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Viersen
Im Urnengarten begraben werden

Viersen: Im Urnengarten begraben werden
Heute wollen viele Menschen anders bestattet werden als früher, so dass sich auch die Friedhöfe verändern müssen. Künftig sollen in Viersen, Süchteln und Dülken Urnengärten entstehen. FOTO: Busch
Viersen. Wer stirbt, wird in einem Sarg begraben - früher war die Erdbestattung eine Selbstverständlichkeit. Heute wählt die Hälfte der Menschen eine Bestattung in einer Urne. Nun reagiert die Stadt: Auf den Friedhöfen sollen Urnengärten entstehen. Von Bianca Treffer

In Viersen, Süchteln und Dülken sollen in Zukunft Urnengärten entstehen. Das hat der Ausschuss für Bauen, Umwelt und Klimaschutz beschlossen. Dabei wird ein Teil der Friedhofgelände zu Gärten umgestaltet, in denen Urnen ihre letzte Ruhe finden. Die Angehörigen der Verstorbenen müssen diese Urnengräber nicht pflegen: Dies soll ein Gartenbaubetrieb oder eine Gruppe von Betrieben erledigen, die die Stadt derzeit per Ausschreibung sucht.

Mit der Idee der Urnengärten reagiert die Verwaltung auf die hohen Kosten, die wegen der Friedhöfe entstehen. "Wir sind auf der Suche nach anderen Nutzungsformen für die Friedhofsflächen", sagt Christoph Zenz, Fachbereichsleiter Bauen und Umwelt in der Stadtverwaltung. Nach dem Bestattungsgesetz NRW sind Städte und Gemeinden verpflichtet, Platz auf ihren Friedhöfen vorzuhalten. Deshalb sind die Friedhöfe groß, viel größer, als sie heute gebraucht werden. "Gehen wir einmal 30 Jahre zurück. Damals war die Stadt gesetzlich verpflichtet, ausreichend Fläche zur Verfügung zu stellen. Wir mussten sogar Friedhoferweiterungsflächen vorhalten, um dem nachzukommen", erinnert Zenz.

Doch die Bestattungskultur hat sich verändert. Waren einst 95 Prozent der Beisetzungen Erdbestattungen, entfallen heute mehr als die Hälfte der Bestattungen auf Asche- und Kolumbariumbeisetzungen. Dies liegt unter anderem daran, dass sich immer weniger Angehörige vorstellen können, ein Grab zu pflegen. Kolumbarien sind daher stark nachgefragt.

In den Totenhallen installierte die Stadt Kolumbarien für die Urnenbeisetzung. Ein Angebot, das inzwischen ausgebucht ist. Neue Urnenhallen will die Stadt derzeit aber nicht einrichten.

Ein Teil der städtischen Friedhofsflächen wird auch deshalb nicht gebraucht, weil sich das geltende Recht verändert hat. "Religionsgemeinschaften als Körperschaften des öffentlichen Rechts - wie Kirchen - erhielten die Genehmigung, ebenfalls Friedhöfe zu betreiben", sagt Zenz.

Die nun zu groß gewordenen Friedhöfe zu pflegen, ist teuer. Es ist aber nicht möglich, einen Friedhof von jetzt auf gleich zu verkleinern. Der Betreiber der städtischen Friedhöfe, die städtischen Betriebe, hat überprüft, welche Flächen mittel- bis langfristig aufgegeben werden können. Dabei müssen die jeweiligen Ruhefristen berücksichtigt werden, auch, dass eventuell Verlängerungen erwünscht sind. Auch die gesetzliche Auflage der Mindestbestattungszeit, die zwischen 25 und 30 Jahren liegt, ist einzuhalten.

In den Urnengärten soll nun die Stadt den Gräbern Plätze zuweisen. Derzeit sucht sie die Betriebe, die dir Urnengärten pflegen sollen, per Ausschreibung. "Gartenbaubetriebe können ihr Planungskonzept einreichen und wir werden entsprechend den Zuschlag erteilen", informiert Zenz. Ein Bürger, der im Urnengarten eine Fläche bucht, schließt mit dem so zuständigen Gartenbaubetrieb einen Pflegevertrag über die vorgegebene Zeit ab. Mit diesem Pflegevertrag geht es zur Stadt, wo alles Weitere vonstatten geht. Über eine Treuhandgesellschaft ist das Konzept abgesichert. So soll im Fall einer Insolvenz eines Betriebes die Pflege weiter gesichert sein.

In Viersen gibt es übrigens eine weitere Bestattungsform, die kaum bekannt ist: die Baumbestattung per Sarg oder Urne. Ohne ein Grab als solches können sich Bürger auch neben einem Baum beerdigen lassen.

Quelle: RP
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