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Niederkrüchten
Der Fliegenpilz im Korb

Niederkrüchten: Der Fliegenpilz im Korb
Am Ende der Wanderung begutachtete Expertin Anneliese Meyer die gesammelten Pilze ganz genau – schließlich sollte sich niemand später niemand vergiften. FOTO: RPO
Niederkrüchten. Mit einer Gruppe, die sich in einem Seminar vorbereitet hatte, ging der Heimat- und Kulturverein auf Pilzwanderung. Damit keine Giftpilze in die Pfanne geraten, wurden alle Funde vom Profi begutachtet. Von Jochen Smets

Seine Boden-Schätze gibt der Elmpter Wald nicht so ohne weiteres preis. Es braucht Geduld und ein gutes Auge, um ein Köstlichkeiten-Körbchen zu füllen. Konzentriert, den Blick auf den Grund geheftet, streift die zehnköpfige Gruppe des Heimat- und Kulturvereins einzeln oder paarweise durchs Unterholz. "Spannender als Ostereier-Suchen", scherzt Werner Tiskens. Aber auch schwieriger: Anders als ein grellbuntes Osterei pflegt das Objekt der Begierde Tarnfarbe zu tragen. Maronenröhrling, Steinpilz und Co. sind grau-braun, mit einem Schuss Ocker vielleicht. Dummerweise ist der Waldboden mit einer Laubschicht bedeckt, die grau-braun ist, mit einem Schuss Ocker vielleicht.

Giftige Verwechslungsgefahr

Worauf zu achten ist, hat Pilzberaterin Anneliese Meyer den Teilnehmern tags zuvor in einem eineinhalbstündigen Seminar beigebracht. Faustregel: Weiße Pilze und Lamellenpilze stehen lassen – Verwechslungsgefahr mit giftigen Arten. Während Ursula und Werner Tiskens bei ihrer Premieren-Pilzwanderung anfangs noch ziemlich viel Luft im Sammler-Körbchen haben, ist Hermann Böken schon ein Profi: Zielsicher hat er sich ein kleines Lärchen-Grüppchen als Revier ausgeguckt. Hier findet er dutzendweise gelbfleischige Pilze mit braunem Hut. Auch wenn er den Namen nicht genau kennt, weiß er: "Die sind gut."

Anneliese Meyer bestätigt das. Die Pilzberaterin kommt später hinzu, um die Funde zu begutachten. Bökens Prachtexemplare sind Hohlfußröhrlinge – vorzügliche Speisepilze, die eigentlich recht selten sind, aber im Elmpter Wald sehr reichlich wachsen. Nacheinander schütten alle Sammler ihre durchweg stattlich gefüllten Körbe aus.

Ursula und Werner Tiskens haben in zweifacher Hinsicht Glück. Die Anfänger haben zwei Steinpilze gefunden – was bei den erfahreneren Pilzsuchern ehrfürchtiges Raunen auslöst. Steinpilze gelten als rare Delikatesse. Ein zweites Mal haben die Tiskens Glück, als Anneliese Meyer in ihrer Ausbeute einen kapitalen Fehlgriff aussortiert: einen Fliegenpilz. Fieserweise hat dieses Exemplar nicht den markanten roten Hut mit weißen Punkten, sondern eine harmlose Braunfärbung.

Darum legt der HKV bei seinen Pilzwanderungen Wert darauf, dass alle Teilnehmer sich in einem Kurzseminar vorbereiten und dass alle Funde nachher vom Profi begutachtet werden. Denn der Grat zwischen Hochgenuss und Brechdurchfall (oder Schlimmerem) ist schmal. So unterscheidet sich der leckere Perlpilz vom hochgiftigen Pantherpilz nur minimal. Doch das Gros der gefundenen Pilze ist okay, befindet Anneliese Meyer.

Quelle: RP
 
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