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Viersen
Gebt her eure Handys

Viersen: Gebt her eure Handys
FOTO: Franz-Heinrich Busch
Viersen. Vier von fünf Handy-Besitzern haben noch ein altes Mobiltelefon nutzlos in der Schublade liegen. Darin sind wertvolle Rohstoffe wie Gold oder Coltan enthalten. Heute startet der Viersener Bernd Bodenbenner eine große Sammelaktion Von Bianca Treffer und Lisanne Pitzen

Das neue Smartphone ist endlich da, das alte wandert in die Schublade. So oder ähnlich scheint es bei den meisten Viersenern zu laufen. Rund 90.000 ausgemusterte Handys lagern in den Viersener Haushalten, Tendenz steigend. Nicht einmal jeder Zweite Deutsche hat laut einer Studie von Bitkom Research schon einmal ein Handy entsorgt.

Von heute an haben die Viersener die Möglichkeit dazu: In Bankfilialen, in den Kirchengemeinden und auch in den öffentlichen Ämtern der Stadt Viersen sind große Sammelboxen aufgestellt. In der kommenden Woche sammeln auch die Dülkener Pfadfinder und Schulklassen ausrangierte Mobiltelefone ein.

Bernd Bodenbenner heißt der Mann, der die Bewegung ins Rollen brachte. "Ich bin durch einen Bericht in der Kirchenzeitung auf die Problematik aufmerksam geworden, die wir unter anderem mit unserem Konsumverhalten bei Handys auslösen", berichtet der Viersener. Er sprach die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden, die Stadt, die Banken, die Pfadfinder und die Schulen in der Kreisstadt an. Auf diese Weise fand er zahlreiche Kooperationspartner.

Das Problem mit den schicken Smartphones: Um sie herzustellen, werden seltene Erze wie Coltan benötigt. "Im Osten des Kongos kämpfen bewaffnete Milizen um die Bodenschätze, die für die Herstellung von Handys benötigt werden", schildert Bodenbrenner. Durch den illegalen Verkauf von Coltan würden sie ihren Krieg finanzieren. Millionen von Menschen seien durch den Bürgerkrieg zu Flüchtlingen geworden."

Genau da setzt Bodenbenner mit seiner Sammelaktion an: Die Mobiltelefone werden, falls defekt, repariert. Alternativ werden die wertvollen Bestandteile recycelt - in jedem Smartphone stecken laut Öko-Institut ungefähr 306 Milligramm Silber und 30 Milligramm Gold, ein Smartphone-Akku enthält 6,3 Gramm Kobalt. Auch Ladekabel und Akkus können mit in die Sammelboxen gegeben werden.

Die Mobiltelefone wandern dann zur Hilfsorganisation Missio, die durch den Verkauf der gesammelten Smartphones ein Trauma-Zentrum finnziert.

Bürgermeisterin Sabine Anemüller findet die Sammel-Idee klasse. "Wir begrüßen die Aktion sehr und stellen im Stadthaus eine der Sammelboxen auf", sagt sie. Anemüller benutzt ihr Smartphone schon seit vier Jahren und tauscht es nicht regelmäßig gegen ein neues Handy ein. Man dürfe nicht vergessen, dass man über den eigenen Konsum die Schattenseiten mitbetreibe und dementsprechend anders handeln sollte, fügt Pfarrer Helmut Finzel von der St.-Remigius-Pfarrei an. Bei der Stadt Viersen kann man sich indes vorstellen eine Dauersammelbox aufzustellen, um auch über den Aktionszeitradius hinaus Handys zu sammeln.

Wer will, kann einen Coupon auf den ausliegenden Papiersammeltüten ausfüllen. Damit unterstützt man eine Petition gegen blutige Geschäfte mit Coltan und nimmt zeitgleich an einer Verlosung teil. Der Hauptpreis ist ein fair gehandeltes Handy.

Quelle: RP
 
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