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Viersen
Am "Feldschlösschen" wird jetzt gebaut

Viersen: Am "Feldschlösschen" wird jetzt gebaut
Zum 100-jährigen Bestehen des Feldschlösschens wurde 1927 eine Postkarte mit der Traditionsgaststätte als Motiv aufgelegt. Dort, wo sie an der Rahserstraße stand, befindet sich jetzt eine Baustelle. Rechts: Ein Blick in den Thekenbereich des "Feldschlösschens". FOTO: RP-Archiv (3)/Michael Ziegler
Viersen. Ein Ehepaar hat das gut 1000 Quadratmeter große Grundstück im Stadtteil Rahser für 1,6 Millionen Euro gekauft und die Gaststätte abreißen lassen. Jetzt plant es dort ein Wohnprojekt — Erinnerungen an die Traditionsgaststätte inklusive Von Sabine Janssen

Fast 200 Jahre lang war die Rahserstraße 129-131 eine gute Adresse für ein kühles Blondes, den Frühschoppen, den Stammtisch und die Kegelpartie. Doch seit gut einem Jahr ist die Gaststätte "Feldschlösschen" Geschichte. Das alte Gebäude wurde abgerissen. Jetzt wird gerade eine neue Bodenplatte gegossen. Auf dem Grundstück der Traditionsgaststätte entsteht ein Mehrfamilienhaus mit sechs barrierefreien, seniorengerechten Wohnungen. Die Eheleute Michael und Regina Ziegler aus Willich investieren auf dem gut 1000 Quadratmeter großen Grundstück rund 1,6 Millionen Euro. Im Mai 2018 soll das Haus fertig sein.

Mit ersten Widrigkeiten hatte der Investor bereits zu kämpfen: Zwei mal bereits wurden auf der Baustelle die Stromkabel gestohlen. Jetzt wird das Gelände videoüberwacht. "Wir haben im August die Baugenehmigung bekommen. Bis zum Winter wollen wir den Rohbau dicht haben, damit innen gearbeitet werden kann", sagt Michael Ziegler.

Zwei der sechs Wohnungen mit 90 bis 109 Quadratmetern Fläche will er verkaufen. Drei oder vier Wohnungen sollen vermietet werden. "Vielleicht ziehen wir in eine der Wohnungen selbst ein", sagt der gebürtige Düsseldorfer, der als Steuerberater selbstständig war und sich mit dem Mehrfamilienhaus eine zusätzliche Altersvorsorge schaffen möchte. Ein Aufzug, neun Garagen und eine Video-Gegensprechanlage gehören zur Ausstattung des Hauses. Die Erdgeschosswohnungen haben Terrasse und Garten, die Wohnungen im Ober- und Dachgeschoss haben Balkone. "Unser Makler-Büro hat gerade mit der Vermarktung begonnen", sagt Ziegler.

FOTO: Ziegler Michael

Das Andenken an das "Feldschlösschen" will Ziegler in Ehren halten. Im Treppenhaus des neuen Gebäudes möchte er alte Fotos, Urkunden und Zeitungsartikel über die Traditionskneipe aufhängen. Auch die erste Schankgenehmigung vom 28. Mai 1827 hat ihm die ehemalige Eigentümerin zur Verfügung gestellt. Einst nannte sich die Gaststätte "Zum König von Preußen". Den Namen hatte der preußisch-königliche Notar in Dülken, der die Schankgenehmigung ausstellte, zur Bedingung gemacht. Einen halben Taler musste Schenkwirt Johann Peter Pesch außerdem entrichten.

Die folgenden 189 Jahre blieb die Gaststätte im Familienbesitz und schrieb Heimatgeschichte: In den 1920er-Jahren baute Wirt Peter Vosseler einen Saal und eine Kegelbahn an. Mehr als 23 Kegelklubs schoben dort 1977 ihre Kugeln. Die Roahser Jonges gingen ein und aus. Der Tuspi Viersen feierte dort seine Jahresfest, das Fidele Kränzen hielt Sitzungen ab. Die Mitglieder des Kirchenchors St. Notburga und der Kolpingfamilie waren Stammgäste.

Quelle: RP
 
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