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Solingen
Szenen aus dem Bibliotheksalltag

Solingen: Szenen aus dem Bibliotheksalltag
"Die Bibliothek ist eine Einrichtung, in der ganz unterschiedliche Charaktere unterwegs sind und miteinander und nebeneinander leben", sagt Claudia Elsner-Overberg. FOTO: Kempner
Solingen. In "Büchertage" hat Claudia Elsner-Overberg rund 80 Anekdoten aus ihrem beruflichen Alltag zusammen getragen. Von Maxine Herder

Es sind fröhliche, berührende, manchmal verrückte kleine Geschichten, die Claudia Elsner-Overberg erzählt. Vom Kaninchen, das eines Tages durch die Bibliothek hoppelte. Von 43 Schneewittchen bei einer Theatervorführung in der Kinderbibliothek. Von der Bücherei als Singlebörse und der Begegnung mit Obdachlosen, die auf dem Asphalt davor übernachteten. Und von einer älteren Dame, die Claudia Elsner-Overberg, von 1998 bis 2012 Direktorin der Stadtbibliothek, die ausstehende Mahngebühr in Höhe von zwei Euro eines Abends kurzerhand an der Käsetheke im Supermarkt in die Hand drückte - und davon flitzte, ohne ihren Namen zu nennen, weil ihr die Schulden so peinlich waren. Jede einzelne dieser Anekdoten hat Claudia Elsner-Overberg erlebt und in einem Buch zusammengetragen: "Büchertage. Aus dem Leben einer Bibliotheksdirektorin" ist gerade erschienen.

Dabei hat die 59-Jährige die rund 80 Episoden, die zwischen 2006 und 2012 entstanden sind, zunächst in ihrem gleichnamigen Blog veröffentlicht. "Ich habe begonnen, die Geschichten aufzuschreiben, um sie nicht zu vergessen. Für viele Leser waren sie schon richtig Kult. Mit dem Ende der Beschäftigung in der Stadtbibliothek habe ich den Blog jedoch aufgehört, worüber sich insbesondere Bibliotheks-Kollegen aus ganz Deutschland beschwert haben", erzählt Elsner-Overberg. "So ist die Idee zu dem Buch entstanden." Auf rund 120 Seiten erlaubt es einen ganz besonderen Einblick in die Stadtbibliothek, der vor allem geprägt ist von dem warmen, sehr liebevollen Blick Elsner-Overbergs auf die kleinen und großen Menschen um sie herum - und auf ihren Beruf. "Die Bibliothek ist eine ganz lebendige Einrichtung, in der das Leben spielt, in der ganz unterschiedliche Charaktere mit ihren Eigenheiten unterwegs sind und miteinander und nebeneinander leben", sagt die Gräfratherin. Es sei ein demokratischer Ort, der für alle da sei, besonders für Kinder, der der Integration diene und für alle kritischen Fragen in der Gesellschaft Informationen liefere. Und auch den Flirt-Faktor, sagt Elsner-Overberg und schmunzelt, dürfe man nicht unterschätzen. "Da hat sich definitiv die eine oder andere Beziehung angebahnt. "

Für sie, sagt Elsner-Overberg, sei das Buch auch ein "freudiger Abschlusspunkt einer schönen Zeit in der Bibliothek." In jedem Fall ist es der logische Fortgang eines Lebens zwischen Büchern: In der ersten Klasse, erzählt die gebürtige Wipperfürtherin, habe sie ihr erstes Buch gelesen ("Die kleine Hexe"), später die kleine katholische Bibliothek im Ort komplett durchgelesen. Es folgten eine Ausbildung zur Buchhändlerin, Studium von Germanistik, Wirtschaftswissenschaften und Pädagogik und schließlich die fachwissenschaftliche Ausbildung zur Diplombibliothekarin.

"Lesen war in meinem Leben immer der Unterbau", sagt Elsner-Overberg - auch bei der Interkulturellen Leseförderung, die sie seit 2012 im Kommunalen Integrationszentrum verantwortet. "Das ist ein neues, großes Aktionsfeld, das mir sehr viel Freude macht." Und das in der Fortsetzung ihres Blogs - "Büchertage 2.0" - seinen Niederschlag findet.

"Allerdings habe ich mit Blick auf den Blog seit dem Umzug des Kommunalen Integrationszentrums aus dem Rathaus zur Friedrichstraße das Problem, dass hier einfach nicht die Laufkundschaft ist. Aber da fällt mir schon etwas ein", verspricht sie.

Quelle: RP
 
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