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Kreis Viersen
Damit der Schreibtisch nicht leer bleibt

Kreis Viersen. Die Viersener Sensis GmbH hatte jahrelang Probleme, Personal zu finden. Mit Hilfe der Fachkräfteberatung von IHK und Arbeitsagentur fand das kleine IT-Unternehmen fünf Mitarbeiter. Nun wird das Projekt verlängert. Von Constanze Juckenack

Mit Müll und IT verdient die Sensis GmbH in Viersen ihr Geld - das klingt nicht gerade sexy, findet selbst einer der Gesellschafter. "Dabei haben wir viel zu bieten", sagt Gesellschafterin Margit Klinken. Nur: Viele Berufsanfänger kennen Sensis nicht und kommen nicht auf die Idee, sich dort zu bewerben. Es gibt genug Arbeit, um heute noch neue Mitarbeiter einzustellen. Dazu müsste Sensis allerdings erst einmal jemanden finden.

Doch nun ist es der kleinen Firma gelungen, fünf neue Angestellte zu gewinnen. Das ist viel für den 20-Mitarbeiter-Betrieb. Drei Auszubildende und zwei weitere Mitarbeiter hat die Firma rekrutiert. Der Kontakt zu ihnen entstand mit Hilfe der Fachkräfteberatung von Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein (IHK) sowie den Arbeitsagenturen Krefeld und Mönchengladbach. Dieses Projekt soll kleinen und mittleren Unternehmen helfen, Fachkräfte zu finden und an sich zu binden. Es existiert seit vier Jahren. 1500 Unternehmen haben die Beratung seitdem genutzt. Jetzt soll das Projekt bis Juni 2018 verlängert werden.

Dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sei entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung der ganzen Region, sagt Jürgen Steinmetz, Geschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. "40 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihnen dieses Thema Sorge bereitet." Vor allem die Akademisierung und die demografische Entwicklung führten dazu, dass immer mehr Unternehmen keine passenden Fachkräfte finden. Schließlich sinkt die Zahl der Schulabgänger kontinuierlich, zugleich steigt der Anteil derer, die ein Studium beginnen. "Das geht zu Lasten der Dualen Ausbildung", sagt Steinmetz.

Auch bei der Arbeitsagentur fällt auf, dass viele Firmen Mitarbeiter suchen. 1000 offene Stellen werden dort derzeit jeden Monat gemeldet, erzählt Dirk Strangfeld, Geschäftsführer der Krefelder Arbeitsagentur. Es ist noch nicht lange her, dass diese Zahl bei 700 lag. "Wir haben am Arbeitsmarkt genug Leute", sagt Steinmetz. "Es ist für Unternehmen aber schwierig, die richtigen zu finden."

Auch Klinken steht vor diesem Problem. Sensis erstellt Software, mit deren Hilfe Unternehmen und Kommunen die Entsorgung von Abfall regeln. Fast jeder Bürger hat über seine Abfallabrechnung indirekt mit Sensis zu tun, da diese oft mit den Programmen des Viersener Unternehmens erstellt wurde. Doch deshalb käme man ja noch lange nicht auf die Idee, sich bei der Firma zu bewerben, sagt Klinken. Dabei habe eine Arbeit bei Sensis viele Vorteile: Der Job sei sicher, vielseitig und interessant.

Die neuen Mitarbeiter fand Klinken mit Hilfe von Viola Ernst. Sie ist eine der vier Fachkräfteberaterinnen bei der IHK. Ernst informierte sich zunächst über die Stärken und Schwächen der Firma an der Gladbacher Straße. Dann erstellte sie Tipps, mit deren Hilfe Sensis Mitarbeiter finden und halten kann. "Sie hat uns zum Beispiel geraten, auf die Gesundheit unserer Beschäftigten zu achten", erzählt Klinken. Man kenne ja das Klischee von IT-lern, die ständig Fast Food essen und sich ungesund halten. Um dem entgegenzuwirken, gibt es bei Sensis nun mittags kostenfrei Müsli in den Wunschsorten der Mitarbeiter. Außerdem kommt regelmäßig eine Physiotherapeutin vorbei, um die Beschäftigten durchzuchecken und zu behandeln - während der Arbeitszeit und auf Kosten des Unternehmens. "Das nutzen fast alle", sagt Sensis-Geschäftsführer Jörg Boland. Für die Beratung bei Viola Ernst zahlte Sensis nichts.

Steinmetz und Strangfeld sind überzeugt, dass die Fachkräfteberatung auch in Zukunft wichtig ist. Zwar bewerten immerhin 35 Prozent der Unternehmen im Kreis Viersen ihre Geschäftslage als gut und nur zehn Prozent als schlecht, wie die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage zeigt. Allerdings leiden etliche Unternehmen derzeit unter der wirtschaftlichen Entwicklung in China, zudem berge die allmähliche Abkehr vom Schengen-Abkommen eine große Gefahr für die Exporttätigkeit der hiesigen Firmen, so die Einschätzung der IHK.

Quelle: RP
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