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Viersen
Katerstimmung vor dem Fest

Viersen. Beim Feiern muss Viersen künftig den Gürtel enger schnallen. Ein Grund: Kämmerer Rolf Corsten hat Fehlbeträge durch mögliche Unterstützungen der Sparkassenstiftung "schöngerechnet". Doch der Stiftungsrat winkt ab. Von Joachim Niessen

Das 30-Millionen-Haushaltsloch der Stadt hat auch die Viersener Feste erreicht. Fakt ist: Bei städtischen Feiern wird künftig das Licht wohl etwas eher ausgeschaltet werden. Egal, ob Traditionsveranstaltungen wie "Viersen blüht" oder jüngere Events wie "Dülken Kulturbunt" – das Programm wird ab sofort vom Rotstift bestimmt.

Seit 2008 ist "Dülken Kulturbunt" ein wichtiger Teil des jährlichen Veranstaltungsreigens. Viele engagierte Bürger haben sich dort eingebracht, teils durch aktive Mitarbeit, teils durch finanzielle Unterstützung. 2008 wurden 16 Programmpunkte von der Krimi-Lesung bis zum Open-Air-Kino auf dem Alten Markt angeboten. 2009 wurden immerhin 13 Events abgeboten, unter anderem die "italienische Nacht", die so erfolgreich war, dass sich umliegende Gastronomen sofort zusammensetzten, um die Vorbereitungen für 2010 zu treffen.

"Pseudo-Finanzierung"

Doch beim Blick hinter die Kulissen gab's jetzt bei den Viersener Politikern schon im Vorfeld der Feste Katerstimmung. Ursache hierfür sind die Finanzierungsmodelle, die die Verwaltung für die jeweiligen Veranstaltungen vorgelegt hat. Grünen-Politiker Friedhelm Werner formulierte es drastisch: "Ich will weder ,Viersen blüht' noch ,Kulturbunt' kaputtreden, doch die Verwaltung hat beide einfach schöngerechnet. Hier wird eine Pseudo-Finanzierung vorgelegt, das finde ich unerträglich. So kann man einen Haushalt nicht aufstellen, bei Fehlbeträgen setzt der Kämmerer einfach die Sparkassenstiftung ein, die diese begleichen soll."

Wie schon beim Kulturetat taucht auch bei den beiden städtischen Veranstaltungen die Stiftung als angeblicher Geldgeber auf. Bestimmte Beträge sind hierbei fest eingeplant: So soll die Sparkassenstiftung von den 34 500 Euro für "Kulturbunt" stolze 20 500 Euro übernehmen. Die Kosten von "Viersen blüht" sind mit 199 266 Euro veranschlagt, davon soll die Sparkassenstiftung 28 500 Euro tragen.

Pikant: Der Stiftungsrat hat über die Summen noch gar nicht entschieden. Er wird erst im Mai zusammentreten. "So wichtig beide Veranstaltungen für Viersen sind, so sicher ist auch, dass Mittel in dieser Höhe dort nicht bewilligt werden. Das gilt für alle Veranstaltungen dieser Art", so CDU-Ratsherr Fritz Meies.

Der Christdemokrat betonte, dass es einstimmige Meinung im Stiftungsrat ist, hauptsächlich Projekte zu unterstützen, die einen dauerhaften Nutzen haben. Meies: "Hierzu gehört mit Sicherheit nicht ein fast 18 000 Euro teurer Eröffnungsabend von ,Viersen blüht', bei dem allein für das Feuerwerk rund 4500 Euro zu bezahlen sind."

Derzeit muss die Viersener Verwaltung nacharbeiten und die Programme nach Sparmöglichkeiten durchforsten. Ebenfalls diskutiert wird die Überlegung, "Kulturbunt" nicht mehr alle zwölf Monate, sondern im zweijährigen Wechsel mit "Viersen blüht" stattfinden zu lassen. Eine Entscheidung soll in der nächsten Sitzung des Hauptausschusses am Montag, 22. März, fallen. FRAGE DES TAGES

Quelle: RP
 
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