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Schwalmtal
Das St. Wolfhelm ist jetzt Europaschule

Schwalmtal: Das St. Wolfhelm ist jetzt Europaschule
Die Lehrerinnen Andrea Burghardt (v.l.) und Sandra Rieke, der stellvertretende Schulleiter Dirk Göbels und die Schülerinnen Eliana Sommer und Nelly Paszek unter dem Wegweiser, der auf die Partnerschulen des Gymnasiums verweist. FOTO: Ronge
Schwalmtal. Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner (CDU) hat gestern in Düsseldorf zehn neue Europaschulen ausgezeichnet. Für das Gymnasium St. Wolfhelm in Waldniel ist die Ehrung das Ziel einer langen Reise — und Ansporn für die Zukunft Von Birgitta Ronge

Das St.-Wolfhelm-Gymnasium in Waldniel will seine Schüler fit für Europa machen. Egal, ob die Schüler später Praktika im benachbarten Ausland machen, dort studieren oder arbeiten wollen - die Schule will ihnen das Rüstzeug dafür mitgeben. Unterricht in mehreren Fremdsprachen, bilingualen Unterricht, Schüleraustauschprogramme und Projektwochen gibt es zum Thema Europa schon seit Jahren an der Schule. Für die Arbeit ist das Gymnasium jetzt ausgezeichnet worden: Gestern ernannte NRW-Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner (CDU) in Düsseldorf zehn Bildungseinrichtungen in NRW offiziell zu Europaschulen. Das St. Wolfhelm ist eine von ihnen.

Um das Europa-Profil der Schule auszubauen, wurden in den vergangenen Jahren immer mehr Bausteine hinzugefügt. Heute können die Schüler am St. Wolfhelm nicht nur Englisch und Französisch lernen, sondern auch Italienisch und Niederländisch. Fremdsprachenassistenten - meist Lehramtsstudenten aus anderen europäischen Ländern - helfen als Muttersprachler den Lehrern im Unterricht. Seit 2009 werden die Fächer Erdkunde und Biologie bilingual unterrichtet, wenn sich Fünftklässler für den bilingualen Zweig entscheiden. Es gibt Kooperationen mit Partnerschulen, damit die Jugendlichen beim Schüleraustausch die neu erworbenen Sprachkenntnisse auch anwenden, dabei Land und Leute kennenlernen und Freundschaften knüpfen können. Planspiele und Projekttage in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung sollen den Blick auf Europa lenken. Wer überlegt, später im Ausland zu studieren oder zu arbeiten, kann sein Betriebspraktikum beispielsweise in Frankreich oder in den Niederlanden machen. "Den jungen Leuten sagen wir: Wir leben in dem Haus Europa. Das sind Möglichkeiten, mit denen ihr euch etablieren könnt", sagt der stellvertretende Schulleiter Dirk Göbels (43).

Die Schüler schwärmen von den Möglichkeiten, die das Europa-Profil bietet. "Ich war in Italien im Austausch, habe dort eine Berufsschule besucht", berichtet Eliana Sommer (17). Doch nicht nur den Unterricht fand sie dort spannend, sondern auch den Kontakt mit den Gastfamilien: "Die Leute sind unglaublich gastfreundlich", sagt die Schülerin. "Sie haben sich mit uns wahnsinnig viel Mühe gegeben und versucht, langsam zu sprechen." Die Gymnasiastin ist von Fremdsprachen begeistert: In der fünften Klasse wählte sie den bilingualen Zweig, wurde in den Fächern Biologie und Erdkunde also zweisprachig unterrichtet. Zusätzlich lernte sie Italienisch und schloss sich dem "Debating Club" an der Schule an, in dem die Schüler lernen, auf Englisch über politische Themen zu diskutieren. Klar, dass sie auch einen Englisch-Leistungskursus belegt hat. Schüler des "Debating Clubs" diskutieren regelmäßig bei Parlamentssimulationen ("Model United Nations") mit Schülern aus anderen europäischen Ländern über aktuelle europapolitische Themen. "Schön zu sehen, dass es noch andere Schüler gibt, die über Politik diskutieren wollen", findet die 17-Jährige. "Es ist interessant, mit Leuten aus anderen Ländern zu debattieren, andere Standpunkte zu hören."

Nelly Paszek (14) hat ebenfalls den bilingualen Zweig am St. Wolfhelm gewählt. Außerdem lernt die Gymnasiastin Englisch, Niederländisch und Französisch. Ein Zertifikat, dass ihr bescheinigt, dass sie sehr gut Französisch spricht, hat sie schon bekommen (Diplôme d'études de langue francaise, kurz DELF). Zum Studium würde die Neuntklässlerin gern später ins Ausland gehen: "Man lernt die Sprache und ist offener", ist sie überzeugt.

Das Gymnasium unterstützt Schüler dabei, das DELF-Zertifikat für Französisch und das CELI-Zertifikat für Italienisch zu erwerben. Lehrerin Sandra Rieke (35), die Englisch und katholische Religionslehre unterrichtet und die Bausteine für das Europa-Profil der Schule mit koordiniert, wirbt für diese Nachweise: "Bei hochschulinternen Auswahlverfahren sind diese Zertifikate sehr hilfreich, ebenso bei dualen Studiengängen." Ein Muss ist das neben dem normalen Unterricht nicht, aber: "Wir haben wirklich gute Schüler, die freiwillig an Angeboten teilnehmen", sagt Rieke. Ebenso seien die Lehrer sehr engagiert: "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Lehrer den ,Debating Club' leiten oder einen Schüleraustausch organisieren", sagt Rieke.

Der stellvertretende Schulleiter Göbels ist überzeugt davon, dass auch die Lehrer von den Europa-Aktivitäten an der Schule profitieren, "auch durch den Austausch mit Kollegen", sagt Göbels. "Man ist immer so im eigenen Saft, schmort so vor sich hin." Die Auszeichnung als Europaschule betrachtet er als Ansporn, nicht nachzulassen und das Profil des Gymnasiums weiter zu schärfen. "Es ist nicht so, dass wir uns die Auszeichnung abholen und uns an die Tür kleben." In fünf Jahren folgt die Rezertifizierung. "Die Arbeit hört nicht auf", sagt Göbels. "An dem Europa-Profil der Schule muss weiter gearbeitet werden - auch, wenn Kollegen in den Ruhestand gehen."

Quelle: RP
 
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