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Serie Vor 200 Jahren
1816 schlug die Geburtsstunde des Kreises

Viersen. Der Kreis Viersen ist die Fortsetzung des Kreises Kempen. Der wurde am 20. April 1816 gegründet. Kreissitz war Kempen Von Prof. Dr. Leo Peters

Kempen/kreis Viersen Im vergangenen Jahr feierte der Kreis Viersen sein 40-jähriges Bestehen - zu Recht. Als historisch bedeutsamer kann man freilich die Tatsache einstufen, dass sein Vor-Vorgänger, der königlich-preußische Kreis Kempen, vor genau 200 Jahren gegründet wurde.

Mit der Übernahme der Herrschaft über das Rheinland durch Preußen im Jahre 1814/15 begann man in Berlin auch mit Überlegungen und Maßnahmen, diesem wichtigen, und gegenüber den östlichen preußischen Stammlanden fortgeschritteneren Gebiet eine moderne und effiziente Verwaltung zu geben.

Den Rahmen hierfür gab die am 30. April 1815 erlassene, für das gesamte Königreich gedachte "Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden" vor. Demnach sollte Preußen in zehn Provinzen untergliedert werden, an deren Spitze ein Oberpräsident stand.

Ihm nachgeordnet war der Regierungspräsident, der Chef eines Regierungsbezirkes. Diesem wiederum unterstanden an der Spitze der Kreise die Landräte.

Die Geburtsstunde des "Kempischen Kreises" schlug am 20. April 1816. Durch königliche Verfügung wurden an diesem Tag in dem (nur kurzlebigen) Regierungsbezirk Kleve sechs Kreise gebildet.

Der Gebietszuschnitt des Kreises Kempen orientierte sich an den ehemaligen französischen Kantonen Bracht und Kempen (ausschließlich Aldekerk). Hinzugenommen wurden Grefrath und Lobberich (vorher Kanton Wankum), um diese "beyden sonsten getrennten Cantone" zu verbinden.

Im Nordwesten wirtschaftlich im Einzugsbereich des, wie es Regierungspräsident von Erdmannsdorff formulierte, "wohlhabenden Fabriquen-Orts Crefeld", im Westen von der Staatsgrenze, im Süden von Gebieten ohne markante Entwicklungsperspektiven und im Südosten vom wirtschaftlich aufblühenden Viersen flankiert, hatte der neue Kreis keinen Ort, der von vornherein als konkurrenzloser Kreissitz in Betracht kam. Aber die alte kurkölnische Amtsstadt Kempen, zudem vor Dülken die einwohnerstärkste Stadt, bekam den Zuschlag. Und dies aus durchaus praktischen Gründen: "Die Stadt Kempen ist zwar nicht in der Mitte des projektierten landräthlichen Kempenschen Kreises belegen; allein diese Stadt bietet die erforderlichen öffentlichen Localien zur Unterbringung der landräthlichen Bureaus so wie der Kreis-Casse dar, was nach eingezogener örtlicher Erkundigung in den übrigen Städten nicht der Fall seyn würde".

In Dülken mag die Entscheidung für Kempen Enttäuschung hervorgerufen haben. Hier haderte man immer noch mit den Jahrzehnten einer unglücklichen französischen Kantonsorganisation. In einer Denkschrift hielten die Dülkener 1815 fest: "Das Dorf Bracht verdankt dem französischen Unsinn die Ehre, unserem Canton seinen Nahmen vorgesetzt und das Predicat eines Hauptorts erhalten zu haben. Und muss nicht bishiehin noch die Stadt Gladbach das elende Dorf Neersen als Hauptort anerkennen".

Nicht nur der erste Kempener Landrat Peter Hubert von Monschaw (gesprochen Monschau) erkannte rasch, dass das neue Verwaltungsgebilde noch verbesserungsfähig war. In der Folgezeit kam es zu verschiedenen Änderungen seines Umfanges. Süchteln mit 4006 Einwohnern wurde zum 1. Januar 1819 aus dem Kreis Krefeld herausgelöst und dem Kreis Kempen zugeschlagen. Außerdem wurde die Bauernschaft Kehn von Neersen in die Gemeinde Vorst und damit in den Kreis Kempen eingegliedert.

Zum 1816 ebenfalls gegründeten Kreis Krefeld zählten Willich und Neersen, die davor im Kanton Neersen lagen. Neersen und Anrath kamen 1819 an den Kreis Gladbach. Diesen Kreis bildeten 14 Gemeinden, darunter Viersen und Schiefbahn. Hinsbeck und Leuth gehörten zum Kreis Geldern, Elmpt und Niederkrüchten zum Kreis Erkelenz.

Von Tegelen an der Maas, das 1817 im Zuge von Grenzregulierungen zwischen den Niederlanden und Preußen niederländisch wurde, gehörten dem Kreis Kempen in seiner Geburtsstunde vor 200 Jahren folgende Gemeinden an: Dülken, Amern St. Anton, Amern St. Georg, Boisheim, Burgwaldniel, Bracht, Breyell, Brüggen, Kaldenkirchen, Kirspelwaldniel, Kempen, Hüls, Oedt, St. Tönis, St. Hubert, Tönisberg, Vorst, Lobberich und Grefrath - zusammen waren das 41.424 Einwohner.

Und in vielen Bereichen der öffentlichen Daseinsvor- und der -fürsorge stellten sich erkennbare Fortschritte ein. Namentlich die Wirtschafts- und Verkehrsförderung sowie die Verbesserung des Schulwesens sind deutliche Merkmale der ersten Jahrzehnte des Kreises Kempen.

Quelle: RP
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