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Niederkrüchten
Geburtshilfe aus Leidenschaft

Niederkrüchten: Geburtshilfe aus Leidenschaft
Monica Ebbers (links) und Claudia Wolsing vom Kreisverband Mönchengladbach/Viersen der Hebammen NRW wollen, dass Gebärende weiterhin entscheiden können, wie sie betreut werden möchten. FOTO: Anne Goch
Niederkrüchten. Monica Ebbers betreut als freiberufliche Hebamme auch im Kreißsaal Mutter und Kind. Die Haftpflichtversicherung ist allerdings so gestiegen, dass die Niederkrüchtenerin an ihre Grenzen stößt. Von Dominique Schroller

In der Hebammenpraxis von Monica Ebbers und Claudia Wolsing läuft ein Band. Es informiert die Frauen darüber, dass die offene Sprechstunde ausfällt. "Das ist unser kleiner Beitrag zum Hebammenstreik", sagt Monica Ebbers.

Sie war bei der Kundgebung in Düsseldorf, um ihre Kolleginnen zu unterstützen. "Da waren viele Mütter mit ihren Kindern dabei, die die Erfahrung gemacht haben, von einer eigenen Hebamme begleitet zu werden."

Die 46-Jährige ist mit Leidenschaft freiberufliche Hebamme und möchte noch vielen Kindern den Weg in die Welt ebnen. Die Geburtshilfe ist für die Niederkrüchtenerin das Herzstück ihrer Arbeit.

Doch die Rahmenbedingungen haben sich in der vergangenen Zeit immer mehr zugespitzt und drohen, ihre finanzielle Existenz zu zerstören. "Die Haftpflichtversicherung ist zuletzt um 200 Prozent auf mehr als 3700 Euro im Jahr gestiegen. Das heißt für mich, dass ich 17 Geburten durchführen muss, um diese Summe aufzubringen", sagt Monica Ebbers. Sie betreut bewusst nur vier Frauen im Monat, um Überschneidungen beim Geburtstermin auszuschließen.

Mehr Anfragen

"Wenn ich mehr mache, leidet die Qualität." Die 46-Jährige ist ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht. In den vergangenen Monaten haben die Anfragen bei ihr deutlich zugenommen, da zahlreiche Kolleginnen die Geburtshilfe aus ihrem Angebot gestrichen haben. Sie beschränken sich auf Vor- und Nachsorge und überlassen ihre Patientinnen während des Gebärens den angestellten Hebammen im Krankenhaus.

Die können aufgrund ihres Schichtdienstes jedoch keine individuelle Betreuung gewährleisten. "Wenn ich ein Paar ins Krankenhaus begleite, hat sich während der Schwangerschaft schon ein Vertrauensverhältnis entwickelt. Ich kenne die Geschichte der Frau und weiß, wo Ängste und Probleme sind. So kann ich sie während der Geburt ganz anders unterstützen."

Sie nutzt Belegbetten im Elisabethkrankenhaus, um für den Notfall die medizinische Ausrüstung vor Ort zu haben und den Frauen trotzdem einen geschützen Raum zu bieten, in dem sie ihr Kind zur Welt bringen können. Die ersten Kontakte knüpft Monica Ebbers bereits in der 13. Schwangerschaftswoche und begleitet manche Frauen, bis ihr Kind ein Jahr alt ist.

"Stillen ist ein großes Thema, wir bieten aber auch Rückbildungsgymnastik an und stehen den Müttern als Ansprechpartner zur Verfügung." Um rund um die Uhr erreichbar zu sein, hat Monica Ebbers ihr Handy immer bei sich. Urlaub, Kino oder ein Kurzbesuch am Studienort ihrer Tochter sind nicht möglich. "Mein Alltag ist schon eingeschränkt."

Monica Ebbers hat sich nun ein eigenes Modell überlegt, um Leidenschaft mit Wirtschaftlichkeit zu vereinen. Sie steigt für drei Monate aus der Haftpflichtversicherung für die Geburtshilfe aus, macht in dieser Zeit nur Vor- und Nachsorge, gönnt sich drei Wochen Ferien, steigt wieder ein und arbeitet dann neun Monate am Stück.

"Sollten die Versicherungsprämien jedoch weiter steigen, ist die Schallgrenze bald erreicht." Dann muss sie ihre Patientinnen im entscheidenden Moment an die Klinik abgeben.

Quelle: RP
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