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Tönisvorst
Wer Mist gebaut hat, weiß, was Schuld ist

Tönisvorst: Wer Mist gebaut hat, weiß, was Schuld ist
Im Beachcafé der Christuskirche St. Tönis (v.li.): Lars, Max, Markus, Volkmar Büscher, Lucie und Lana. FOTO: KAISER
Tönisvorst. Wie präsent sind Schuld und Vergebung im Alltag? Wie lernen Kinder, Schuld einzugestehen und Anderen zu vergeben? Von Stephanie Wickerath

Jede Grundschullehrerin hat ihn schon etliche Male gehört, den Satz: "Der ist schuld." Aber so schnell Kinder Anderen Schuld zuschieben, so schnell sind sie auch bereit, zu vergeben und zu vergessen, besonders, wenn der Andere sich entschuldigt. Wie lernen Kinder mit Schuld und Vergebung - den beiden großen Osterthemen - umzugehen?

"Vergebung ist im Alltag von Grundschulkindern kein Begriff, der häufig verwendet wird", sagt Sabrina Broll, Leiterin der katholischen Grundschule St. Tönis. Dennoch sei es natürlich wichtig, dass Kinder lernen, sich zu entschuldigen und Anderen zu verzeihen. Voraussetzung dafür sei, die eigenen Gefühle und die der Anderen wahrzunehmen. "Was mag ich und was nicht?', ist zum Beispiel eine Frage, über die wir mit den Erstklässlern sprechen", sagt die Schulleiterin. In der höheren Klassen gehe es dann schon um einen reflektierten Umgang miteinander. "Warum ist der Andere sauer auf mich?", sei hier die Fragestellung.

Auch im Religionsunterricht wird die Thematik behandelt, wie Lehrerin Claudia Heitmann weiß. "Wir sprechen über das Schuldbekenntnis und halten die Kinder dazu an, darüber nachzudenken, wann sie sich nicht so verhalten haben, wie es Jesu entspricht." Sätze wie: "Nicht immer habe ich erkannt, wenn Andere meine Hilfe brauchten" oder "Nicht immer teile ich gerne" werden dann im Schulgottesdienst vorgetragen. Dabei gehe es nicht um eine individuelle, sondern um eine Art ritualisierte Schuld. "Mit biblischen Geschichten, die wir auf den Alltag der Kinder beziehen, zeigen wir: Gott gibt den Menschen immer wieder eine neue Chance, wenn sie ihre Fehler einsehen und bereit sind, etwas zu ändern", erklärt die 46-Jährige. Auch das Vaterunser, in dem es heißt "vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern" werde für die Kinder übersetzt und im Alltag greifbar gemacht.

Von den Jugendlichen, die sich in der Kinder- und Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinde in St. Tönis engagieren, haben einige die katholische Grundschule besucht. Danach gefragt, welche Rolle die Begriffe "Schuld und Vergebung" heute noch in ihrem Leben spielen, sind sich alle einig: "Es ist ein aktuelles und wichtige Thema, aber weder in der Schule noch im Alltag reden wir darüber", sagt Max, 17 Jahre. Und Markus (16) sagt: "Was Schuld heißt, weiß man vermutlich erst, wenn man mal richtig Mist gebaut hat."

Lana erinnert sich an eine Geschichte zum Thema Vergebung: "Eine Freundin von mir hat mal was mit einem Jungen angefangen, den ich toll fand", erzählt die 19-Jährige. Zunächst sei sie ziemlich sauer und verletzt gewesen, aber die Freundin habe sich entschuldigt und mit der Zeit habe sie ihr verzeihen können. Einig sind sich die Jugendlichen, dass es immer leichter sei, anderen die Schuld zuzuschieben, als über sein eigenes Verhalten nachzudenken, wie Lucie (15) anmerkt. "Ich finde, es ist ein Zeichen von Stärke, wenn man zugeben kann, dass man einen Fehler gemacht hat", sagt Lana.

Und Diakon Volkmar Büscher sagt: "Hinter dem Thema 'Schuld und Vergebung' steckt auch das Thema Ehrlichkeit."

Quelle: RP
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