen Gewalt-Eskalation von Zuschauern und Spielern" durchleben zu lassen.

Die Stadt Wuppertal mochte mit diesem Urteil nicht leben - und verhängte jetzt die härteste Sanktion, die sie aussprechen kann: Der Haupttäter der Schlägerei darf die Wuppertaler Platzanlagen bis Ende 2021 nicht mehr betreten. Für seinen Mitspieler gilt das Verbot bis Ende 2019. Mit dieser Strafe hat Wuppertal ein wirkliches und nachdrückliches Zeichen gegen Gewalt auf Sportplätzen gesetzt.

Quelle: RP
 
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