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Viersen
Die anderen Gesichter der Thönnessens

Viersen: Die anderen Gesichter der Thönnessens
Günter und Barbara Thönnessen zeigen nun ihre Skulpturen und Bilder n der Fabrik für Genusskultur,. FOTO: Busch
Viersen. Der ehemalige Bürgermeister hat sich aus der Politik zurückgezogen. Nicht aber aus seiner Bildhauer-Werkstatt. In einer ersten gemeinsamen Ausstellung zeigen Günter und Barbara Thönnessen Bilder und Skulpturen in Süchteln Von Sabine Janssen

Im Hause Thönnessen ist sie die Ordentliche. Es sei denn, sie betritt ihr Atelier. "Ich arbeite barfuß, mit dicken Pinseln, Schwämmen und Lappen. Hinterher habe ich oft bunte Füße", sagt Barbara Thönnessen. Die 65-Jährige kennen viele als gute Keramik-Designerin und Malerin.

Ihren Mann kennt man auch - aus der Politik. Dort galt der ehemalige Bürgermeister von Viersen als harter Brocken. Vielleicht entdeckte er deshalb auch 2010 - noch als Bürgermeister - seine Leidenschaft für harte Steine, die er akribisch mit Hammer und Meißel bearbeitet.

Am 21. Oktober übergab Thönnessen (SPD) seiner Nachfolgerin Sabine Anemüller (SPD) den Schlüssel fürs Rathaus. Aus der Politik zog er sich zurück, aber den Meißel hat er nicht aus der Hand gelegt. Erstmals gemeinsam mit seiner Frau Barbara stellt er nun aus: In der Fabrik für Genusskultur in Süchteln zeigt sie ihre Bilder, allesamt Leinwand auf Acryl, und er seine Skulpturen.

Bei den Vorbereitungen zu der Ausstellung hat das Ehepaar bereits etwas gelernt: "Wir haben festgestellt, dass unsere Bilder und Skulpturen gut harmonieren. Sie verbinden sich toll in Form und Farbe", sagt Barbara Thönnessen.

Seine feingehauenen Gesichter und Figuren aus Marmor, Sandstein, Holz oder irischem Limestone gesellen sich zu ihren Frauenporträts, ihren abstrakten Farbwelten und halbgegenständliche Blumenwelten, die alle Kraft ausstrahlen. So wie im Haushalt hat das auch in der Kunst strikte Aufgabentrennung: Sie malt, er formt Steine.

"Not Trump" hat Günter Thönnessen einen Kopf aus Eiche genannt. Schmal, ernst und philosphisch ist das Gesicht des Eichenmannes. Der Titel kam ihm spontan: "Dieser Typ regt mich einfach auf", sagt Thönnessen, der eigentlich härtere Materialien als Holz bevorzugt. Irischen Limestone etwa oder Diabas, einen glatten, schwarzen Stein. "Je härter, desto besser", sagt der ehemalige Bürgermeister. "Stein verzeiht nichts. Gerade bei harten Steinen kann leicht ein Stück wegplatzen."

In einer Phase der Erschöpfung hat Thönnessen die Bildhauerei für sich entdeckt und seitdem Workshops bei renommierten Künstlern besucht. Früher hieß es dann: "Der Bürgermeister geht Steine kloppen." Doch für Thönnessen ist es mehr als das: "Das rhythmische Schlagen auf den rohen Stein, die Achtsamkeit für das Material, seine Sensibilität, die körperliche Anstrengung - das hat für mich meditativen Charakter", sagt der 65-Jährige. Bevor er den Stein bearbeitet, macht er sich Skizzen, wie der Kopf oder die Figur aussehen soll. "Ich habe meist ein Bild im Kopf. Das brauche ich, denn mitten in der Arbeit sieht es so chaotisch aus, dass ich denke: Das gibt nichts. Aber den Punkt muss man überwinden." Etwa 100 Stunden brauche es, bis ein Kopf aus Stein Form angenommen habe. Anders arbeitet seine Frau. "Ich habe meist eine grobe Vorstellung und fange in einer Ecke an. Wenn es mir nicht gefällt, übermale ich es einfach." Mintfarbene Blumen mit pinkfarbenen, verlaufenen Köpfen, Flächen - gerne auch dunkel - die dreidimensional wirken und Frauen. Mal in der Pose eines Mannequins verfremdet durch ein Rautenmuster, und immer wieder in Porträts: selbstbewusst, dominant, zickig, anmutig, verzerrt, gesichtslos.

Keine Frage, Menschen sind wichtig für die Thönnessens. Gerne auch gespaltene Köpfe, mit zwei Gesichtern, zwei Polen. "Die sind meine Spezialität", sagt Thönnessen. Das hat er vielleicht auch als Bürgermeister gelernt: Menschen haben zwei Gesichter. Mindestens.

Quelle: RP
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