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Schwalmtal
Lüttelforster Kirche wird saniert

Schwalmtal: Lüttelforster Kirche wird saniert
Die Kirche wurde 1802 im klassizistischen Stil errichtet, die barocke Ausstattung ist älter. Sie stammt zum Teil aus dem Kloster Eppinghoven. FOTO: biro
Schwalmtal. Ab September ist das Gotteshaus in der Hand der Handwerker. Für Dach und Fassade rechnet die Pfarrei mit rund 220.000 Euro Von Birgitta Ronge

Sanft schmiegt sich die Pfarrkirche St. Jakobus an den Hang. Das Gotteshaus ist ein Kleinod in Schwalmtal. Um es zu erhalten, muss es dringend saniert werden. Wer vor dem Portal steht und den Blick nach links auf den Sockel wendet, sieht als Abschlusskante eine Reihe porösen Sandsteins. Durch die Löcher dringt regelmäßig Wasser in den Sockel aus Backstein ein. Friert es im Winter und taut dann, entstehen Risse im Sockel. Der Mörtel in den Fugen platzt ab. Wie sich das Problem lösen lässt, ist nicht klar, dazu sind noch Gespräche mit der Denkmalpflege geplant.

Ab September ist die Kirche in der Hand der Handwerker. Für die Sanierung von Dach und Fassade rechnet die Pfarrei St. Matthias mit rund 220.000 Euro - Überraschungen nicht eingeschlossen. Das Geld entnimmt die Pfarrei aus dem Fabrikfonds für St. Jakobus. Das Gotteshaus wurde 1802 errichtet - in einer Zeit, in der die Franzosen die Macht im Rheinland hatten. "Dass in dieser Zeit Kirchen gebaut wurden, war eine absolute Ausnahme", betont Pfarrer Thorsten Aymanns.

Hermann Giesen vom Gemeindeausschuss St. Jakobus auf dem Dach der Kirche. Nur wenige Balken sind bislang begehbar. FOTO: Franz-Heinrich Busch

Doch die Lüttelforster mussten eine neue Kirche bauen, wie die Archivarin Elsbeth Lohbeck aus Born vor einigen Jahren bei Recherchen festgestellt hat. Denn der Vorgängerbau, eine Kapelle, die auf dem Gelände des heutigen Friedhofs stand, war in einem sehr schlechten Zustand. Geld für eine neue Kirche hatten die Lüttelforster nicht. Erst das Testament von Anna Catharina Mühlenweg, geborene Bispels, die Witwe des Besitzers des gegenüberliegenden Herbertzhofes, machte den Neubau möglich. 8000 Taler hinterließ sie den Lüttelforstern 1797 für eine neue Kirche.

Aus dieser Zeit stammt auch das Dach, das mit Schieferplatten gedeckt wurde. Der Original-Dachstuhl sei "erhaltenswert, eine Besonderheit im ländlichen Bereich", sagt Architekt Thomas Blohm-Schröder. Das Problem: Die Schieferplatten blättern im Laufe der Zeit ab. Dort, wo sie mit Nägeln befestigt wurden, werden sie mürbe. Löst sich eine Platte, "hat man das nackte Holz des alten Dachstuhls", sagt Blohm-Schröder. Sein Rat: "Den nächsten Wintersturm sollte das alte Dach nicht mehr erleben." Ein Wasserschaden würde die Ausstattung der Kirche erheblich beschädigen, erklärt Pfarrer Aymanns. "Die Lüttelforster haben sich in den vergangenen Jahren sehr für die Restaurierung der Ausstattung engagiert", sagt er. "Jetzt müssen wir dafür sorgen, alles zu schützen."

Die Schadstelle in der Gipsdecke entstand durch einen Fehltritt. FOTO: biro

Insgesamt 580 Quadratmeter Dachfläche sollen neu mit Schiefer eingedeckt werden. Der alte Dachstuhl bleibt, allerdings werden Schalbretter über der Kirchendecke verlegt, sodass der gesamte Dachstuhl dann begehbar sein wird. Das ist bislang nicht der Fall. Wer dort oben etwas reparieren will, muss sehr vorsichtig sein. Nur wenige Balken sind belastbar, die Gipsdecke selbst hängt an einer Konstruktion aus schmalen Holzlatten. Ein Fehltritt kann dazu führen, dass die Decke erheblich beschädigt wird. Von solch einem Fehltritt zeugt eine Schadstelle, die man gut sehen kann, wenn man vor der Orgelempore nach oben guckt.

Die Ausstattung der Kirche ist älter als das Gebäude selbst. Als die Lüttelforster Kirche gebaut wurde, konnten die Dorfbewohner zwar noch einige Dinge aus der alten Kirche wieder verwenden, doch andere Sachen mussten neu angeschafft werden. Da 1802 auch das Zisterzienserinnenkloster Eppinghoven bei Neuss-Holzheim aufgelöst wurde, konnten die Lüttelforster dort die Ausstattung zusammenkaufen - unter anderem die um 1750 gebaute Orgel sowie Altar, Kommunionbank und Kanzel, die aus dem 17. Jahrhundert stammen.

Um die prächtige Kirchenausstattung und insbesondere die empfindliche Orgel während der Bauarbeiten zu schützen, sollen die Dacharbeiten von außen durchgeführt werden. Die Luke, die ins Dachgebälk führt und die über eine schmale Leiter hinter der Orgel zu erreichen ist, wird für diese Zeit verschlossen. Bis Jahresende soll St. Jakobus fertig sein.

Quelle: RP
 
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