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Viersen
Bye bye Bürgermeister

Günter Thönnessen wird als Bürgermeister von Viersen verabschiedet
2013 entstand dieses Foto von Günter Thönnessen in der RP-Redaktion. "Anhand meiner Brille kann ich erkennen, wann das Foto gemacht wurde", sagt Thönnessen. Weitere Schnappschüsse und offizielle Fotos aus elf Jahren Amtszeit hat er auf unserer Bilderseite kommentiert. FOTO: Busch
Viersen. Heute wird Günter Thönnessen verabschiedet. Elf Jahre Amtszeit liegenhinter ihm. Ein Rückblick. Von Sabine Janssen

Wirklich still wird es ab morgen nicht um ihn werden. Auch wenn Günter Thönnessen heute Abend den Ehrenring der Stadt erhält und mit geladenen Gästen in den Ruhestand hineinfeiert, wird man ihn bald wieder hämmern hören. "Steine kloppen" wird das Bildhauer-Hobby des Bürgermeisters liebevoll genannt. Seit 2011 greift Thönnessen gern zu Hammer und Meißel.

Aus Steinen Skulpturen formen. Das ist zur Leidenschaft geworden. Wer seine elfjährige Amtszeit als Bürgermeister betrachtet, ahnt, dass dieses Hobby kein Zufall ist. Thönnessen hat auch der Stadt Form gegeben. Stadtentwicklung war "sein Ding": die Umgestaltung der Südstadt, der Erschließungsring, die neuen Vorplätze für die Festhalle und den Bahnhof, die Entwicklung des Dülkener Ortskerns.

Dem Bürgermeister-Amt hat er Format verliehen. Thönnessen steht gern und gut auf der Bühne, eine Neujahrsansprache schüttelt er locker aus dem Ärmel, ohne Notizen. Es gibt Bürgermeister größerer Städte, die weitaus schlechtere Figuren abgeben, als der rhetorisch versierte Frontmann im kleinen Viersen. Konflikte austragen, dicke Bretter bohren, Diskussion moderieren. Konfliktscheu ist er nicht, streitbar sehr wohl.

Als Bürgermeister ohne Mehrheit im Rat ist er 2004 angetreten. Auch das passt ins Bild. "Das war mir auf den Leib geschneidert. Einfache Dinge reizen mich nicht", sagt Thönnessen, der 24 Jahre als Lehrer Geschichte und Philosophie unterrichtet hat.

Über seine Amtszeit sagt er: "Ich habe versucht, Dinge anzustoßen. Ich habe mich massiv eingemischt, und ich habe hoffentlich gezeigt, dass sich das konservative Viersen auch mit einem SPD-Bürgermeister gut entwickelt."

Wenn man ihn fragt, was er bewegt hat, sagt der Noch-Bürgermeister: "Die Stadtplanung, die Wirtschaftsförderung, das Handlungskonzept Wohnen. Wenn man die Ansiedlungszahlen von früher betrachtet . . . da hat sich viel getan." Seiner Nachfolgerin Sabine Anemüller (SPD) hinterlasse er einen guten, sicheren Kulturstandort. Ihm persönlich seien Jugendprojekte wichtig gewesen: "Young Life" mit Bandwettbewerb und Disco, die BMX-Anlage am Hohen Busch, das Beach-Volleyball- und das Basketball-Feld. Es gibt aber Dinge, die er heute anders machen würde. "Die Strukturveränderungen in der Verwaltung müssen weitergehen. Das muss noch viel projektorientierter werden." Seine Schwäche: "Ich lobe zu selten", sagt Thönnessen selbstkritisch. "Ich hätte mehr delegieren und weniger selbst machen sollen."

Wie kraftraubend sein Traumjob als Bürgermeister war, musste "Thönne" 2011 feststellen: Mit Burn-out-Diagnose ging er für zwei Monate in eine Klinik. "Es war für mich erschreckend zu sehen, wie wir in unserer Gesellschaft die Leistungsträger verbrennen und das einfach so hinnehmen." Seit seiner Krankheit ist er "grundsätzlicher geworden". "Ich nehme nicht mehr jede Kleinigkeit so wichtig."

Seiner Nachfolgerin wünscht er "ein dickes Fell und dass sie sich ihre offene, sympathische Art im Alltagsstress erhält". Thönnessen weiß nach elf Jahren, wovon er spricht. Zwei Erfahrungen gibt er Anemüller mit auf den Weg: "Nicht jeder Freund ist ein Freund. Und: Nicht alles, was juristisch korrekt ist, ist auch gut."

Günter Thönnessen wäre aber nicht Günter Thönnessen, wenn er nicht für den ersten Tag nach seiner elfjährigen Amtszeit schon Pläne hätte. "Ich ziehe um, ich habe ab morgen eine neue ebenerdige Werkstatt", sagt der Noch-Bürgermeister. Und bald wird man ihn "Steine kloppen" hören.

Quelle: RP
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