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Serie 24 Stunden - 24 Menschen
Zwischen Zuwendung und Zeitmanagement

Serie 24 Stunden - 24 Menschen: Zwischen Zuwendung und Zeitmanagement
Daniel Sickmann wünscht sich manchmal mehr Zeit für die Bewohner. FOTO: Köhlen, Stephan (TEPH)
Solingen. Als Altenpfleger ist Daniel Sickmann seit zweieinhalb Jahren im Elisabeth-Roock-Haus beschäftigt. Im Spätdienst kümmert er sich mit einer Kollegin um 27 Bewohner in dem Höhscheider Altenheim. Von Maxine Herder

Daniel Sickmann klopft zwei Mal an die hölzerne Tür, dann tritt er ein. "Guten Abend, einmal die Tabletten", sagt er laut, während er die Pillen in kleinen grünen und gelben Plastikbechern auf dem Tisch abstellt. Es ist 17 Uhr und Daniel Sickmann, Altenpfleger im Höhscheider Elisabeth-Roock-Haus, hat gerade damit begonnen, den Bewohnern der Wohngruppe Berg ihre Medikamente - Tabletten, Insulinspritzen oder Augentropfen - zu bringen. Mit einem kleinen, grau-weißen Wagen fährt er von Zimmer zu Zimmer, auf einer Ablagefläche sind die Medikamente in den bunten Gläschen vorsortiert. Einmal pro Woche, erzählt der 29-Jährige, werden die Tabletten für alle 27 Bewohner der Gruppe für eine Woche gestellt. "Drei Stunden braucht man dafür", erzählt Sickmann. Drei Stunden hoch konzentriertes Arbeiten.

Die Medikamentenrunde um 17 Uhr indes ist tägliche Routine in der Wohngruppe - und doch immer anders: "N'Abend Chef", grüßt Sickmann einen Bewohner und unterhält sich kurz mit dem Mann, bevor er im nächsten Zimmer einer alten Dame den Blutdruck misst. 140 zu 65, "ist was niedrig", sagt die Frau selbst. "Ist aber noch in Ordnung", beruhigt Daniel Sickmann. Dann schiebt er seinen Wagen weiter über den langen Flur, vorbei an den großformatigen Fotografien Solinger Motive, von den Clemens-Galerien, dem Gräfrather Marktplatz oder der Walder Kirche, die die Wände schmücken. Aus einem Aufenthaltsraum gleich neben dem Stationszimmer ist Gesang zu hören, eine Mitarbeiterin des Sozialen Dienstes sitzt mit einer Gruppe von Bewohnerinnen zusammen, manche von ihnen im Rollstuhl, andere in Sesseln, und singt mit ihnen.

Daniel Sickmann ist die ganze Zeit in Bewegung: Vorsichtig begleitet er eine Dame, die langsam einen Rollator vor sich her schiebt, in den Gastrobereich, um gleich im Anschluss eine andere Dame im Rollstuhl ins Stationszimmer zu bringen. Sie bestimmt den Finger, an dem er den Blutzucker misst, erschrocken hebt sie die Augenbrauen, als der Altenpfleger ihr auf dem Messgerät ihren Wert zeigt. "Das ist aber viel", sagt sie. Während Sickmann die alte Dame zurück an ihren Platz bringt, macht er ihr noch ein Kompliment für ihr neues blaues Oberteil mit den weißen Streifen. Daniel Sickmann ist in Eile, aber er wirkt nicht gehetzt. Er hat viel zu tun, zugleich aber immer auch ein nettes Wort für die Bewohner. "Die Arbeit mit den Menschen ist das, was mir an meinem Beruf gefällt", sagt der Höhscheider, während er sich auf den Schreibtischstuhl setzt und am Computer die Unterlagen einer Bewohnerin aufruft, um die notwendige Dokumentation zu erledigen. "Zugleich hat man auf der einen Seite viele feste Abläufe, aber auch regelmäßige Abwechslung. Auch das finde ich gut." Der 29-Jährige hat bereits seinen Zivildienst und seine Ausbildung im Elisabeth-Roock-Haus gemacht, seit zweieinhalb Jahren ist er dort als Altenpfleger beschäftigt. Die Zeit am Computer, sagt er, steige aufgrund der Gesetzgebung und neuer Expertenstandards immer weiter an. "Dadurch geht sehr viel Zeit mit den Bewohnern verloren", bedauert Daniel Sickmann. Früher, ergänzt Wohngruppenleiterin Birgit Berger, mit der sich Daniel Sickmann noch bis 21.30 Uhr, Ende des Spätdienstes, um die Bewohner kümmern wird, habe man sehr viel Zeit für die Menschen gehabt. "Doch heute wird es immer mehr Dokumentation. Wir versuchen jedoch immer wieder, Zeit für die Bewohner rauszuziehen."

Dann müssen Birgit Berger und Daniel Sickmann weiter: Es ist fast 18 Uhr, im Gastrobereich ist bereits der Tisch für das Abendessen gedeckt. Wie alle Mahlzeiten des Tages wird es von allen Bewohnern gemeinsam eingenommen. Daniel Sickmann und Birgit Berger kümmern sich indes um die sechs bettlägerigen Bewohner der Station: Sie reichen Essen und Trinken an - und nehmen sich einen Moment Zeit, sich einfach mal dazu zu setzen.

Quelle: RP
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