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Brüggen
Bracht wird zum weißen Kunstdorf

Brüggen. Bei Flammkuchen, Gegrilltem und kühlen Getränken genossen die Besucher am Wochenende das "White Dinner". Künstler stellten in Ladenlokalen aus. Von Ingrid Flocken

"So sind sie eben, die Brachter. Das dauert, bis die etwas Neues annehmen." Die alte Dame wollte Silke Beckstedde trösten, die etwas frustriert die langen, weiß gedeckten und mit weißen Ballons und Blumen geschmückten Tische betrachtete, denen zum "White Dinner" nur eines fehlte: Gäste. Doch die kamen später, am Abend waren viele Plätze in der Nähe der Buden besetzt, an denen es Wein, Mixgetränke, Flammkuchen oder gegrillten Schweinebauch gab. Manch einer war auch dem Aufruf gefolgt und hatte sich eigene Leckerbissen mitgebracht - wie es die Pariser schon lange vormachen. Auch die Gastronomen konnten nicht klagen: Bei ihnen waren die Bänke und Stühle gut besetzt.

Das Organisationsteam um Silke Beckstedde konnte erst spät mit dem Aufstellen der Tische und Bänke beginnen, denn am Vormittag regnete es auch in Bracht. Ein heftiger Wind fegte durch die Königstraße und ließ die Ballons lustig baumeln. Auch die vielen Künstler, die in diesem Jahr Bracht "kunstvoll" machten, indem sie in leer stehenden Läden ihre Werke ausstellten, waren zufrieden mit den interessierten Besuchern. Durch die Vorgeschichte bekannt fanden Roland Ehlens "Bunte Menschen" regen Zuspruch.

Im noch einmal für zwei Wochenenden von der Gemeinde frei gegebenen Haus neben dem Bürgermeisteramt freute sich Regina Thebud-Lassak, dass sie ihre nach der Natur gemalten Aquarelle in Bracht zeigen konnte. Dagegen musste sich Frank Nasarzewski bei seinen "Brachter Ansichten" fragen lassen: Hat er hier fotografiert oder gemalt? Oder beides? Auf jeden Fall toll.

Auch in anderen Läden wurde Kunsthandwerk neben Gemälden gezeigt, Anna Graba saß auf der Marktstraße und malte zum Erstaunen der Passanten einen weiblichen Akt. Innen zeigte sie fast ausschließlich Frauenporträts - alle irgendwie anrührend traurig, melancholisch. Dagegen saß Thomas Prell-Holthausen fröhlich vor dem Börholzer Määhwerk an einem Spinnrad: "Ich zwirne hier Fäden." Er musste dabei aufpassen, dass er seinem neben ihm sitzenden Hund nicht die langen Haare mit einspann.

Über allem lag zu jeder Zeit eine Melodienfülle, für die Marcel Kuipers am Flügel und Markus Moors mit der Gitarre sorgten. Sie spielten unermüdlich, von Oldies über Pop und Rock bis zum abschließenden "Halleluja" von Leonard Cohen, in das alle Gäste mit einstimmten.

Alle Künstler - die meisten waren zum ersten Mal dabei - bleiben auch zum nächsten Wochenende noch in Bracht, wenn vom 19. bis 21. Juni das Dohlenfest gefeiert wird.

Quelle: RP
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