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Niederkrüchten
Camper zieht es nach Niederkrüchten

Niederkrüchten: Camper zieht es nach Niederkrüchten
Familie Bolten aus Düsseldorf - hier Vater Rene, Mutter Bärbel und Tochter Luna-Marie beim Würfelspiel - kommen fast jedes Wochenende zum Campingplatz. "Wir haben gemerkt, dass uns das gut tut", sagt Mutter Bärbel. FOTO: Busch
Niederkrüchten. Die zehn Campingplätze in der Gemeinde ziehen viele Gäste an. Warum ist es zwischen Schwalm und Meinweg so schön? Ein Besuch auf dem Campingplatz Dilborner Mühle Von Jochen Smets

Luna-Marie ist schuld. Wegen ihrer Tochter sind Bärbel und Rene Bolten Camper geworden. Luna-Marie konnte kaum laufen, da nahmen Opa und Oma sie zum Camping mit. Und so verbrachte Luna-Marie die meisten Wochenenden ihrer Kindheit auf dem Campingplatz Dilborner Mühle, wo Bärbels Boltens Eltern ihren Wohnwagen hatten. Irgendwann waren dann auch Bärbel und Rene "infiziert": Immer öfter tauschten sie die Etagenwohnung in Düsseldorf gegen das zweirädrige Ferienhäuschen im Grünen.

"Wir haben gemerkt, dass uns das gut tut", sagt Bärbel Bolten. "Wir kommen hier raus, und der ganze Stadtstress fällt von uns ab. Als wenn man einen Schalter umlegt." In Düsseldorf-Unterrath bilden der Lärm des Flughafens, der Straßenbahn und der Autos die Geräuschkulisse. An der Dilborner Mühle zwitschern die Vögel.

Vor knapp fünf Jahren entschieden die Boltens, Dauercamper zu werden. An die 35 Quadratmeter Wohnfläche bietet das Refugium im Grünen. Am Waldrand steckt ab und an ein Reh den Kopf zwischen den Bäumen hindurch. Der Fischreiher, der in der nahen Schwalm jagt, schaut ebenfalls gelegentlich vorbei. Im Frühjahr und Sommer sind die Boltens fast jedes Wochenende da. "Das sind zweieinhalb Tage Urlaub pro Woche", schwärmt Rene Bolten. Auch Luna-Marie ist noch gern dabei. Sie, die auf dem Campingplatz groß geworden ist, hat hier immer noch viele Freunde. "Camping-Freundschaften halten ein Leben lang", sagt sie und muss grinsen: "Na ja, ich bin ja erst 16."

Die Boltens, 43 und 45 Jahre alt, haben schon viele Camping-Freundschaften geschlossen. Man trifft sich zum spontanen Grill-Event beim Nachbarn oder auf ein Bier in der Camping-Kneipe "Pferdestall". Manchmal auch bei Monika und Klaus Forstner. Die beiden sind im wahrsten Sinne des Wortes Dauercamper. Klaus Forstner, heute 67, hat vor weit mehr als 40 Jahren seinen ersten Wohnwagen gekauft - eine "Schwalbe", gut drei Meter lang. Anfangs zog es ihn, seine Frau und die beiden kleinen Töchter an den Rhein. Das Familienoberhaupt schlief immer im Vorzelt. Wenn der Rhein mal ein bisschen überschwappte, wurde es dort zuerst nass. Dann hieß es: Ab auf den Deich.

Das ging so, bis Monika Forstner einen größeren Wohnwagen und einen festen, möglichst dauerhaft trockenen Platz haben wollte. So zogen die Forstners 1980 an der Dilborner Mühle auf. Es war April, es goss in Strömen, und die Neu-Camper standen knietief im Morast. Doch der nasse Start hat ihnen nicht die Laune verhagelt. Seit 37 Jahren ist die Familie in Overhetfeld zu Gast. Ihre Parzelle haben die Forstners in eine grüne Oase verwandelt. Die Blumenkästen sind üppig bepflanzt. Tomaten reifen am Strauch, im Hochbeet sprießt der Salat.

Es ist das Kontrastprogramm zur Wohnung in Duisburg-Rheinhausen, wo die Forstners auf der dritten Etage leben. Jahrzehntelang schauten sie auf das Krupp-Stahlwerk, später auf einen Güterbahnhof. Statt Industrielärm gibt es auf dem Campingplatz Kinderlachen und statt Staub frische Landluft. Wenn Monika Forstner hier mal nachts wach liegt, hört sie nicht das Rattern der Güterwaggons, sondern den Ruf des Kauzes. "Die Landschaft, der Wald, die Ruhe - das ist traumhaft", sagt sie. Mit dem Rad haben die Forstners im Lauf der Jahre die Naturschätze der Region buchstäblich erfahren. In der Gaststätte "Zur Kapelle an der Heide" sind sie gelegentlich zu Gast. Und sein letztes Auto hat Klaus Forstner nicht in Duisburg, sondern im Kreis Viersen gekauft. Camper sind ein Wirtschaftsfaktor.

Seit vier Jahren ist Klaus Forstner Rentner. Er und seine Frau sind seitdem nicht mehr Wochenendcamper, sondern Dauercamper. Erst im Herbst und Winter, wenn es im Schwalmbruch kalt und nass und klamm wird, fahren die Forstners zurück in ihre Wohnung nach Duisburg - und freuen sich schon aufs nächste Frühjahr.

Quelle: RP
 
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